Kein Champions-League-Fieber vor dem Abstiegsfinale – Vorschau

Von Florian Schlecht

Live-Konferenzen über das Handy, Rechenspiele auf sechs Plätzen und ein echtes Finale zwischen zwei Freunden: Selten hatte es der letzte Spieltag in der Fußball-Bezirksliga so in sich: Acht Mannschaften kämpfen noch um den Klassenerhalt. Ein echtes Endspiel gibt es zwischen dem SV Krettnach und der SG Großkampen. Der Verlierer muss sicher den Gang in die Kreisliga antreten. Die große Vorschau von 5vier zu einem Wochenende, das nicht nur in Wembley Final-Charakter hat…

SV Krettnach – SG Großkampen (Samstag, 17.30 Uhr)

Derbyzeit am Krettnacher Sportplatz (Foto: 5vier.de)

Der SV Krettnach braucht einen Sieg, um in der Bezirksliga zu bleiben.

Seit 1988 kennen sich Erwin Berg und Günter Bretz. „Das war mein erstes Jahr in Großkampen. Erwin war damals beim FSV Salmrohr“, lächelt Bretz, dem schon Böses schwante, als er vor Saisonbeginn einen Blick auf den Spielplan warf. Das letzte Spiel beim SV Krettnach und seinem Kumpel bestreiten zu müssen, schmeckte dem Trainer der SG Großkampen überhaupt nicht. „Ich hatte damals schon ein komisches Gefühl, dass wir da hinfahren müssen und es noch eng sein könnte in der Tabelle.“

Ein direktes Abstiegsendspiel, wie es aus der Feder von Alfred Hitchcock stammen könnte, damit konnte aber auch Bretz nicht rechnen. Denn vor dem unmittelbaren Finale ist die Ausgangslage klar: Wenn Krettnach nicht gewinnt, steigt es sicher ab. Bei einem Sieg kann es bei passenden Ergebnissen auf anderen Plätzen den Klassenerhalt oder ein Entscheidungsspiel feiern. „Das 1:0 in Laufeld war für uns das Halbfinale. Jetzt kommt das Endspiel“, betont Erwin Berg, der nach dem existenziell wichtigen Sieg beim Schlusslicht echte Erleichterung in den eigenen Reihen wahrnahm. „Wir haben in der Woche gute Trainingsleistungen gezeigt. Ich bin optimistisch, dass wir in der Lage sind, ein Tor mehr als der Gegner zu schießen.“

Für Großkampen würde im Falle einer Niederlage eine Ära von 29 überkreislichen Jahren enden. Günter Bretz kämpft nach fünf Spielen in 15 Tagen mit dem körperlichen Zustand der Mannschaft. Die häufigen Winter-Ausfälle sind nun spürbar, zuletzt wurde ein Mammutprogramm absolviert. Gegen Konz (0:2) und Auw (1:2) gab es schmerzliche Niederlagen. „Langsam gehen die englischen Wochen an die Substanz. Ich weiß noch nicht einmal, ob wir elf einigermaßen fitte Spieler aufbieten können. Ob die Kräfte für den letzten Akt reichen, wird man sehen“, sagt Bretz. Ein Unentschieden würde Großkampen immerhin die Aussicht auf ein Entscheidungsspiel lassen, sofern von den Konkurrenten aus Osburg und Ralingen mindestens ein Team verliert.

Während Krettnach auf Unterstützung aus dem Dorf hofft, reisen vom Gegner viele Fans mit. Die Trainer gehen mit der nervlichen Situation gelassen um. Wie echte Freunde eben. Das erzählt auch Erwin Berg. „Wir werden uns vor dem Spiel treffen und einen Kaffee trinken. Und wir werden nach dem Abpfiff auch mit einem Bier anstoßen. Nur wird man dann sehen, ob es ein Feierbier oder ein Frustbier ist.“

SV Föhren – SG Osburg (Samstag, 17.30 Uhr)

Nicola Weyer, SV Föhren, Bezirksliga. Foto: Sebastian Schwarz

Der SV Föhren mit Nicola Weyer muss noch zittern. Foto: Sebastian Schwarz

Der SV Föhren will seine erfolgreiche Saison krönen und mindestens einen Punkt gegen die SG Osburg einfahren. Das ist nötig, um nicht noch ein böses Erwachen mit einem Entscheidungsspiel nach dem letzten Spieltag zu erleben. Allerdings müsste für Föhren dann schon alles schief gehen. Großkampen müsste in Krettnach gewinnen, Ralingen ebenso gegen Leiwen. Konz und Dörbach dürften ihre Spiele nicht verlieren – und das eigene Heimspiel müsste verloren gehen.

