
All das liest sich für den Motorsport – Nerd wie ein Traum: zahlreiche Einsätze in Rennserien wie FIA GT1 World Championship, ADAC GT Masters, Blancpain GT Series oder 24h – Le Mans. Eine lange Historie von über 750 Podiumsplätzen, 300 Pole Positions und rund 320 Siegen. Geschäftsfelder in Engineering, Motoren-& Getriebebau, Prototypenbau, Verkauf, Freie Werkstatt und noch ein Rennteam on top. Reiter Engineering ist ein solcher Betrieb, der für Motorsport bekannt ist. Wie ein Familienunternehmen mit 53 Beschäftigten aus Kirchanschöring in Bayern das alles in der heutigen Zeit schafft, wie viel Herzblut hinter den Themen Auto, Technik & Motorsport steckt. Teil 2 des Heavy Metal Präsi BTS (Behind The Scenes).
Gründung des Familienunternehmens und erste Geschäftsfelder: Wie hat Reiter Engineering begonnen?
Der Firmengründer Hans Reiter hatte bereits zuvor eine Karriere im Motorsport nachzuweisen. Er arbeitete unter anderem als Performance Ingenieur in der DTM und im Bereich Langstrecke. Im Jahr 2000 entschied er sich dazu seine eigene Firma zu gründen. „Die Gründung der Firma war ein „Familienprojekt“. Ohne deren Unterstützung und dem Verständnis von der Frau und den Kindern nicht möglich gewesen wäre. Vor allem, weil Motorsport bedeutet viel unterwegs zu sein.„.
Dementsprechend löste es natürlich auch einen gewissen „Stress“ aus, da die Motorsport Branche mit viel Auf und Ab verbunden ist. Dem Druck, die Leistung zu erbringen, den Erfolg zu haben und dabei auch noch ausgeglichene Finanzen vorweisen zu können sind in dieser Sparte keinesfalls gegeben. Schließlich will die Familie auch versorgt sein. Wegbegleiter der ersten Stunde war Rudi Zwesper (u.a. ehem. Rennsportmechaniker bei BMW Schnitzer), denn Hans Reiter startete in Zwespers KFZ – Werkstatt, die sich noch heute im Familienbesitz befindet. Und da sieht man wieder, dass es ohne Wegbegleiter, Freunde und helfende Hände nicht geht.
Einstieg in die Entwicklung und die ersten Erfolge im Motorsport
Der Autobauer Lamborghini, welcher 1998 von der Volkswagen AG übernommen wurde, hatte zu dem Zeitpunkt keine eigene Motorsportabteilung und so begann Reiter die Herstellung von Rennfahrzeugen nach GT1 Reglement für die italienische Marke mit dem muskulösen Stier als Firmenlogo.
Reiter baute 2001 zwei Diabolo GT2 Rennfahrzeuge, von denen es weltweit nur zwei Stück gibt und zwischen 2000 und 2001 an FIA GT Championship Rennen teilgenommen haben. Eines der Fahrzeuge befindet sich noch heute Vollrestauriert in Firmenbesitz. 2002 erfolgte zudem ein Renneinsatz in der „Lamborghini Diablo Supertrophy Cup“, mit Unterstützung vom Lamborghini Werk.

Diablo GT2

Diablo GT2

Diablo GT2
Fotos/Urheber: Reiter Engineering
Als Lamborghini Motorsport eingestellt wurde, stand für Reiter fest, dass er weitermachen will. So wurde der Lamborghini Murciélago als erstes eigenentwickeltes & gebautes Fahrzeug mit Unterstützung in Form von Ersatzteilen seitens Lamborghini und damit die GT1 Weltmeisterschaft bestritten.
2006 wurde dann der Umstieg auf GT3 Reglement vorgenommen. Stéphane Ratel (Gründer SRO Motorsports Group, ehem. Stéphane Ratel Organisation) führte eine neue GT3-Meisterschaft ein, woraufhin Reiter wiederholt mit Unterstützung von Lamborghini den Gallardo in ein Rennauto umbaute. Der Bau erfolgte im Jahr 2005, der erste Einsatz fand im Jahr 2006 statt.

