„Zero Dark Thirty“ – Auf der Jagd nach dem Terrorfürsten

Krieg ist schmutzig, erst recht wenn Rache die Triebfeder ist. Auch im Krieg gegen den Terror und dessen düsteren Fürsten Osama bin Laden ist jedes Mittel legitim, was zur Tötung des meistgesuchten Mannes der Welt führt. Von der Jagd nach bin Laden erzählt nun die oscarprämierte Regisseurin Kathryn Bigelow in Zero Dark Thirty, der gestern in den Kinos angelaufen ist. 5vier-Redakteur Andreas Gniffke hat sich den Film im Trierer CinemaxX angesehen.

Auch wenn das Ende von Zero Dark Thirty in etwa so viel Überraschungspotenzial bietet wie einst Titanic, so liegen die Details der Jagd nach Topterrorist Osama bin Laden immer noch weitestgehend im Dunkeln. Kathryn Bigelow (Oscar für The Hurt Locker) erzählt die Geschichte dieser Jagd als Geschichte einer Frau, die mit nahezu manischer Besessenheit und getrieben von Rachegelüsten versucht, dem Terrorfürst auf die Spur zu kommen. Und dabei ist ihr nahezu jedes Mittel recht, was vor allem in der amerikanischen Öffentlichkeit für ein breites Echo gesorgt hat.

Der Film beginnt mit einer eindringlichen und auf Originaltöne aus dem World Trade Center reduzierten Darstellung der Terroranschläge des 11. Septembers, einem nationalen Trauma als Grundlage für den Kampf gegen den islamistischen Terror. Die junge Maya (Jessica Chastain) wird in ihrem ersten Auslandseinsatz für die CIA gleich nach Pakistan geschickt und wohnt direkt der Folterung eines Terrormitläufers bei, aus dem auf grausame Art und Weise einige kleine Mosaiksteine gepresst werden sollen. Schläge, Waterboarding, Schlafentzug durch dröhnende Heavy Metal Musik – fast eine halbe Stunde wohnt der Zuschauer dem Martyrium des Gefangenen bei und wird dabei bis nah an die eigene Belastungsfähigkeit geführt. Vor allem diese drastischen Bilder sorgten nun für eine heftige Diskussion in den Vereinigten Staaten. Während unter anderem der ehemals hochrangige CIA-Mitarbeiter Jose Rodriguez die Darstellung als unrealistisch verurteilte, erheben auch zahlreiche Folter-Befürworter ihre Stimmen. Der Film bleibt dabei äußerst unentschlossen. Zwar prangert er auf der einen Seite durch grausame Bilder die gezeigten Methoden an, auf der anderen Seite scheinen diese das einzige Mittel zu sein, Osama bin Laden wirklich auf die Spur zu kommen. Und Bigelow geht sogar noch einen Schritt weiter, denn mit dem Amtsantritt von Barack Obama, der sich nach einigen öffentlich gewordenen Folterfällen deutlich distanzierte, gerät die Suche nach dem Terrorchef ins Stocken und nur dem Ehrgeiz der jungen Agentin ist es zu verdanken, dass die Zauderer in den Führungsetagen von Geheimdienst und Politik die große Chance nicht vertun. Vorn einer Festnahme bin Ladens ist übrigens zu keinem Zeitpunkt die Rede. Maya macht unmissverständlich klar, dass sie den Terroristen tot sehen will.

Mayas Argumente sind dabei äußerst dünn, das ist sicherlich eine Schwäche des Films. Das Aufspüren des Verstecks in Abbottabad wirkt nach all dem getriebenen Aufwand etwas zu simpel und auch die Indizien aus der Überwachung des Objekts rechtfertigen einen riskanten Militärschlag nicht wirklich. Drei Frauen seien auf den Bildern zu sehen, aber nur zwei Männer. Aha, logisch, dass der gut versteckte geheimnisvolle dritte Mann Osama sein muss. Und ebenso seltsam ist es, dass es später beim erstürmten Haus von Männern, Frauen und Kindern nur so wimmelt. Dass sich hochrangige Entscheidungsträger auf einer solchen Basis und nur beeindruckt von einer rothaarigen Furie zum Einsatz entschließen, erscheint dann doch etwas weit hergeholt. Wie die Washington Post recherchierte, soll es ein Vorbild für Maya tatsächlich gegeben haben, die ähnlich ehrgeizig und verbissen die Aktion vorangetrieben haben soll. Jessica Chastain, für ihre Darstellung für den Oscar nominiert, spielt Maya eindringlich, aber ohne dem Charakter wirklich Tiefe zu verleihen. Eine Sympathieträgerin ist sie wahrlich nicht und Nähe baut sich zwischen Figur und Zuschauer zu keinem Zeitpunkt auf.

Somit geht der Zuschauer etwas ratlos aus dem Kino. Auf der einen Seite ist Zero Dark Thirty ein durchaus spannend inszeniertes Drama, auf der anderen Seite stößt einem die unangenehme „Der Zweck heiligt alle Mittel‘-Botschaft des Films durchaus bitter auf. Man kann aber wohl dennoch froh sein, dass die am Ende erfolgreiche Jagd auf Osama bin Laden nicht als ein patriotisches Heldenepos erzählt wurde.

Zero Dark Thirty läuft in Trier im CinemaxX.

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