Düdelingen hadert mit Schiedsrichter und scheidet aus

Aus Düdelingen berichtet
Andreas Gniffke (Text und Fotos)

Am Ende war es eine klare Sache. In der Addition von Hin- und Rückspiel verlor der luxemburgische Meister F91 Düdelingen in der Qualifikation zur Champions League gegen den slowenischen Titelträger NK Maribor mit 1:5. Doch nachdem man bereits im Hinspiel mit der Leistung des Unparteiischen alles andere als zufrieden war, zog auch am gestrigen Dienstag der Schiedsrichter aus Malta den Unmut der Düdelinger Spieler und Zuschauer auf sich. Nach zwei Roten Karten, einem Abseitstor und einem fragwürdigen Strafstoß verlor F91 im heimischen Stade Jos Nosbaum mit 1:3.

Gelb für Daniel Da Mota. Wenig später gab es Gelb-Rot.

Es hat nicht sollen sein: F91 Düdelingen verabschiedet sich bereits in der zweiten Runde aus der Qualifikation zur Champions League, obwohl man gegen den hoch favorisierten slowenischen Meister NK Maribor in beiden Spielen durchaus auf Augenhöhe agierte. Nach der 0:2-Niederlage im Hinspiel standen die Vorzeichen alles andere als günstig und es war klar, dass ein Gegentor den kleinen Funken Hoffnung wahrscheinlich endgültig zum Erlöschen bringen würde. Die Slowenen wurden von knapp 60 Schlachtenbummlern aus der Heimat lautstark unterstützt, die immerhin eine Reise von 800km Luftlinie mit dem Bus auf sich genommen hatten.

Düdelingen begann druckvoll und hatte mit Daniel Da Mota, Sofian Benzouien und Amodou Abdullei drei Stürmer aufgeboten, wobei Letzterer einen ganz schwachen Tag erwischt hatte. Bereits in der zweiten Minute setzte Michael Wiggers auf Zuspiel von Benzouien ein erstes Ausrufezeichen, doch seinen harmlosen Schuss konnte Maribors Torwart Marko Pridigar ohne Probleme halten. Aber auch die Gäste hatten offenbar nicht vor, das 2:0-Hinspielergebnis zu verwalten und spielten selbst beherzt nach vorne und so entwickelte sich eine abwechslungsreiche Partie auf gutem Niveau. In der 8. Minute konnte Düdelingen sich bei NationalkeeperJonathan Joubert bedanken, der mit einer sehenswerten Flugeinlage einen Freistoß von Martin Milec aus dem Winkel fischte. Maribor machte in dieser Phase den spielerisch stärkeren Eindruck, doch die Gastgeber kämpften leidenschaftlich um ihre Chance. Doch in Minute 26 dann der Schock: Nach einer Standardsituation der Gastgeber ging es ganz schnell und die Slowenen spielten einen mustergültigen Konter. Der heute völlig indisponiert wirkende Ben Payal ließ den starken Milec laufen, der perfekt auf den freistehenden Dejan Mezga ablegte, der Joubert keine Chance ließ. Nun war klar, dass Düdelingen noch mindestens vier Tore erzielen musste…

F91 wirkte trotz des Rückstands keineswegs geschockt und reagierte mit wütenden Angriffen. Vor allem Sofian Benzouien und Daniel Da Mota auf den Flügeln machten ein hervorragendes Spiel und nach einer halben Stunde musste ein Verteidiger einen Schuss von Da Mota von der Linie kratzen und den Ausgleich verhindern.

Chancen sollte es erst wieder nach der Pause geben und Düdelingen kam mit Feuer aus der Kabine. Bereits zwei Minuten nach Wiederanpfiff traf Jean-Philippe Caillet nur das Außennetz, doch die Gastgeber blieben am Drücker und wurden belohnt. Daniel Da Mota erzielte in der 54. Minute den vielumjubelten Ausgleich, allerdings unter gütiger Mithilfe des slowenischen Torhüters Pridigar, der den harmlosen Schuss durchrutschen ließ. Es keimte nun tatsächlich noch einmal Hoffnung unter den 1152 Zuschauern auf, denn Da Mota und Benzouien wirbelten weiter, während sich Sturmkollege Abdullei durch technische Fehler und kuriose Laufwege immer mehr den Unmut der Zuschauer zuzog.

Doch letztendlich war es das Schiedsrichtergespann aus Malta, das dem Spiel die entscheidende Wende gab. Zunächst erzielte Robert Beric die 2:1-Führung für Maribor, obwohl er sich deutlich im Abseits befand, was zu erbosten Protesten auf dem Platz und auf den Rängen führte. Letztendlich wurde Caillet mit einer Gelben Karte wegen Meckerns bestraft, die sich wenig später auf ähnlich merkwürdige Weise rächen sollte. Denn nur zwei Minuten nach der Führung wurde Caillet aus kürzester Distanz im Strafraum angeschossen und Schiedsrichter Marco Borg zeigte zur Überraschung aller zunächst auf den Elfmeterpunkt und kurz darauf Caillet die Gelb-Rote Karte wegen Handspiels. Mezga ließ sich die Chance nicht entgehen und verwandelte sicher zum 3:1. Kurz darauf sah auch Da Mota nach einer unübersichtlichen Situation Gelb-Rot und das Schiedsrichtergespann hatte bei Düdelinger Akteuren und Zuschauern absolut jeden Kredit verspielt. Das Spiel war nun endgültig gelaufen und Maribor verwaltete das 3:1 gnädig bis zum Schlusspfiff.

Stärkste Spieler auf dem Platz waren auf Seiten der Gäste Martin Milec und Dejan Mezga, bei Düdelingen verdienten sich Daniel Da Mota und Sofian Benzouien Bestnoten, wohingegen Ben Payal und Amodou Abdullei nicht überzeugten. Die begeisterten slowenischen Fans erstürmten nach dem Schlusspfiff das Feld und ergatterten noch einige besondere Trophäen, denn neben den Trikots wechselten auch zahlreiche Spielerhosen den Besitzer und die Fans konnten sich gut gelaunt auf den Rückweg ins Ferne Slowenien begeben.

Damit ruhen die Hoffnungen des luxemburgischen Fußballs nun allein auf dem FC Differdingen, der morgen nach dem 0:0 im Hinspiel (5vier.de berichtete) auf einen Erfolg in Estland hofft, wenn es gegen Levadia Tallinn geht.

STATISTIK

F91 Düdelingen (Trainer Dan Theis):
Joubert – Tournut, Rentmeister, Caillet Wiggers – Payal (ab 62. Malget), Sanchez, Bensi (ab 66. Gruszczynski), Benzouien, Da Mota, Abdullei (ab 80. Olle Nicolle)

NK Maribor (Trainer Darko Milanic):
Pridigar – Mejač, Rajčević, Arghus, Milec – Mertelj, Cvijanović, Mezga, Filipovič (ab 60. Gabriel) – Velikonja (ab 64. Marcos), Berić (ab 80. Volaš)

TORE

0:1 Dejan Mezga (26.)
1:1 Daniel Da Mota (54.)
1:2 Robert Berić (72.)
1:3 Dejan Mezga (76., Elfmeter)

Schiedsrichter: Marco Borg (Malta)

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