Murciélago R-GT

Murciélago R-GT

Murciélago R-GT

Murciélago R-GT

Murciélago R-GT

Murciélago R-GT

FIA GT1 Weltmeisterschaft 2010 – REITER Lamborghini
Murciélago R-SV
Fotos/Urheber: Reiter Engineering
Besonders schöne Erfolge und bekannte Namen im Rennteam
Es folgten Erfolge in vielen Rennserien, u.a. der 1. Platz in der Fahrerwertung des 2010er in ADAC GT Masters, Erfolge von betreuten Kundenteams in GT1 Meisterschaft, Rennen in Amerika, Teilnahme 24H von Le Mans, GT4 Meister, 2. Platz in erster Saison des Michelin Le Mans Cups, viele Einzelrennen und der 2011er Meisterschaft des ADAC GT Masters, wobei viele Fahrer, z.B. Stefan Mücke, Bernhard Müller, Günther Kronseder, Peter Kox, Tomáš Enge, sowie Albert von Thurn und Taxis Weggefährten waren, oder noch sind. Da das Gesamtpaket bei Reiter so attraktiv ist, finden sich so auch immer wieder namhafte Fahrer. So auch Freddie Hunt, Sohn des ehemaligen Kult Formel 1 Fahrer und Lieblingsgegner von Niki Lauda, James Hunt.
Anm.: Oftmals bringen Fahrer aber auch ihr persönliches Vermögen, Sponsorengelder oder andere Unterstützung wie Ersatzteile, Werbemöglichkeiten, allgemeine Rennausstattung mit ins Team. Seit einigen Jahren läuft viel über diese Basis im Motorsport, da auch hier die Kostensteigerungen angekommen sind und selbst Werksteams sich Renneinsätze genauestens überlegen. Siehe hierzu auch meinen Bericht zur WRC).
Nach mehreren Aufbauten für Lamborghini wurde 2012 ein weiteres, besonderes Fahrzeug aufgebaut. Der Sareni Camaro GT3: V8-Motor mit 7,9 Liter Hubraum, 800 Nm, über 630 Ps. Gänsehaut garantiert! Mitte der 2010er Jahre folgten Entwicklungen rund um den KTM X-Bow , 2021 – 2023 sorgte der KTM X-BOW GT-XR für aufsehen. Hier geht es zum Zeitstrahl der Entwicklung.



Fotos/ Urheber: Reiter Engineering
Eine Frage der Einstellung – Die Familienphilosophie
Hans Reiter sieht seinen Beruf gleichzeitig als Hobby. Wenn es nicht seine tägliche Arbeit wäre, würde er es trotzdem in seiner Freizeit betreiben. Also war schon alleine aufgrund der Leidenschaft kein Ende in Sicht. Entsprechend der eigenen Philosophie, der „Reitereinstellung“: „Rennsport-Mindset in Entwicklung mit einfließen lassen; es gibt für alles eine Lösung, egal welches Problem“, wurde jedes Problem in Angriff genommen. Über die Jahre entwickelte sich so auch der Leitspruch „Art of Engineering“: „strukturiert, aber vor allem mit kreativen Menschen, die immer einen Lösungsansatz bereit haben und den nötigen Ehrgeiz zeigen.“
Von der Idee ins Fahrzeug – Engineers @ Work, ohne Zeichenbrett
Am Anfang fängt man von ganz neu oder mit einer Idee inspiriert von einem alten Chassis und mit einem leerem CAD an (Anm. = Computergestütztes Konstruieren, ist eine Technologie, mit der Entwickler Produkte in 2D und 3D zeichnen, konstruieren und technische Dokumentationen erstellen können).
Der Unterschied zu Großherstellern besteht jedoch darin verschiedene Versionen von Teilen
schnell in die Prüfungs-/Simulationsphase zu bringen. Die Devise hierbei lautet, lieber die Teile öfter umzugestalten und auf neue Ideen zu kommen, um am Ende die bestmögliche Version zu erhalten, als Monate lang ohne Ergebnis/Rückmeldung in eine Richtung zu arbeiten.

Hier wird also schnell der Umstieg auf den Prototypen vollzogen und weniger Simuliert, auch wenn dies heutzutage sehr zuverlässig ist. Wie ich bereits in Teil 1 geschrieben habe: Nichts ist so hart wie das echte Leben. So kann man in der früheren Praxisphase auch schnell aus den Prototypen lernen und Verbesserungspotenziale messen: Sind die Teile richtig ausgearbeitet? Funktioniert der Zusammenbau? Wie verhält sich das neue Teil während der Fahrt?
Hier kommen dann nochmal Individuelle Fahrer zum Einsatz, wodurch man aus dem jeweiligen Fahrgefühl (Popometer) nochmals lernt und neue Erkenntnisse gewinnen kann.
Ingenieure an Rennstrecke als wichtiger Bestandteil
Als Ingenieur bei Reiter Engineering muss/darf man an die Rennstrecke, was jedoch nicht in Vollzeit geschieht. Es herrscht so immer die Abwechslung zwischen Büro & Rennstrecke. Ein ganz klarer Vorteil hierbei ist, dass man seine Entwicklung in Aktion sehen und messen kann, sowie vor Ort ein andere Wahrnehmung erhält. Durch die direkte Rückmeldung, oder auch Konfrontation von u.a. Fahrern und Mechanikern, lernt man so aus Fehlern und geht durch die gewonnenen Kenntnisse beim nächsten Mal evtl. anders an die Entwicklung heran.
Das ist teilweise Hart & anstrengend, aber jedes einzelne Bauteil und schlussendlich das Fahrzeug insgesamt, sollen die bestmögliche Leistung und größtmögliche Zuverlässigkeit vereinen. Man sieht also, dass der Kampf nicht erst auf der Strecke entschieden wird, sondern bereits bei der Planung und Entwicklung unzählige Parameter und Einzelschritte nötig sind, um ein Fahrzeug fahrbereit auf die Räder zu stellen.



