Buntes: 5vier-Hochzeit-Spezial Teil 5 – Drum prüfe wer sich ewig bindet…

Wie angekündigt folgt nun der nächste Teil unseres 5vier-Hochzeit-Spezial. Diesmal verraten und zwei Paare das Geheimnis ihrer glücklichen Beziehung.

Karin und Jürgen (seit über 30 Jahren verheiratet)

Ein Paar, welches nun schon seit über dreizig Jahren glücklich verheiratet ist, sind Jürgen und Karin. Um genau zu sein sind die heute 55- und 53- Jährigen seit 36 Jahren verheiratet. Wer nun zurückrechnet wird feststellen, dass Karin und Jürgen sogar noch etwas jünger waren als Jennifer. Denn Jürgen war 19 und Karin gerade mal 17 Jahre alt. Die Gründe warum sich die beiden so früh das Ja-Wort gaben, sind allerdings weniger romantischer Natur.

Das waren sie damals... Foto: privat

„Meine Eltern konnten meine Frau nicht akzeptieren und das führte immer wieder zu Problemen“, erklärt Jürgen mir in unserem Gespräch am Telefon. „Am 1.1.1975 wurden die Gesetze zur Volljährigkeit geändert, das bedeutete, dass man bereits mit 18 Jahren volljährig war. Am 31.12. habe ich dann um Mitternacht mit gepackten Koffern mein Elternhaus verlassen und bin für einige Jahre nicht mehr zurückgekehrt.“ Die Differenzen wegen der damaligen Freundin, seiner jetzigen Frau, waren einfach zu groß geworden.

„Ich war ihnen einfach nicht gut genug für ihren Sohn“, erzählt Karin trocken. Mit ihren acht Geschwistern war Karins Familie damals finanziell nicht besonders gut gestellt, ein Manko in der besser betuchten landwirtschaftlich geprägten Familie Jürgens. Er zog in eine eigene Wohnung, die zu dem Zeitpunkt schon voll eingerichtet und bezugsfertig war. Ohne das seine Eltern etwas davon wussten.

„Wenn ich damals nicht bei der Sparkasse gearbeitet hätte, hätte ich überhaupt kein Geld für die Möbel leihen können und wir brauchten ja alles.“ Doch dies waren noch nicht die Gründe für die frühe Hochzeit der beiden, die zu dem Zeitpunkt seit zwei Jahre zusammen waren.

Die Frau für’s Leben

„Ich wurde damals zum Grundwehrdienst einberufen und wenn man verheiratet war, bezahlte der Bund einem 90% des vorherigen Gehalts, also das was ich von der Sparkasse bekommen hatte. Hätten wir nicht geheiratet, hätten wir uns gar kein gemeinsames Leben mehr leisten können.“ Trotzdem sagen beide, dass die Hochzeit nicht aus diesen finanziellen Gesichtspunkten heraus gemacht wurde.

„Ich war mir sicher: das ist die Frau fürs Leben! Ich würde sie auch direkt nochmal heiraten – und sie mich auch“, lacht Jürgen am Telefon. Vor der Eheschließung musste das Amtsgericht allerdings noch sein Einverständnis erteilen indem es die geistige Verfassung der beiden Liebenden begutachtete. Zudem mussten Karins Eltern ihre Unterschrift geben, denn sie selbst war noch nicht volljährig. Die Hochzeit an sich musste dann eher klein gehalten werden. Vorbereitungen gab es wenige, gefeiert wurde mit 20 Leuten im Wohnzimmer der Schwiegereltern. Ohne die Eltern des Bräutigams.

„Es war traurig, dass sie an meiner Hochzeit nicht da waren und es hat auch Tränen gegeben“, erzählt Jürgen und spricht etwas leiser. „Die Hochzeit an sich war nicht schön. Es war kein Ereignis, dass mir als solches im Gedächtnis geblieben ist. Dafür wollen wir das an unserer Goldenen Hochzeit nachholen, nur wir beide“, meint er weiter und wird wieder etwas fröhlicher.

„Jetzt ist mein Baby weg“

Auch als das Gespräch auf die Hochzeit seiner jüngsten Tochter kommt, die hat vor kurzem mit 22 Jahren geheiratet hat und somit ja auch nicht viel älter als ihre Eltern damals war. Allerdings waren ihre Hochzeitsplanungen sehr umfangreich, sie dauerten ein halbes Jahr und spannten seine Frau und die zukünftige Schwiegermutter mit ein. Auf die Frage hin welches Gefühl das auf der Hochzeit war, sagt Karin den so viel benützten Satz: „Jetzt ist mein Baby weg“, und lacht. „Aber als sie dann da stand in ihrem tollen Brautkleid, da sind schon ein paar Freudentränen gefloßen.“

Auch Jürgen war eher zwiegespalten: „Einerseits war es gut, da ich mir selbst auch sehr sicher mit den beiden war, aber andererseits war da dieses Gefühl des Loslassens. Ich bin jetzt einfach nicht mehr verantwortlich für sie.“ Dafür, so fährt er fort, freut er sich schon wahnsinnig auf seine Opa-Pflichten, die hoffentlich bald kommen. Ich frage ihn ob er sich die Hochzeit für seine Tochter so gewünscht hat, da seine eigene ja nicht gerade einer „Traumhochzeit“ entsprochen hat.

