„Wolkig wischen und penibel pixeln“

Ausstellungseröffnung von Thomas von Klettenberg im Schloss Monaise

Am Sonntag, den 8. September, eröffnete der Künstler Thomas von Klettenberg seine außergewöhnliche Ausstellung im Schloss Monaise in Trier. Der Künstler selbst ist wohl besser bekannt als Moderator Thomas Hackenberg aus der TV-Show „Quiz-Taxi“. Seine Leinwand besteht nicht aus Papier und Farbe, sondern aus Retina-Display und Pixeln.

"Monaise mon Amour"
„Monaise mon Amour“

„Trust me, I’m crazy“ weht es seit Sonntag auf zwei Bannern vom Balkon des Schloss Monaise herunter. Ein an Popart erinnerndes Gemälde, ein kunterbuntes Gesicht grinst dem Besucher seinen Slogan, seinen Titel, wie ein Lebensmotto entgegen. Der Besucher ahnt, was ihn erwartet. Dies wird wohl eine Kunstausstellung sein. Aber eben keine der gewöhnlichen Art. Moderne Kunst? Hier schrecken viele schon zurück und erwarten wenig verständliche Werke, bestehend aus unzusammenhängenden Formen, grellen Farben und Bildern, die so wenig zugänglich sind, dass man sich kaum entscheiden kann, ob sie einem (nicht) gefallen.

Modernes Medium…

Thomas von Klettenberg
Thomas von Klettenberg

Thomas von Klettenberg, alias Thomas Hackenberg, Moderator, Journalist, Schauspieler, Autor und eben auch Künstler, definiert „Moderne Kunst“ allerdings völlig neu. ‚Modern‘ bezieht sich bei ihm nicht nur auf die Motive, sondern auch auf die Machart. Statt mit Bleistift und Papier, statt mit Leinwand und Ölfarben, mit denen er übrigens auch künstlerisch tätig werden kann, malt er mit Licht und Pixeln auf seinem iPad und iPhone. Mit der App „Brushes“ und einem speziellen „Stift“ aus Bangkok malt er auf dem iPad. Oder vielmehr verfremdet er, gestaltet neu, peppt auf, fängt Stimmungen und Licht ein, dass Impressionisten wie Monet und William Turner sich die Finger nach diesen Möglichkeiten geleckt hätten.

Betrachtet man von Klettenbergs Werke, ist man schnell hin und her gerissen im eigenen Adjektiv-Repertoire. Einfach „schön“ zu sagen, geht so hart an den Eindrücken vorbei, dass man sich schämen muss, es auszusprechen. In Anlehnung an die moderne Schaffensweise ist man versucht, seine Begeisterung über einen „Daumen hoch“ und ein „Gefällt mir“ auszudrücken, aber passende Worte in der Realität zu finden ist schwierig. In der Tat sind es besonders von Klettenbergs iPad-Werke, in denen er Fotos mit Farben und Filtern bearbeitet, die zum längeren Hinsehen einladen. Teils psychedelisch, teils traumähnlich, manchmal fast gespenstisch, dann wieder beruhigend und schmeichelnd, immer fremd und doch vertraut zugleich, schimmert das eigentliche Foto doch immer hinter dem eigentlich Sichtbaren durch. Die Realität ist zum Greifen nahe, aber eben doch unbegreiflich. In Trier sieht man seit Sonntag neben Portraits auch seine „Jetlag“-Reihe. Wie sieht man die Welt nach 15 Stunden Flug auf die Philippinen? Raus aus dem grauen Alltagstrott, rein in ein Land der Wärme, der Farben und der Ruhe.

…Neues Wahrnehmen

"Jetlag in Bangkok"
„Jetlag in Bangkok“

Von Klettenberg lädt mit seinen Bildern nicht unbedingt zum Interpretieren und Philosophieren ein, dafür zum Träumen: „Ich verfolge mit den Bildern keinen Zweck, man muss sie nicht interpretieren. Man kann sie einfach mögen oder eben nicht.“ Nach Trier hat der Künstler mehrere Verbindungen, zum einen über die Schmuckdesignerin Miranda Konstantinidou, die selbst einige Zeit in Trier verbrachte und nun auf den Philippinen lebt. Auch von Klettenberg verbringt mehrere Wochen des Jahres in diesem Land. Ist er dann wieder in Deutschland, besucht er in Trier ab und an seinen guten Freund Angelo Kram, der ihn auch mal zum Essen eingeladen hat: Ins Schloss Monaise. „Als ich die nackten Wände gesehen habe, wusste ich, dass ich meine Bilder hier hängen sehen wollte.“

Dr. Andreas Ammer, Rechtsanwalt und 1. Vorsitzender des Freundeskreises Stadtmuseum Trier, hielt die Laudatio und eröffnete feierlich die Ausstellung, in der man bis zum 5. Oktober 2013 im Schloß Monaise Thomas von Klettenbergs, alias Thomas Hackenbergs, „Kopfbomben“ sehen kann, die seit seiner Kindheit in regelmäßigen Abständen „seinen Kopf zu sprengen drohen“. Die Köpfe der Besucher werden die Gemälde nicht sprengen, allerhöchstens im positiven Sinne.

5vier.de wünscht Thomas von Klettenberg alles Gute für seine Ausstellung und den Besuchern viel Spaß und Freude an den außergewöhnlichen „Gemälden“.

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