Würzige Gerüche

Italienreise nach Tarforst

Eigentlich fehlt nur noch das Rauschen des Meeres. Würzige Gerüche liegen in der Luft, verschiedenste Grüntöne wechseln sich mit dem Ockerton des Gemäuers ab, während die Sonne erbarmungslos durch die Fenster strahlt. Und für einen Moment fühlt es sich im neuen Mittelmeer-Schauhaus an der Universität Trier an, wie auf der letzten Italienreise.

Dr. Thomas Becker (Wissenschaftlicher Mitarbeiter Prof. Dr. Frank Thomas – Geobotanik) mit Universitätspräsidenten Prof. Dr. Michael Jäckel im Mittelmeerschauhaus mit Interessierten. Foto: Uni Trier
Dr. Thomas Becker (Wissenschaftlicher Mitarbeiter Prof. Dr. Frank Thomas – Geobotanik) mit Universitätspräsidenten Prof. Dr. Michael Jäckel im Mittelmeerschauhaus mit Interessierten. Foto: Uni Trier

Trier. Nach anderthalb Jahren Bauarbeiten, eröffnete die Geobotanik ihre eigene kleine Mittelmeerumgebung auf dem Campus. Dafür wurde ein Gewächshaus auf Campus I zum Schauhaus umgestaltet. Darin spiegelt sich die intensive Forschungsbeziehung der Geobotaniker zur Mittelmeerumgebung wieder, in die sie in den letzten Jahren zahlreiche Exkursionen unternahmen und verschiedene Forschungsarbeiten entstanden.

Vorbei an Schautafeln wird der Besucher auf eine Reise durch die mediterranen Vegetationstypen mit ihren charakteristischsten Pflanzenarten geführt. Der Weg beginnt an der Sandküste, führt über die Macchie bis zum sommergrünen Laub- und Hartlaubwald. Dabei ist jede Pflanze eigens mit einem kleinen Schild gekennzeichnet. Die Geobotanik hegt und pflegt hier über 150 Pflanzenarten, die durch andere botanische Gärten, Forschungsreisen und private Urlaube ihren Weg nach Trier fanden.

Es gibt viel zu lernen im Mittelmeerschauhaus: Da ist zum Beispiel die Alraune, die zuletzt durch Harry Potter an Bekanntheit zurückgewann. „Sie ist eine der berühmtesten Heil- und Zauberpflanzen“, beschreibt Dr. Thomas Becker, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Geobotanik, ein bodennahes und krautähnliches Pflänzlein mit langen, noppig gewellten Blättern. Man schreibt ihr eine betäubende Wirkung zu und verwendete sie einst als Bestandteil von Liebesgetränken. Aber vor allem die Speicherwurzel der Alraune beflügelte die Phantasie der Menschen. Sie ähnelt einem Menschlein, der wohl bei guter Pflege Wünsche erfüllt. Hingegen bedeutet das Ausgraben der Wurzel Gefahr für Leib und Leben, denn die Schreie des Menschleins sollen töten können.

Das lange wenig genutzte Gewächshaus auf Campus I erfährt somit eine völlig neue Bedeutung. Neben der Anzucht von Pflanzen für Forschung und Lehre, haben hier Studierende die Möglichkeit im Rahmen ihrer Abschlussarbeiten Experimente durchzuführen. Die Arbeiten im Mittelmeerschauhaus werden allerdings nie abgeschlossen sein, denn „ein Gewächshaus ist wie ein Garten – nie fertig und man hat immer neue Ideen“, schließt Prof. Dr. Frank Thomas die Eröffnung mit einem Zitat eines unbekannten Verfassers.

Wer ebenfalls eine kleine Reise durch den Mittemeerraum unternehmen und mehr über dessen Vegetationstypen erfahren möchte, ist von der Geobotanik eingeladen das Mittelmeerschauhaus zu besuchen. Es gibt keine festen Öffnungszeiten. Die Termine können individuell vereinbart werden.

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