Buntes: „Von, für und mit Trier“ – Andy B. Jones im Interview

Sein neues Projekt Post Club ist schon in aller Munde – Andy B. Jones tut was für Triers Party-Szene. 5vier.de Redakteur Sebastian Minas hat sich mit ihm getroffen.

Andy B. Jones heißt mit bürgerlichem Namen Andreas Berg, ist 37 Jahre alt und sehr mit Trier verwachsen. Als DJ und Produzent war und ist er in Trier und dem Rest der Republik unterwegs. Mit seiner Agentur 3MB UG, die für Media Music und Marketing steht, machte er sein Hobby zum Beruf – um, wie er sagt: „In meinem Leben langfristig das zu machen, was mir am Herzen liegt“. Dort entwickelt er Media-Konzepte aller Art und veranstaltet Partyevents, die er auch nach Luxemburg ‚exportiert‘ (zb Funky L.A.“). Wir trafen ihn in seinem Büro in der Bahnhofsstraße und sprachen mit ihm unter anderem über den „Post Club“.

Foto: Sebastian Minas

5vier: Du bist in Trier schon seit Jahren eine feste Größe in Sachen Clubszene und Tanzmusik. Auf welche Eventveranstaltungen blickst Du in deiner Laufbahn zurück?

Berg: Als junger Bursche habe ich schon früh damit angefangen, Discos zu organisieren und in Clubs aufzulegen. Als 18-Jähriger hatte ich im „Untreu“ in Trier meinen ersten Resident-Club und bin darüber hinaus auch in anderen Locations wie dem „Collosseum“ in Wittlich und dem damals sehr bekannten „Riverside“ (In der Zurmaiener Str. Anm. d. Red.) hier in Trier aktiv gewesen. Alles in allem habe ich schon viel erlebt, mit vielen Künstlern zusammengearbeitet und mit der Zeit immer mehr Clubs kennenlernen dürfen. Mitte 2006 entschied ich mich schließlich für meinen eigenen Weg und habe dann auch das „Funky L.A.“-Format konzipiert, Sponsoren gesucht und es dann schließlich im Juni 2007 auf den Markt gebracht. Im Kontext unserer „Funky L.A.“– Reihe haben wir auch erstmals eine eigene Sendung dazu gedreht. Bilder-Galerien gab es damals viele, aber wenige Videos zu der Szene. Man kann sie auch auf Youtube bestaunen.

5vier: Welche Ereignisse sind dir in guter und welcher in eher schlechter Erinnerung geblieben?

Berg: Also in guter Erinnerung sind mir natürlich die vollen Läden und die zufriedenen Gäste geblieben. Sicherlich gibt es immer wieder Leute, die nörgeln und schlechte Stimmung machen. Wir versuchen natürlich immer die Zufriedenheit aller zu bewerkstelligen, aber das funktioniert nun mal nicht immer. Zudem sehen die Leute oftmals nur das Negative und nicht das Positive. Es steckt so viel Arbeit dahinter, um den Leuten Spaß zu bereiten. Zum Glück gibt es jedoch genügend Trierer die das zu schätzen wissen und uns den Rücken frei halten.

Gemäß meines Mottos: Von, für und mit Trier, sehe ich es als meine Aufgabe an, zumal ich hier geboren und aufgewachsen bin, durch Ideen und Kreativität zu überzeugen und die Leute auch zu unterhalten.

5vier: Bedienst Du dich in der Umsetzung deiner eigenen Erfahrung als DJ oder Produzent?

Berg: Ja, natürlich. Wenn man an verschiedenen Orten aufgelegt hat, bekommt man mit der Zeit ein gewisses Feeling für seine Sache. Wir sind in Trier gar nicht so weit hinterher, wie oftmals angenommen wird. In den Großstädten wird auch nur mit Wasser gekocht. Da kommt die Musik auch aus den Boxen und die Getränke aus den Flaschen (lacht). Die Meinung, dass Trier total hinterm Berg läge, ist einfach totaler Bullshit. Wir sind in Trier durchaus sehr weit!