Fotos: Xynamic Automotive Photography
Über Engagement im Motorsport und Nachwuchs im Rennteam
Jeder weiß wie wichtig Engagement und die Nachwuchsförderung ist. Egal ob in der Musik oder im Motorsport, es liegt an uns Verantwortung zu übernehmen und dafür zu sorgen, dass die vielleicht schönsten Nebensachen der Welt für die Nachkommen am Leben gehalten werden und erlebbar bleiben.
Auch die Firma Reiter Engineering setzt immer wieder auf den Nachwuchs: „sei es als Entwicklungsfahrer der eigenen Fahrzeuge, im Rennteam gemischt mit einem erfahrenen Gentlemen Driver, oder gar in der eigenen Serie. Der „RYS“, Reiter Young Stars Cup, welcher 2016 und 2017 auf den Rennstrecken Europas verwirklicht wurde, bot jungen Menschen in einer eigenen GT4 – Serie auf KTM X-Bow, in dieser Einstiegsserie Erfahrungen mit einem GT Fahrzeug zu sammeln und sein Können weiter zu verfeinern.“ Für einige junge Fahrer war dies auch der erste Probelauf in einem GT – Fahrzeug und danach ging es direkt in einem GT 3 weiter. Manche bildeten im Anschluss sogar direkt selbst ein Team, oder wurden von Reiter Engineering eingesetzt.
Die aktuelle Lage aus Sicht eines Rennteams
Motorsport ist eine teure Angelegenheit, trotzdem lockt er nach wie vor Millionen an die Strecke. Das bestätigt auch Reiter Engineering. „Die Nachfrage ist aktuell sehr hoch und es ist schön zu sehen, dass auch die Strecken immer mehr besucht werden. Allerdings ist der Rennbetrieb sehr teuer und hier besteht natürlich eine Gefahr, vor allem für Privat- & Kundenteams, wo Fahrerbudgets bei steigenden Gebühren immer geringer werden. Ohne eine Werks- oder Sponsorenunterstützung gestaltet sich dies finanziell sehr schwer. Die Zukunft ist schwierig abzuschätzen, da der finanzielle Anstieg schon seit einigen Jahren anhält. Ein Ende der Aufwärtsspirale? Nicht in Sicht.„
Ausblick in die eigene Zukunft: Ziele, Geplante Projekte, Termine
- Ziel im LMP-Bereich: ELMS (European Le Mans Series) und 24h Le Mans, evtl. auch ALMS (American Le Mans Series)
- Einige eigene Entwicklungsprojekte am Laufen
Da verrät Reiter jetzt noch nicht all zu viel, da sie noch in Terminierung und Vorbereitungen stecken. Aber mir wurde schon zugesagt, dass ich erfahren werde, sobald Termine feststehen. Wir können uns also über abwechslungsreiche Rennaction über das Jahr verteilt freuen und außerdem, was Euch als Leser und mich als Berichterstatter bei Reiter Engineering noch so erwarten werden. Bleibt also am Ball! Das hier war noch nicht das Ende.



Fotos: Fotograf Bild 1: Joel Kernasenko. Bild 2 & 3/ Copyright: Reiter Engineering
Kontaktdaten
Reiter Engineering GmbH & Co KG
Leobendorfer Straße 39
83417 Kirchanschöring
Telefon: +49 8685 77920
E-Mail. info@reiter-engineering.com
LinkedIn/Instagram/Facebook: reiterengineering
Web: www.reiter-engineering.com
Teil 3? Bleibt am Ball! Wenn euch dieses Format gefällt, sagt mir gerne über die Kommentarfunktion Bescheid! Falls ihr Fragen, oder Anregungen habt, jederzeit gerne!
Euer Heavy Metal Präsi
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