Die Kino-Woche: Die Schöne und der Kong

Von der absurden Debatte um einen schwulen Disney-Charakter

Unser wöchentlicher Ausblick auf Neustarts, Geheimtipps und empfehlenswerte Streifen, die in den nächsten Tagen aus den Kinosälen verschwinden…

Eigentlich ist es noch eine Woche zu früh (Deutschlandstart: 16. März), um über den kommenden Disney-Blockbuster „Die Schöne und das Biest“ zu berichten, der aus dem beliebten Zeichentrick-Märchen von 1991 eine weltweit heiß erwartete Realverfilmung mit „Harry Potter“-Star Emma Watson in der Hauptrolle macht.

In den Medien ist der potenzielle Box-Office-Hit aber zur Zeit wegen dem Filmcharakter LeFou, der als Handlanger vom arroganten Gaston Gefühle für den Schurken entwickelt. Damit ist LeFou der erste schwule Charakter in einem großen Disney-Film und das erschüttert die Werte der konservativen Zuschauerschaft nicht nur in den USA. Unter dem Hashtag #boycottdisney rufen aufgebrachte Menschen im Netz zum Boykott des Films und des gesamten Konzerns auf. Im liberalen Netz regt sich natürlich heftiger Widerstand gegen die homophobe Protest-Front, die nun Angst um ihre Kinder haben muss. Auf Twitter spielen sich groteske Szenen ab…

Im US-Bundesstaat Alabama führte dieser Protest mittlerweile so weit, dass ein Kino den Film aus dem Programm genommen hat. Das Statement des Kinos, welches in einem Artikel der Variety veröffentlicht wurde, begründet den Boykott damit, dass die Betreiber in erster Linie Christen seien und sich nicht gegen das stellen wollen, was die Bibel sie gelehrt hat. Wortwörtlich heißt es: „Wenn wir unsere 11 Jahre alte Enkeltochter und unseren 8 Jahre alten Enkel nicht mit in einen Film nehmen können, wollen wir ihn nicht sehen. Wenn wir einen Film nicht mit Gott oder Jesus an unserer Seite schauen können, wollen wir ihn nicht zeigen.“ Sie wollen weiterhin Familien-orientierte Filme zeigen, bei denen die Zuschauer nicht mit Sex, Nacktheit, Homosexualität oder Fäkalsprache konfrontiert werden.

Fest steht, dass „Die Schöne und das Biest“ weder Sexszenen, noch Nacktheit oder Fäkalsprache enthalten wird. Regisseur Bill Condon ist stolz darauf in seinem Film den ersten homosexuellen Disney-Charakter zu präsentieren und beschreibt LeFou wie folgt: „LeFou ist jemand, der an einem Tag Gaston sein will und am nächsten Tag Gaston küssen möchte. Er ist verwirrt und weiß nicht was er will. Er ist jemand, der erst gerade seine Gefühle realisiert.“

Nicht nur in Amerika, auch im erzkonservativen Russland ist man mit derartigen Gefühlswelten überhaupt nicht einverstanden. Wie der Guardian berichtet, hat in Moskau gar ein Abgeordneter an den Kulturminister geschrieben, um den Film, der „pervertierte Sexualpraktiken“ darstellen und fördern soll zu verbieten. In Folge dessen wird „Die Schöne und das Biest“ in Russland erst ab 16 Jahren frei zugänglich sein, was dem Real-Remake des Zeichentrick-Klassikers an den russischen Kinokassen wohl das Genick brechen dürfte.

In Deutschland gibt es den Film nächste Woche Gott sei Dank ohne jegliche Einschränkungen zu sehen. Ob die hiesige Kinderschar schwere Schäden davon tragen wird, wenn der erste homosexuelle Disney-Charakter über einen Kuss von Gaston nachdenkt, darf bezweifelt werden. Was haltet ihr von dem Thema?