Für Osburg ist die Ausgangsposition schon brisanter. Wenn die Mannschaft verliert, muss sie bei einem Abstieg von Ellscheid aus der Rheinlandliga in die Relegation – oder wandert gleich in die Kreisliga. Das Champions-League-Finale, das ganz Deutschland elektrisiert, interessiert Dieter Lauterbach so nicht. „Abends ist noch Kirmes in Osburg, da würden wir das Spiel gerne zusammen mit guter Laune im Festzelt gucken. Damit beschäftige ich mich jetzt aber nicht. Vorher gilt es, den Klassenerhalt zu schaffen.“ Die Handyleitungen, so glaubt der Trainer, werden zwischen den Plätzen glühen. „Natürlich muss ich informiert sein, wie es bei den anderen Spielen steht. Auch, weil die Zwischenstände für die eigene Taktik nicht unwichtig sind.“

SG Ralingen – SV Leiwen (Samstag, 17.30 Uhr)

SG Ralingen

Gelingt Ralingen der große Wurf gegen Leiwen? Foto: Torsten Franken

Die SG Ralingen kann ebenfalls nur sicher aufatmen, wenn sie einen Sieg gegen Leiwen einfährt. Keine leichte Aufgabe, da der Gegner nach einer starken Rückrunde als Vizemeister feststeht. „Wir müssen ihrer fußballerischen Qualität begegnen, indem wir mit Kampfgeist und Kompaktheit auftreten“, fordert Peter Löw ein. Allerdings beklagt der Trainer ein großes Handicap vor dem Finale seiner Mannschaft. „Wir haben großes Verletzungspech. Bis zu fünf Leistungsträger fallen uns aus. Das zieht sich durch die letzten Wochen.“

Die Hoffnung, die Löw äußert: „In einem Spiel kann es uns gelingen, Leiwen Paroli zu bieten.“ Die Ergebnisse von den anderen Plätzen interessieren den Übungsleiter von Ralingen derweil nicht. „Die will ich erst erfahren, wenn bei uns Schluss ist.“ Bei Leiwen fehlt Trainer Christian Mergens, der beim Champions-League-Finale im Wembley-Stadion ist.

SG Wittlich – SV Konz (Samstag, 17.30 Uhr)

SV Konz gegen SG Wittlich

Konz gewann das Hinspiel mit 2:1.

Der SV Konz ist sicher gerettet, wenn er selber in Wittlich gewinnt. Falls die Mannschaft verliert, muss bei 42 Punkten gezittert werden. Krettnach (39), Großkampen (40), Osburg und Ralingen (je 41) lauern unmittelbar dahinter. Die Aufgabe beim Meister verspricht ein heißer Tanz zu werden, auch wenn Wittlich schon seit Wochen aufgestiegen ist. Doch der Titelträger hat in der Phase des Party-Marathons noch keinen einzigen Zähler abgegeben, seit fünf Spielen gab es nur Siege.

„Wir werden uns noch einmal voll reinhängen. Das 3:2 in Oberweis war noch etwas mit Gaudi verbunden, weil es für keine Seite mehr um was ging. Das ist diesmal anders“, sagt Trainer Frank Meeth. „Ich habe Günter Bretz von der SG Großkampen versprochen, dass sie nur in Krettnach siegen müssen, um sich zu retten. Denn wir gewinnen gegen Konz.“ So will der Tabellenführer mit der ersten Garnitur spielen. Benedikt Schlösser steht nach einer Bänderverletzung wieder im Kader. Das Hinspiel verlor Wittlich mit 1:2. „Wir haben noch was wiedergutzumachen“, fordert Meeth, für den ein Sieg auch wichtig für die Laune wäre. Denn mit den drei Herren-Mannschaften steht anschließend die interne Saisonabschlussfeier an.

