100 Jahre Krise – 100 Begriffe im Brunnenhof

„100 Jahre Krise – Eine Sensationsrevue nach Louis Scheuer“ – so lautet der Titel des Projekts der „Gruppe International“, welches am Wochenende zum ersten Mal im Brunnenhof zu sehen sein wird. Im Gedenkjahr 2014 wendet sich die Gruppe 100 Jahren Krise zu und in diesem Atemzug 100 Begriffen, die geprägt haben.

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Foto: Marco Piecuch

Genau 100 Jahre ist es her, dass der 1. Weltkrieg ausgebrochen ist. Eine Zeitspanne, die ein Ereignis in unwirklich erscheinende Ferne rücken lässt. Im Gedenkjahr 2014 geht es genau darum: zum einen den Schrecken des Krieges und seiner Opfer zu gedenken und zum anderen vor Augen zu führen, wie wichtig es ist, den Frieden zu wahren. Auch in Trier wird es mehrere Veranstaltungen zum Gedenken geben: eine davon wird am Wochenende erstmals im Brunnenhof in Trier stattfinden. Die „Gruppe International“ führt unter der Leitung von Theaterregisseur Roman Schmitz in Zusammenarbeit mit der Tufa Trier, dem Stadtmuseum Simeonstift und über 100 freiwilligen Darstellern und Chormitgliedern eine Inszenierung zum Thema „100 Jahre Krise“ auf.

Von Demonstration bis Dolly

Dabei lässt sie anstelle von 100 Jahren Geschichte lieber 100 Begriffe verstreichen, die das letzte Jahrhundert geprägt haben. Darunter Begriffe wie Faschismus und Demonstration, aber auch solche wie Aids und Antibiotikum oder Gene und Dolly, das erste Klonschaf. Über diese lassen sie prägende Ereignisse der letzten 100 Jahre Revue passieren, passenderweise führt ein bekannter Name durch den Abend: Revueschreiber Louis Scheuer. Sein Name ist in Trier bekannt, seine Werke sind es nicht mehr, denn in Zeiten des Nationalsozialismus wurden Veröffentlichungen des Komponists jüdischen Glaubens gesperrt und dieser musste seine Heimat Trier letzten Endes verlassen. Von seinen Werken, die zu seinen Leb- und Schaffenszeiten populär waren, ist keines überliefert worden. „Hobbyhistoriker versuchen immer wieder, etwas über ihn herauszufinden“, erklärt Roman Schmitz, „auch wir haben während der Vorbereitungen geforscht, aber nichts gefunden.“

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Foto: Marco Piecuch

In der Revue führt Louis Scheuer als deren Produzent durch den Abend, er scheucht Darsteller auf die Bühne, weist zurecht, wenn es sein muss und gibt vom Rand aus Regieanweisungen. Aufgrund einer Erkrankung des Hauptdarstellers musste Schmitz selbst ad hoc in die Rolle des Regisseurs auf der Bühne springen. „Es ist eine kleine Krisenproduktion“, scherzt er, „Aber das kriegen wir alles hin.“ Schmitz bleibt zuversichtlich, als Referent des Theaterintendanten in Darmstadt ist er mit den Krisen eines Theaterschaffenden vertraut. Er selbst ist schon lange in die Freie Szene involviert, das war er auch schon während seiner Zeit als Soziologiestudent in Trier. Damals engagierte er sich in der Tufa oder bei der Produktion „Stadt in Aufruhr“ und jetzt lief er laut Kathrin Schug, Pressesprecherin des Stadtmuseums Simeonstift, mit seiner Idee einer Performance offene Türen ein.

Persönliche Perspektiven öffnen

Zusammen mit der Tufa und der Kulturstiftung Trier wurde lange überlegt, was man machen könnte, um auch einige Trierer Bürger miteinzubeziehen. Roman Schmitz lieferte da die passende Idee. „Oft sind gerade solche Gedenkfeiern sehr offiziell, dieses Projekt hier macht nochmal eine ganz persönliche Perspektive auf“, so Schug. Besonders schön findet sie dabei, dass der Brunnenhof als Aufführungsort gewonnen werden konnte: „Es ist schön, den Brunnenhof für Trierer Bürger erlebbar zu machen, er vereint 1000 Jahre Architektur und Geschichte und passt so hervorragend zu den 100 Begriffen aus den letzten 100 Jahren.“ Die Zusammenarbeit der freien Szene und der städtischen Einrichtungen hat Schug durchweg positiv empfunden, jeder brachte sein Bestes ein und schuf dadurch etwas, was Einzelnen nicht möglich gewesen wäre.

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Foto: Marco Piecuch

„Über die gemeinsame Arbeit wurde auch klar, wie sehr das Wort „Krise“ Einzug hält in den täglichen Gebrauch, durch die Medien kommt uns dieses Wort wieder sehr nahe, besonders in den letzten Wochen, in denen es in Europa nach Krieg riecht. Das ist beängstigend, erst recht wenn man dieses Wort so mit Leben füllt, wie es in diesem Stück der Fall ist“, fasst Kathrin Schug zusammen.

Wer die Performance miterleben möchte, kann dies an folgenden Terminen tun: 27. und 28.September, 2. und 3. Oktober und am 9. Oktober im Brunnenhof, jeweils um 20 Uhr. Tickets gibt es an allen VVK-Stellen, bei Ticket Regional und an der Kasse des Stadtmuseums Simeonstift.

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