5vier: Am Samstag, den 5. Februar, startest du dein bereits etabliertes Format in einer gänzlich neuen Location: in der vor kurzem erst aufgegebenen Postfiliale in der Fleischstraße. Wie kam es denn dazu? Erzähl unseren Lesern doch mal etwas über dieses besondere Projekt.

Foto: Promo, 3 MB UG

Berg: Als wir mitbekamen, dass es die Post in diesen Räumlichkeiten nicht mehr geben wird, haben wir uns mit den zukünftigen Besitzern Jens Baasch und Gregor Gilbers in Verbindung gesetzt. In längeren Gesprächen und Treffen haben wir uns dann zusammen überlegt, was wir dort auf die Beine stellen könnten. Die beiden haben uns die Möglichkeit gegeben, für einen gewissen Zeitraum eine Art Club aufzuziehen. Um dieses Gebäude „wiederzubeleben“ und weil wir der Stadt etwas zurückgeben wollen, versuchen wir dort etwas aufzubauen, auch wenn es nur befristet ist.

Der Kornmarkt liegt natürlich sehr mittig und ist ohnehin ein großer Anziehungspunkt. Im Zeitraum vom 05. Februar bis zum 07. März versuchen wir dort eine Clubatmosphäre entstehen zu lassen. „Funky L.A.“ wird den Auftakt machen.

Es ist uns leider nicht möglich, diesen Zeitraum zu überschreiten. Die Gründe sind gesetzlicher Natur: In einem leer stehenden Gebäude, welches sicherheitsbedingt auch von der Feuerwehr freigegeben werden muss, kann man nur  6 Termine im Jahr für ein Party-Event wahrnehmen. In den nächsten Jahren soll ja das gesamte Gebäude komplett neu strukturiert werden und da werden sicherlich andere Pläne verfolgt. Das steht dann nicht mehr in unserer Macht. Wir können in diesen wenigen Wochen höchstens neue Erfahrungen machen, die uns vielleicht später einmal nützlich sein werden. Man soll jedoch niemals ‚nie‘ sagen: die Ideen sind da, aber eben noch nicht spruchreif.

5vier: Für diejenigen, die das Gebäude nicht kennen: wie eignet sich denn eine ehemalige Postfiliale zum Feiern?

Berg: Dort wo man früher Päckchen abgeholt hat, wird dann eben eine Theke sein (lacht). Nein, also wir wollen das alles natürlich in der kurzen Zeit so umbauen, dass das Ganze auch clubtauglich wird. Mit unserer Technikfirma um Thorsten Müller haben wir schon einige Ideen entwickelt, was die Darstellung betrifft. Für nur 6 Wochen lohnt sich dort natürlich keine Großinvestition, aber sicherlich werden wir von den Erfahrungen profitieren. Die Location an sich ist sehr interessant, mit ihren hohen Decken auch sehr imposant. Es wird sich in jedem Fall lohnen und den Leuten definitiv auch Spaß machen.

5vier: Worin unterscheidet sich dieses Projekt von anderen Sachen, die Du schon gemacht hast?

Berg: Jedes Event hat seinen eigenen Charakter. Gerade im Eventbereich legen wir viel Wert auf Tanzeinlagen-Shows, in denen Künstler auftreten. Bei Houselovers arbeiten wir zum Beispiel viel mit statischen Elementen, wie Beamer und Lichteffekten und kleinen Videoanimationen. Wir werden in jedem Fall mit verrückten Ideen arbeiten. Es wird zum Beispiel bei Cherry on Ice die erste „Dita von Teese-Show“ geben: eine Künstlerin wird in einem Martini-Glas einen Auftritt absolvieren. Das ist in Trier bisher noch einmalig. Zudem planen wir noch viele weitere Acts, zu denen wir an dieser Stelle leider noch keine Infos durchgeben können.

