Wormatia Worms: Von einer langen Pokal-Nacht und dem Pokal-Kater

Von Florian Schlecht

Seit Januar arbeitet Stefan Emmerling als Trainer von Wormatia Worms. Auf Eintracht Trier trifft er am Sonntag (14 Uhr) erst das zweite Mal in seinem Leben. An die erste Begegnung kann er sich gut erinnern. Für den MSV Duisburg spielte er 1998 im legendären Halbfinale im DFB-Pokal mit, das fast bis Mitternacht ging.

An den 18. Februar 1998 kann sich Stefan Emmerling noch bestens erinnern. Es war gegen 23.08 Uhr, als er im Trierer Moselstadion vor 16.500 Zuschauern den langen Weg von der Mittellinie antrat, sich den Ball schnappte und seinen Elfmeter für den MSV Duisburg verwandelte. „Ich glaube, es war der zum 9:10. Und ich hätte nie geglaubt, dass ich wirklich noch antreten muss. Nach mir kamen nur noch die Torhüter.“ Wenige Minuten später war dann Schluss in einem der vielleicht dramatischsten Halbfinalspiele in der Geschichte des DFB-Pokals. Als Daniel Ischdonat den letzten Schuss neben das Duisburger Tor setzte, war der große Traum vom Endspiel in Berlin für Eintracht Trier ausgeträumt. Legendär bleibt das Jahr der Eurofighter von der Mosel bis heute. Immerhin kegelten sie UEFA-Cup-Gewinner Schalke 04 und Champions-League-Sieger Borussia Dortmund aus dem Wettbewerb. Für Emmerling war das Spiel vor 15 Jahren das erste und letzte Aufeinandertreffen mit dem Traditionsverein von der Mosel. Bis zum Sonntag. Dann erwartet er die Eintracht als Coach von Wormatia Worms zum Heimspiel in der Regionalliga Südwest (14 Uhr). Mit Rudi Thömmes sitzt der Trierer Pokalheld von einst dagegen als Co-Trainer auf der gegnerischen Bank – nur wenige Meter entfernt.

„Im Hinterkopf habe ich die Geschichte vom Finaleinzug immer noch“, gesteht Emmerling, der sich in Duisburg als Bundesligaprofi einen Ruf als ehrlicher Arbeiter und Verteidiger erwarb. „Für mich war das ein Highlight meiner Karriere. Mit dem MSV sind ja nicht jedes Jahr ins Endspiel eingezogen. Leider haben wir da mit 1:2 gegen Bayern München verloren.“ An die lange Nacht in Trier denkt der 47-Jährige aber gerne zurück. „Es war ein dramatisches Spiel, es ging um sehr viel. Trier ist mit viel Selbstvertrauen angetreten. Wir waren schon auf der Siegerstraße und haben dann in der 89. Minute den Ausgleich kassiert. Im Elfmeterschießen hätte es dann in beide Richtungen gehen können. Wir waren sehr erleichtert, als wir weiter waren.“ Emmerling weiß noch um eine vergnügte Rückreise. „Wir haben das ein oder andere Bier getrunken. Aber nicht zu viele, wir mussten uns ja schon auf das nächste Bundesligaspiel vorbereiten.“

Abstiegskampf in Worms

Im Hinspiel siegte Trier mit 1:0 gegen Worms. Foto: Anna Lena Grasmück

So viel Glanz der Pokal hat, so viel Schatten besitzt er im Erfolg aber auch. Das spürt Emmerling nun in der Trainerfunktion bei Wormatia Worms, das in dieser Saison ebenfalls überregionale Schlagzeilen schrieb. In der ersten Runde bezwang der Regionalligist noch Hertha BSC Berlin mit 2:1, anschließend scheiterte der Underdogs erst in der Elfmeter-Lotterie dem 1. FC Köln. Danach ging es steil bergab. Ronny Borchers wurde im Dezember entlassen. Emmerling – im August bei Drittligist Rot-Weiß Erfurt entlassen – wurde sein Nachfolger. „Es hat einfach wieder gekribbelt, und das Konzept hat mich überzeugt.“ Der Auftakt missglückte aber mit zwei Auswärtsniederlagen bei 1899 Hoffenheim II (0:2) und Bayern Alzenau (1:2). Seit acht Spielen ist Worms sieglos. Der Fußballlehrer will nicht ausschließen, dass der Negativlauf auch mit dem Pokal zusammenhängt. „Trier ist vor einigen Jahren auch schon weit gekommen und hatte in der Liga große Probleme, wie ich gehört habe. Kickers Offenbach ist ein ähnliches Beispiel. Die haben es jetzt bis ins Viertelfinale geschafft und stehen in der 3. Liga im Mittelfeld.“

Gar in Abstiegsgefahr schwebt Worms mittlerweile. Da im schlimmsten Falle bis zu sechs Mannschaften den bitteren Gang in die Oberliga antreten müssen, ist die Wormatia zu Siegen verpflichtet. Emmerling ist sich der Situation bewusst. „Ich wurde geholt, um zunächst den Klassenerhalt zu schaffen. Jetzt müssen wir uns auf die Tugenden besinnen, die für das Ziel wichtig sind und uns mit dem Abstiegskampf vertraut machen.“ Mittelfristig würde der Trainer, der erfolgreich in Aachen, Emden und Erfurt gearbeitet hat, auch in Worms wieder nach oben klettern. „Über längere Zeit wollen wir uns in der Spitzengruppe etablieren.“ Doch das ist Zukunftsmusik. Was zählt, ist das Spiel gegen Trier, das vor dem Südwest-Duell ebenfalls nicht vor Selbstvertrauen strotzt. Die 1:6-Pleite des Rivalen bei Eintracht Frankfurt II sah Emmerling sogar live im Stadion. „Aber das Spiel habe ich schnell aus meinem Gedächtnis gestrichen, weil das bestimmt nicht das wahre Leistungsvermögen von Eintracht Trier war.“ Das erste Wiedersehen seit 1998 will Emmerling jedoch für sich entscheiden. Ganz unwichtig ist das auch diesmal nicht. „Für uns ist es ein richtungsweisendes Spiel.“

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