Model, Schuhsammler und ein Essen mit Uli Hoeneß

Von Florian Schlecht

Bastian Doreth ist für ein Jahr vom FC Bayern an die TBB Trier ausgeliehen. Am Samstag kehrt der aggressive Aufbauspieler mit seiner neuen Mannschaft an die alte Wirkungsstätte zurück. 5vier sprach mit ihm über das Wiedersehen.

Bastian Doreth (links) im Duell mit Heiko Schaffartzik. „Wir müssen aus der Niederlage gegen Alba die Lehren ziehen.“ Fotos (2): Thewalt

Die Boulevardmedien in München liebten ihn, weil er eine Vorliebe für Mode hat. Als das Basketball-Projekt des FC Bayern so schnell wie ein Pilz aus dem Boden schoss, gehörte er im Aufstiegsjahr in die Bundesliga zu den Leistungsträgern. Dann folgte ein Kreuzbandriss, eine lange Pause – und ein Tapetenwechsel. Für ein Jahr ist Bastian Doreth nun vom bekanntesten Sportverein Deutschlands an die TBB Trier ausgeliehen, wo der Aufbauspieler mit seiner Aggressivität bereits überzeugen konnte. Am Samstag kehrt der 23-Jährige mit der TBB an die alte Wirkungsstätte zurück. 5vier sprach vorher mit ihm über…

…die Niederlage gegen Alba Berlin…

„I will never learn how to loose“, schrieb Doreth bereits auf Twitter nach der Pleite gegen Braunschweig im ersten Heimspiel. Verärgert war er auch nach der Niederlage gegen Alba Berlin, in der die TBB eine zwischenzeitliche Führung von zehn Punkten verspielte. „Das war ganz bitter“, sagt er. „Es ist Schwachsinn, den Spielverlauf mit fehlender Erfahrung zu begründen. Wir haben eine große Chance ungenützt gelassen. Nun müssen wir die Lehren daraus ziehen und begreifen, dass die Spiele erst zu Ende sind, wenn sie abgepfiffen werden. Vorher müssen wir unseren Basketball über 40 Minuten durchziehen und nicht nur über 30, 35.“

…die Boulevardschlagzeilen gegen Jarrett Howell…

„Hobby-Boxer“ (Bild) und „Trier-Rüpel“ (BZ): Die Boulevardzeitungen in Berlin rechneten nach dem Zusammenprall von Jarrett Howell mit Heiko Schaffartzik, bei dem sich der Nationalspieler das Nasenbein brach, in übertriebener Härte mit dem US-Amerikaner im TBB-Dress ab. Überschriften, die auch in Trier gelesen wurden. „Wir gehen aber nicht groß darauf ein“, bleibt Doreth cool. „Wir kennen Jarrett und wissen, dass das keine Absicht war.“

…das Erfolgsrezept des überraschenden Saisonstarts…

„Wir arbeiten hart im Training, jeder zieht gut mit und gibt immer 100 Prozent“, macht Bastian Doreth den furiosen Auftakt mit 8:4-Punkten nach sechs Spielen am Mannschaftsgeist aus. Und an Trainer Henrik Rödl: „Wo uns andere Teams vielleicht in den individuellen Stärken voraus sind, vermittelt uns der Coach, dies über Teamgeist und Kampf wettzumachen. Das gelingt uns ganz gut. Ich hoffe, es geht weiter so.“

…“Klette“ und die Rückkehr nach der langen Verletzungszeit…

Foto: Sebastian Schwarz

Als Spielertyp ist er eher ein Typ wie Sami Khedira als Mesut Özil. „Kaum ein deutscher Basketballer nervt so energisch die gegnerischen Strategen beim Ballvortrag. Doreth ist eine Klette, wie sie keiner gerne vor sich hat“, beschrieb die „Süddeutsche Zeitung“ mal die Vorzüge des 23-Jährigen, der bei der TBB mit Jarrett Howell um die Position im Aufbau konkurriert. Eine treffende Charakterisierung, findet Doreth. „Ich denke, dass der Trainer deswegen froh ist, dass ich nach Trier gekommen bin. Ich definiere mein Spiel über die Verteidigung. Das passt gut zu unserer Spielweise.“ Nach einem Kreuzbandriss in der vergangenen Saison ist die Leihgabe aus München wieder in Form, was er auch auf die Berufung in die Nationalmannschaft im Sommer zurückführt. Dort nimmt Doreth unter Svetislav Pesic eine wichtige Rolle ein, kommt auf 18 Länderspiele – und packte den Sprung zur Europameisterschaft 2013. „Ich war froh, dabei sein zu dürfen. So konnte ich die spielerischen Defizite durch die wenigen Minuten in München abbauen.“

…einen Model-Job und ein Regal voller Schuhe…

Eine Zukunft auf dem Catwalk? Seine Versuche als Model wurden Doreth zu stark „hochgepuscht“, wie er meint. „Das habe ich nur zweimal gemacht für Freunde, die ein Modelabel haben. Es war allerdings eine gute Erfahrung.“ Wenn es um Hobbys geht, bleibt er in erster Linie beim Basketball hängen. „Darum dreht sich mein Leben. Ich will mein Spiel weiter verbessern. Da bleibt nicht viel Zeit, sich auf andere Dinge zu konzentrieren.“ Noch nicht einmal auf seine Leidenschaft für Schuhe. „250 Paar sind es, ich habe ein Faible dafür.“

…die Zeit beim FC Bayern und ein Essen mit Uli Hoeneß…

„Ich bin immer noch fasziniert davon, wie schnell ein so großer Verein eine erfolgreiche Basketball-Abteilung aus dem Boden stampfen kann“, so Doreth, der von Anfang an dabei, als der FC Bayern den Sprung in die Bundesliga schaffte. Das liegt auch an Präsident Uli Hoeneß. „Er richtet seine Aufgabe eher auf den Fußball. Aber er ist bei den Heimspielen in der Halle und hat uns im Sommer auch mal zum Essen eingeladen. Typisch bayerische Küche“, schmunzelt der Nationalspieler. Allerdings zog Doreth auch Lehren aus der Zeit bei den Bayern, wo die Erwartungshaltung deutlich höher ist als an anderen Standorten. „Der öffentliche Druck ist hoch, man gerät schnell in die Kritik. Ich habe gelernt, nicht jede Schlagzeile an mich ranzulassen.“

…das Wiedersehen am Samstag…

„Ich werde keine Rücksicht auf die alten Weggefährten nehmen“, verspricht Bastian Doreth vor dem Spiel am Samstag. Die TBB Trier sieht er in der Rolle des Außenseiters – obwohl der FC Bayern nach der Entlassung von Trainer Dirk Bauermann vor Saisonbeginn einen durchwachsenen Auftakt mit 8:6-Punkten hingelegt hat. „Realistisch gesehen sind sie haushoher Favorit und dürfen sich keine Niederlage erlauben. Natürlich werden wir aber versuchen, dort zu gewinnen.“ Oder wie der Nationalspieler, der sich nie ans Verlieren gewöhnen wird, auf Twitter schreibt: „Ich freue mich darauf, gegen die Jungs zu punkten.“

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