Das Post-Projekt unterscheidet sich ganz einfach dadurch, dass wir bei anderen Projekten eine längere Zeit ‚drin‘ sind, das heißt wir bauen hier nur einmal auf und verändern nur kleinere Sachen kurzfristig. Für diese sechs Wochen können wir also vieles einfach stehen lassen, was uns natürlich auch sehr in die Karten spielt. Andere Events, wie wir sie zum Beispiel im Karstadt, oder bei Vero Moda gemacht haben, mussten wir am nächsten Tag schnell wieder abbauen, damit der normale Verkaufsbetrieb wieder aufgenommen werden kann.

5vier: Auch wenn es den Post-Club leider nur befristet zu bestaunen gibt, ist Trier um eine Location reicher. Was sagst Du denn zu der Vermutung, dass sich Clubs in Trier trotz stabiler und hoher Studentenzahl, oftmals nicht halten, beziehungsweise die Party-Formate nicht ziehen?

Berg: Ich glaube fast, beziehungsweise habe ich manchmal den Eindruck, dass die Menschen in Trier das Ausgehen verlernt haben. Vielleicht aufgrund von Fehlern bei den Veranstaltern. Über das Thema Studenten habe ich auch schon oft nachgedacht. Langfristig will ich diesen Bereich natürlich bedienen können. Ich würde mich freuen, wenn sich die Studenten ganz einfach ein bisschen mehr engagieren würden, das heißt fleißig Magazine lesen, im Internet surfen und das abendliche Angebot im Auge behalten. Es gibt so viele Studenten hier, dass ich mich dann doch manchmal frage: Wo sind die bloß alle? Es gibt viele erfolgreiche Clubs, die die Studenten erfolgreich anziehen, aber es sind immerhin 15 bis 20.000 junge Leute, die in meinen Augen im Nachtleben nicht so präsent sind, wie sie eigentlich sollten. Das finde ich eigentlich schade.

5vier: Was hat ein Andreas Berg für die Zukunft geplant?

Berg: Gesund bleiben! Die Stadt Trier unterhalten und lebenswert machen! Wir haben eine tolle Uni und eine tolle FH, viele Touristen und nette Menschen. Durch unsere Nähe zu Luxemburg sind wir außerdem ein Ballungszentrum, in dem sicherlich noch viel passieren wird. Im Mai geht auch wieder die „Skylounge“ auf dem Karstadt-Dach los, die im Sommer sicherlich sehr gemütlich ist und auf die es sich neben einem warmen Sommer definitiv zu warten lohnt (lacht).

Wir bedanken uns bei Andy B. Jones für das Interview und wünschen ihm persönlich und für seine Projekte viel Erfolg!

Andy B Jones auf Myspace

auf Youtube:

Funky L.A.-Eindrücke auf Youtube:

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Kommentare (3)

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  1. Sullivan sagt:

    Ich stimme Herrn Berg zu, Trier ist keineswegs hinterm Berg, höchstens unterschätzt. Es gibt doch ein für diese Stadt sehr sehr breites Spektrum von Party-/ Musik- /Formats-Angeboten. Es ist durchaus verwunderlich, weshalb die Präsenz der Studenten trotzdem so gering bleibt.

  2. Siggi sagt:

    Ja, das ist echt mal eine tolle Sache für Trier! Ich wünsche Andy für all seine Projekte viel Glück und Erfolg! Weiter so…

  3. blackjag sagt:

    super, dass es so engagierte leute gibt, die gelegenheiten wie die leerstehende post nutzen und was draus machen. selbst wenn es nur zeitlich befristet ist…die partyszene wird das mitnehmen. außerdem hat andy b. jones recht, ich frage mich auch des öfteren, was die ganzen studenten so machen…partytechnisch ist mehr aktivität gefragt!

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