Mit Kathrin Döpgen hat das Jobcenter Trier Stadt eine neue Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsplatz, kurz BCA. Seit Anfang des Jahres kümmert sich die 28-Jährige um die Bedürfnisse und die Vermittlung von Frauen ins Arbeitsleben. Aber auch für Männer, die zum Beispiel alleinerziehend sind, ist sie eine Ansprechpartnerin.
Was genau sich hinter ihrer Aufgabe als BCA verbirgt und wie sie diese mit Leben füllen möchte, erzählt Kathrin Döpgen im Interview.

Gleichstellung mit Bedeutung füllen
Seit Anfang 2020 sind Sie die neue BCA am Jobcenter Trier Stadt. Was verstehen Sie unter Ihrer neuen beruflichen Aufgabe?
Ich verstehe mich als Ansprechpartnerin für Kundinnen und Kunden im Leistungsbezug, aber auch für die Geschäftsführung und die Kolleginnen und Kollegen für alle Fragen, die die Gleichstellung von Frauen und Männern im Arbeitsleben betreffen.
Wo sehen Sie denn die Herausforderungen, wenn es darum gehen soll Gleichstellung am Arbeitsmarkt zu fördern?
Ganz besonders Frauen haben es oft schwer, wenn sie aufgrund von Elternzeiten längere Unterbrechungen in ihrem Lebenslauf haben. Das ist immer noch ein großes Thema. Es ist eine Herausforderung, die Aufgabe der Kindererziehung mit einem Einstieg oder Wiedereinstieg in den Beruf zu verbinden. Deswegen ist es wichtig, Frauen auch schon während der Elternzeit mehr zu integrieren und beispielsweise mit Weiterbildungen zu unterstützen. Gerade in der Elternzeit haben wir die Möglichkeit zu schauen, wo steht die Person gerade und wo möchte sie in den nächsten Jahren beruflich hin.
Gibt es irgendwelche Schwerpunkte, die Sie in Ihrer Arbeit setzen?
Nicht unbedingt. Ich möchte für alle Themenbereiche offen sein. Aber dieses Jahr wird die Teilzeitausbildung im Fokus stehen. Es muss inzwischen kein wichtiger Grund mehr vorliegen, um eine Teilzeitausbildung zu bewilligen. Heute reicht es aus, einen passenden Arbeitgeber zu finden, der damit einverstanden ist. In jeder Branche ist eine Teilzeitausbildung möglich. Das ist eine neue Chance für junge, alleinerziehende Frauen und für Frauen, die aufgrund von Kinderbetreuungszeiten nicht Vollzeit arbeiten gehen können.
Welche Bedeutung hat die Arbeit einer BCA denn für die Stadt Trier?
Das Wichtigste ist, denke ich, dass ich den Begriff Gleichstellung mit Bedeutung fülle. Das ist ein sehr komplexes Thema und erfordert eine intensive Zusammenarbeit mit allen beteiligten Akteuren. Mir ist es wichtig, ein großes Netzwerk zu verschiedenen Beratungsstellen zu pflegen, um für unsere Kundinnen und Kunden eine entsprechende Beratung anbieten zu können. Ich denke da an Schwangerenberatungsstellen oder auch die Katholische Familienbildungsstätte Trier, die Diakonie, den Sozialdienst katholischer Frauen oder das Jugendamt, um nur einige zu nennen. Ich bin dabei, nach und nach bei allen vorbeizufahren und mich vorzustellen. Außerdem ist die Beteiligung an verschiedenen Arbeitskreisen, wie dem Arbeitskreis Frauen, wichtig. Das Thema Kita-Plätze steht nach wie vor ganz oben auf der Bedarfsliste in Trier. Natürlich ist auch der Austausch mit anderen BCAs, wie die der Agentur für Arbeit, oder der Frauenbeauftragten der Stadt Trier wichtig.
Was bedeutet Gleichstellung denn für Sie persönlich?
Ich finde, man kann sich gleichgestellt fühlen, wenn man sich nicht benachteiligt fühlt. Gleichstellung ist ein Ideal, das möglicherweise nie ganz erreicht werden kann. Denn jeder ist an Bedingungen geknüpft. Das können Bedingungen von außen sein, die einem Einschränkungen auferlegen oder Qualifikationen, die fehlen. Aber wenn ich einen Job finde, um mein Potential und meine Wünsche auszuschöpfen, jeweils unter den Bedingungen, die mir möglich sind, dann kann ich mich gleichgestellt fühlen. Und auf diesem Weg begleite ich die Kundinnen und Kunden.
Veranstaltungen
Zu den Aufgaben einer BCA gehört es auch, die Kundinnen und Kunden umfassend zu informieren. Dabei gibt es passgenaue Infos für die jeweilige Lebenslage.
Dies sind die Termine für die nächsten Info-Veranstaltungen für Schwangere, die alle im Sitzungssaal des Jobcenters in der Gneisenaustraße 38 stattfinden werden: 27.02.2020, 07.05.2020, 18.06.2020, 03.09.2020. Beginn ist jeweils um 9.30 Uhr.
Vom 4. bis 15. Mai und vom 5. bis 16. Oktober ist jeweils eine Wanderausstellung zum Thema Minijob geplant.
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Hans Wurst meint
Gleichberichtigung ist nicht das selbe wie Gleichstellung! Ersteres wird im Grundgesetz, Artikel 3 Absatz 2, postuliert und weitestgehend umgesetzt, letzteres pervertiert ersteres. Gleichstellung ist inherit diskriminierend und widerspricht demokratischen Prinzipien. Gut zu sehen bei der Wahl der Grünen Doppelspitze, wo die einzige weibliche Spitzenkandidatin gewählt werden musste, da sonst per Beschluss bei der Wahl zweier Männer die Stimmen ungültig waren.
Achja, warum nicht mal zur Abwechslung ein Mann als „BCA“? Das wäre ein starkes Zeichen für Chancengleichheit und Gleichberechtigung, da vor noch nicht allzu langer Zeit gerichtlich festgestellt wurde, das ein Mann nicht Gleichstellungsbeauftragter werden darf, sondern nur Frauen.