Über die #boycottdisney-Debatte gehen die Neustarts der Woche beinahe unter, denn diese Woche prescht bereits eine etwas andere Version bzw. Re-Interpretation von „Die Schöne und das Biest“ in die Kinos: „Kong: Skull Island„. In einem von zünftigem 70er-Jahre-Rock der Marke CCR befeuerten Vietnam-Szenario wagt sich Hollywood einmal mehr auf’s sagenumwobene Skull Island, wo eine Schar Soldaten mit einigen Forschern auf das legendärste Kino-Biest aller Zeiten trifft: King Kong. Gerade mal 12 Jahre ist es her, dass „Herr der Ringe“-Mastermind Peter Jackson den Riesenaffen für’s Kino in einem knapp 3-stündigen Epos reaktivierte und nun wird das Biest erneut recycelt. Die Trailer machen mit dem rotzig-rockigen Vietnam-Vibe bereits eine Menge Spaß und versprechen unterhaltsame Blockbuster-Kost mit jeder Menge fiesem Monster-Spaß.

Ebenfalls neu in den Kinos ist der Jamie Foxx-Actionkracher „Sleepless – Eine tödliche Nacht„, der rein optisch stark an die Denzel Washington-Fließband-Actioner der 2000er-Jahre angelehnt ist. Foxx spielt einen korrupten Cop, der zwischen die Fronten von Gangstern und Kollegen gerät und zu allem Überfluss auch noch um seinen entführten Sohn kämpfen muss. Nicht unbedingt innovativ, aber durchaus effektive Actionthriller-Kost.

Abgesehen von den beiden Neustarts läuft nun auch „La La Land„, der beste Film, der es dann doch nicht war (wir berichteten aus der Oscar-Nacht...) im Cinemaxx, der sich nicht nur gegen seinen Oscar-Konkurrenten „Manchester by the Sea„, sondern auch gegen die üblichen Kino-Chart-Verdächtigen behaupten muss: „Logan„, „A Cure for Wellness“ (unsere Kritik: „A Cure for Wellness – Cooler Mindfuck oder müdes Comeback“) Fifty Shades of Grey – Gefährliche Liebe„, „John Wick: Kapitel 2„, „Passengers„, „Rings„, „Split“ und „xXx: Die Rückkehr des Xander Cage„.

Für die Familien bietet das Cinemaxx nur noch diese Woche christlich-kompatibles Kino, bevor Disney in der kommenden Woche mit „Die Schöne und das Biest“ jegliche Grenzen des guten Geschmacks sprengt. Mit „Bailey – Ein Freund fürs Leben„, „Bibi & Tina – Tohuwabohu total„, „Die Häschenschule – Jagd nach dem goldenen Ei„, „Feuerwehrmann Sam – Achtung Außerirdische!“, „Monster Trucks„, „Plötzlich Papa!“, „Sing„, „The Lego Batman Movie„, „Vaiana“ und „Wendy – Der Film“ gibt es reichlich garantiert jugendfreies Material zur Auswahl.

Im Broadway wird das Kinoprogramm um „Moonlight„, den tatsächlich besten Film der diesjährigen Oscar-Verleihung, erweitert, der die berührende Geschichte des jungen Chiron von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter erzählt. Darüberhinaus gibt’s nach wie vor den direkten Konkurrenten „La La Land“ (in der Originalversion), „Der junge Karl Marx„, „Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen„, „Lion – Der lange Weg nach Hause„, sowie das französische Polit-Krimidrama „Neruda„.

Die genauen Spielzeiten der einzelnen Filme gibt’s auf Cinemaxx.de und bei Broadway Trier.

Und was läuft an der Uni? Cineasta!

Neben dem Standard-Programm gibt’s an dieser Stelle normalerweise auch einen Hinweis auf das wöchentliche Kinoprogramm des cineasta an der Universität Trier, wo zweimal wöchentlich (Dienstag und Mittwoch) Filme verschiedenster Genres und Epochen gezeigt werden.

Aufgrund der Semesterferien gibt es in der kommenden Kino-Woche aber leider kein Cineasta-Programm.

Titelbild: © 2017 WARNER BROS. ENTERTAINMENT INC., LEGENDARY PICTURES PRODUCTIONS, LLC AND RATPAC-DUNE ENTERTAINMENT LLC.  ALL RIGHTS RESERVED

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