...Und das sind sie heute

„Die Hochzeit meiner Tochter war so wie meine Tochter sie sich gewünscht hat.“ Zwar besteht seit ein paar Jahren wieder Kontakt zu seiner Mutter, der Vater ist bereits verstorben, doch die Wunden sind noch da. Und für Jürgen steht eines fest: „Ich will niemals so einen negativen Kontakt zu meinen eigenen Kindern haben. Die Beziehung zu meinen Kindern ist mir sehr wichtig.“

Vielleicht haben beide ja noch einen guten Tipp für alle anderen Ehepaare da draußen?

„Aus einer eigenen Trennungsphase in unserer Ehe habe ich viel gelernt und weiß jetzt, dass es unglaublich wichtig ist zu zu hören, man muss den Partner immer wieder neu entdecken wollen und darf ihn nicht als ein „Möbelstück“ behandeln. Eine Ehe ohne Arbeit gibt es nicht.“ sagt er und erzählt mir von der dreimonatigen Phase in der ihre Ehe auf der Kippe gestanden hat, doch nach der die Ehe eine Qualität bekam, die sie vorher nicht hatte. „Ich habe meine Frau wertschätzen gelernt und um sie gekämpft.“

„Man wächst miteinander…“

Auch seine Frau Karin hat einige wertvolle Tipps für mich: Man darf den anderen nicht ändern wollen, sagt sie mir als erstes. „Man wächst miteinander und wächst so auch zusammen. Man muss akzeptieren lernen.“ Ein weiterer Aspekt den sie mit Nachdruck sagt ist der des Freiraums: „Die eigene Persönlichkeit braucht eben auch mal Zeit für sich und wenn man diese Zeit nur unter Stress mit dem Partner bekommen kann, ist das einfach schlecht.“

Ihr selbst ist es besonders wichtig, dass sie sich auch beruflich verwirklichen kann. Das erkennt man schon daran, dass beide in höhergestellten Jobs arbeiten und finanziell unabhängig sind. Eine Hausfrau am Herd wollte und konnte sie nicht sein. Genauso wie sie sich den Scheidungsprophezeiungen von anderen nicht fügen wollten: „Das hat irgendwo auch den Trotz angestachelt.“ meint sie. „Jetzt erst recht.“

Es gibt immer Hochs und Tiefs, sagt sie weiter, da könne man nichts machen, wichtig sei einfach das man zusammenhalte.

Marina und Heiko (seit fast fünf Jahren ein Paar)

Foto: privat

Für immer zusammenhalten wollen auch die nächsten beiden von denen wir berichten. Heiko (29) und Marina (25), beide Soziologie-Studenten. Sie sitzt gerade an ihrer Diplomarbeit und hat vor kurzem eine Stelle in Frankfurt angetreten. Auf die Frage hin warum sie bald heiraten wollen, erfolgt die bestechend einfache Antwort: weil sie sich lieben. Die beiden sind seit fast fünf Jahren ein Paar und schon früher war für sie klar, dass sie für immer zusammen bleiben wollen.

„Wir haben Vertrauen in unsere Entscheidung“, sagt Marina. Vorerst wollen die beiden aber nur mal standesamtlich heiraten und im kleinsten Kreis der Familie feiern.

„Eine richtige Hochzeit wollen wir bei entsprechender Zeit, in zwei bis drei Jahren, auf jeden Fall noch nachholen. Aber sie soll individuell sein“, erzählt Marina weiter. Viel zu organisieren wird es wohl nicht geben. Erst mal nur die ‚basics‘: einen Termin, eine Location, entsprechende Kleidung und etwas zu Essen. Aber gestaunt haben sie was alles möglich ist bei einer Hochzeit. Fest steht für die beiden allerdings schon, was auf einer Hochzeit auf keinen Fall fehlen darf:

„Die engste Familie und der Partner.“

Ein schönes Schlusswort, dass einen zurückwirft auf das Wesentliche einer Hochzeit: ein liebendes Paar, dass sich das Versprechen geben will zusammen zu bleiben. Bis dass der Tod sie scheidet.

Tja, angesichts dieser Tatsache bleibt wohl nur noch eins zu sagen: Drum prüfe wer sich ewig bindet…

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