SG Landscheid – SV Dörbach (Samstag, 17.30 Uhr)

SG Witlich - SV DörbachEntscheidungsspiel? Abstieg? Solchen Gedankenspielen will der SV Dörbach bei der SG Landscheid entgehen. „Wir gehen mit einem guten Gefühl in das Spiel, das Selbstvertrauen ist zurück“, gibt sich Trainer Rudi Jung jedoch als Optimist, nachdem in Ralingen (5:3) und gegen Föhren (4:1) wichtige Siege eingefahren wurden. „Ich habe gesagt, dass wir mit sieben Punkten aus den letzten drei Spielen gerettet sind. Den einen Zähler brauchen wir aber noch, um durch zu sein.“ Doch selbst dann könnte noch ein Entscheidungsspiel drohen in dieser ausgeglichenen Bezirksliga. Vor seinem Ex-Verein hat Jung aber reichlich Respekt. „Landscheid ist der beste Aufsteiger und hat eine starke Saison gespielt. Auch wenn ihre Ergebnisse zuletzt nicht nach Wunsch verliefen, werden sie gegen uns hoch motiviert sein.“

SG Auw – SG Ruwertal (Samstag, 17.30 Uhr)

Ruwertal sorgte in dieser Saison für einige positive Momente (Foto: Anna Lena Grasmück)

Wie verrückt die Bezirksliga ist, verdeutlicht sich an der SG Ruwertal. Wer Jan Stoffels vor der Saison orakelt hätte, dass seine Mannschaft einen Spieltag vor Schluss schon auf 43 Punkte kommt, hätte wahrscheinlich keinen unzufriedenen Trainer erlebt. Die Ausbeute genügt rechnerisch aber noch nicht ganz, um sich in Sicherheit zu wiegen. Theoretisch braucht auch Ruwertal noch einen Punkt, um feiern zu dürfen. Im schlimmsten Fall würden dem Aufsteiger noch Entscheidungsspiele drohen. Für dieses Schreckensszenario müssten im Falle einer Niederlage bei der SG Auw aber zugleich weitere Ergebnisse mitspielen: Großkampen, Osburg und Ralingen müssten gewinnen, Konz und Dörbach dürften jeweils nicht verlieren.

Die Ausgangsposition vor dem letzten Spieltag:

Drei Mannschaften steigen sicher aus der Fußball-Bezirksliga ab. Wenn die SG Ellscheid den Klassenerhalt in der Rheinlandliga verpasst, was sich einen Spieltag vor Schluss andeutet, erwischt es gar vier Teams. Bei Punktgleichheit von mehreren Teams auf den Abstiegsrängen werden Entscheidungsspiele angesetzt. Die SG Laufeld und die SG Oberweis können den Klassenerhalt schon nicht mehr schaffen. Auf dem drittletzten Platz steht derzeit der SV Krettnach. Bis hin zur SG Ruwertal müssen noch acht Vereine vor dem Gang in die Kreisliga zittern.

SG Ruwertal: Platz 8, 43 Punkte

SV Föhren: Platz 9, 43 Punkte

SV Dörbach: Platz 10, 42 Punkte

SV Konz: Platz 11, 42 Punkte

SG Ralingen: Platz 12, 41 Punkte

SG Osburg: Platz 13, 41 Punkte

SG Großkampen: Platz 14, 40 Punkte

SV Krettnach: Platz 15, 39 Punkte

Der letzte Spieltag im Überblick

Samstag, 25. Mai:

SG Zell – SG Oberweis (16 Uhr)

SG Auw – SG Ruwertal (17.30 Uhr)

SV Mehring II – SG Irsch (17.30 Uhr)

SG Landscheid – SV Dörbach (17.30 Uhr)

SV Föhren – SG Osburg (17.30 Uhr)

SG Ralingen – SV Leiwen-Köwerich (17.30 Uhr)

SG Wittlich – SV Konz (17.30 Uhr)

SV Krettnach – SG Großkampen (17.30 Uhr)

Spielfrei: SG Laufeld

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