Trier. Versteckt in einer Kleingartenanlage nahe Olewig liegt ein Stück Trierer Technik- und Industriegeschichte: das ehemalige Nutzwasserwerk Olewig. Jahrzehntelang war die Anlage weitgehend in Vergessenheit geraten. Nun ist sie wieder sichtbar. Das historische Schieberhäuschen wurde grundlegend saniert und am vergangenen Sonntag, dem Tag des offenen Denkmals, in restauriertem Zustand an die Stadt Trier übergeben. Mehrere Akteure ermöglichten die rund 140.000 Euro teure Sanierung. Neben der Stadt beteiligten sich vor allem die Trier-Gesellschaft, der Verein Trierisch, die Stadtwerke und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz.

Historisches Schieberhäuschen an die Stadt Trier übergeben
Kulturdezernent Markus Nöhl betonte bei der Übergabe die Bedeutung des restaurierten Bauwerks: „Mit der Sanierung holen wir ein bislang wenig beachtetes Stück Trierer Geschichte wieder ans Licht. Das Nutzwasserwerk zeigt, wie eng die Entwicklung der Stadt mit der Nutzung und Versorgung mit Wasser verbunden ist. Mein Dank gilt allen, die dazu beigetragen haben, dieses besondere Denkmal zu erhalten und für die Öffentlichkeit wieder sichtbar zu machen.“
Auf den ersten Blick fällt das Bauwerk kaum auf, denn der größte Teil des ehemaligen Nutzwasserwerks liegt unter der Erde. Oberirdisch sichtbar ist lediglich das sogenannte Schieberhäuschen mit seiner charakteristischen geschweiften Dachhaube aus Schiefer. Nach der Stilllegung des Wasserwerks im Jahr 1969 verfiel das Gebäude zunehmend und wurde schließlich von Gestrüpp überwuchert. Bereits 2024 und 2025 konnten Interessierte das Denkmal zum Tag des offenen Denkmals besichtigen, damals allerdings noch in einem deutlich schlechteren Zustand.
Nutzwasserwerk diente vermutlich dem Gerberviertel
Die Geschichte des Nutzwasserwerks reicht bis ins Jahr 1908 zurück. In der Literatur wurde die Anlage bislang vor allem mit der Eisenbahn und dem hohen Wasserbedarf von Dampflokomotiven in Verbindung gebracht. Neue Nachforschungen legen jedoch nahe, dass das Nutzwasserwerk hauptsächlich zur Versorgung des Gerberviertels rund um das Stadtbad diente. Dafür sprechen unter anderem der Verlauf der Leitungen, die geringe Entfernung zwischen Wasserwerk und Gerberviertel sowie der traditionell hohe Wasserbedarf des Gerberhandwerks.
Technisch war das Nutzwasserwerk vergleichsweise einfach aufgebaut. Seine Aufgabe bestand darin, Wasser zwischenzuspeichern und bei Bedarf wieder abzugeben. Hinter dem kleinen Schieberhäuschen führt eine Treppe wenige Meter hinunter zu einem unterirdischen, 45 Meter langen Speicherbecken. Dieses ist in elf parallel verlaufende Kammern aufgeteilt und konnte bis zu 1000 Kubikmeter Wasser aufnehmen.
Mechanischer Schieber regulierte den Wasserzulauf
Bei erhöhtem Wasserbedarf, beispielsweise im Sommer, ließ sich der Zulauf mithilfe eines mechanischen Schiebers regulieren. Auch der Wasserstand konnte kontrolliert werden. An der Außenwand des Schieberhäuschens befindet sich noch heute eine sogenannte Pegeluhr. Das Gebäude selbst diente vor allem als Zugang zum unterirdischen Wasserwerk. Seine Gestaltung als kleines Weinberghäuschen fügte sich bewusst in die Umgebung ein.
Von der ursprünglichen Anlage ist heute vor allem das Schieberhäuschen für die Öffentlichkeit interessant. Das unterirdische Speicherbecken ist nach mehr als 50 Jahren Stilllegung nicht mehr zugänglich, da sich dort inzwischen eine dicke Schlammschicht angesammelt hat.
Dachstuhl und Innenräume umfassend restauriert
Umso wichtiger war die Restaurierung des oberirdischen Gebäudes. Zunächst wurde 2025 der instabile Dachstuhl erneuert. Anschließend wurden die teilweise durch Graffiti beschädigte Außenwand sowie das durch eingedrungene Feuchtigkeit in Mitleidenschaft gezogene Innere grundsaniert und restauriert. Mit der Übergabe an die Stadt Trier ist das Schieberhäuschen nun wieder als sichtbares Zeugnis der Trierer Technik- und Industriegeschichte erhalten.
PM Presseamt Trier
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