Runter zum Fluss

Premiere im Studio des Theaters Trier

Im Studio des Trierer Theaters hat die Komödie  „Runter zum Fluss“ von Frank Pinkus Premiere gefeiert. Ein wärmendes Stück ohne viel Rührseligkeiten über zwei Spinner, die sich gesucht und (wieder)gefunden haben.

Trier. Die Komödie „Runter zum Fluss“ hat im Studio des Trierer Theaters Premiere gefeiert. Karsten wird von seiner Mechthild verlassen, weil er zu viel spült, dabei gibt es ihm doch so ein schönes Gefühl etwas Brauchbares getan zu haben. Anke wird auch von ihrem Manni verlassen, weil sie gar nicht spült, dabei weiß er doch, dass es für sie nichts unnötiger auf der Welt gibt als abzuspülen. Zwei Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten und die nur weniges verbindet: ein gemeinsames Schicksal und ein gemeinsames Zelt, denn Anke nistet sich kurzerhand bei Karsten ein. Und im Laufe der Zeit wird es noch einiges mehr, was die beiden verbindet.

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Fotos: Friedemann Vetter

Die Komödie „Runter zum Fluss“ von Frank Pinkus in der Inszenierung von Alexander Etzel-Ragusa ist ein herzerwärmendes Stück, ohne auf die Tränendrüse zu drücken oder mehr als nötig rührselig zu werden. Es geht eben um zwei Außenseiter, die eigentlich am jeweils anderen Ende der Kette stehen und sich doch gegenseitig gut tun, brauchen und am Ende sogar zärtlich lieben. Die vom Leben abgeklärte Anke, gespielt von einer wie immer leidenschaftlichen und körperbewussten Sabine Brandauer, wandelt sich dabei vom Wirbelwind im roten Badeanzug zur Schäfchen-Schlafanzugträgerin. Und Karsten, schnell und facettenreich gespielt von Jan Brunhoeber, der sich selbst nicht traut und dem Leben lieber ängstlich ausweicht, statt seinen Platz in ihm zu behaupten, will sich zum Mann mustern um die Liebe seines Lebens zu erobern. Dumm nur, dass dies nicht seine Frau Mechthild ist.

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Fotos: Friedemann Vetter

Beiden ist die große Liebe über die Füße gelaufen und beide konnten sie im richtigen Moment nicht festhalten. Anke glaubt hier nicht an eine zweite Chance im Leben, doch Karsten tut dies und kann sie ihr am Ende sogar beweisen, denn die beiden sind sich ebenfalls schon einmal begegnet. Sabine Brandauer und Jan Brunhoeber bestechen beide durch eine präsente, aber gut ausgewogene Körperlichkeit, was sich besonders schön in der ACDC-Performance von Karsten spiegelt. Einem Schauspieler mit weniger Präsenz wäre dieser Akt wahrscheinlich nur mit einer gehörigen Portion Fremdschämen gelungen.

Regisseur Alexander Etzel-Ragusa zeichnet hier eine freundliche Studie über zwei Menschentypen mit denen jeder schon einmal zu tun gehabt hat und untersucht wie heilsam die beiden auf einander wirken könnten. Wie der stocksteife Beamte aufgelockert wird durch den wirbelnden Chaoten und wie der Chaot eine Spur im Leben bekommt durch den Beamten. Dabei beweist Etzel-Ragusa sein Gespür für Menschen und ihre Art, spürt zusammen mit seinen beiden Schauspielern sogar den kleinsten Gesten und Mimiken nach und zeichnet so ein feines, detailreiches Bild.

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Fotos: Friedemann Vetter

Das Bühnenbild von Mike Grünwald, eine schräge Konstruktion mit akkurat aufgestellten Blumenkästen und einem verdeckten Bällebad und die Kostüme von Yvonne Wallitzer mit Schäfchenschlafanzug und weißen Socken in den Sandalen dem feinen Bild eine rohe Fläche und ein paar akzentuierte Farben.

Fazit: Teilweise derbe Sprüche, laute Streitereien und viel Action können nicht verbergen, dass hier eine zärtliche Liebesgeschichte auf die Bühne gebracht wurde. Liebevoll und freundlich inszeniert, mit zwei soliden, ausgereiften Schauspielern.

Fotos: Friedemann Vetter

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