Music Monday – Bombast-Touren und Schwarzmarkt-Tickets

Können personalisierte Konzert-Tickets das Problem lösen?

Es passiert nur einige Male im Jahr, dass im Konzert-Geschäft regelrechte Blockbuster-Touren angekündigt werden, die sich in nur wenigen Tagen oder sogar Stunden ausverkaufen. Die australischen Kult-Rocker „AC/DC“ haben das in den vergangenen Jahren hinbekommen, die „Rolling Stones“ ebenso und Überstimme „Adele“ hat im vergangenen Jahr für Chaos beim Tickethandel gesorgt. Am vergangenen Freitag haben die Metal-Ikonen von „Metallica“ ihre lang erwartete Europa-Tour angekündigt und prompt war das Internet überschwemmt von Ticket-Angeboten weit jenseits der 100 Euro. Dabei startet der Vorverkauf erst am kommenden Freitag…

Trier. Dieses Muster ließ sich letztes Jahr auch bei der „Adele“-Tour beobachten. Dort trieb man es besonders bunt und bot Tickets vor dem offiziellen Verkaufsstart für bis zu 999 Euro an. Einfache Erklärung: Eine nicht ganz unerhebliche Dienstleistungsgebühr von 850 Euro wurde von dem Zwischenhändler zum Originalticketpreis von 149 Euro hinzugefügt. Für diesen Preis erwirbt der ein kleines Vermögen zahlende Kunde vor dem offiziellen Vorverkaufsstart auch nicht das Ticket, sondern lediglich ein Versprechen, ein Ticket zu erhalten, denn keiner der Schwarzmarkthändler hat zu diesem Zeitpunkt ein exklusives Kontingent.

Illegal ist die Masche mit überteuerten Konzert-Tickets aber in der Regel nicht, sofern man die Tickets, die man überteuert anbietet im Endeffekt auch tatsächlich liefern kann. Nach der aktuellen Rechtsprechung darf man ein rechtmäßig gekauftes Ticket weiterverkaufen, solange es nicht gewerblich gehandelt wird. Im Endeffekt bewegen sich die Schwarzmarkthändler also in einer Art Grauzone, die allerdings einiges an organisatorischem Aufwand erfordert. Viele Accounts bei den Online-Ticketing-Systemen können ebenso zum Ziel führen wie viele Mitarbeiter, die alle gut koordiniert zum Vorverkaufsstart Tickets bestellen oder eben Bestechung von Mitarbeitern in den Vorverkaufsstellen.

Die aktuelle „Hardwired“-Tour von den Metal-Profis von „Metallica“ wurde gerade erst angekündigt und wird dieses und nächstes Jahr mit aufwendiger Bühnenshow kreuz und quer durch die Arenen Europas rocken. Mit voraussichtlich acht Terminen in Köln, Mannheim, Hamburg, Stuttgart, München und Leipzig geht man zuversichtlich in einen der wichtigsten Absatzmärkte der Band, wo die Tour schon bei der Ankündigung auf großes Interesse stößt. In den sozialen Netzwerken folgt angesichts horrender Ticketpreise von über 180 Euro allerdings recht schnell der Aufschrei und das vor dem offizielle Vorverkaufsstart.

Mit anderen Worten: Niemand weiß zu diesem Zeitpunkt, wie teuer die Tickets für die kommende „Metallica“-Tour werden und trotzdem tauchen bei der google-Suche diverse Websites mit vermeintlich seriösen Ticket-Angeboten auf. Bei einem Interview mit den Stuttgarter Nachrichten spricht Paul Woog, Geschäftsführer des Veranstalters SKS Michael Russ GmbH von personalisierten Tickets und dem tatsächlichen Preis der Tickets: „Die Auftritte werden teuer sein, aber nicht so teuer, wie die Karten jetzt angeboten werden“

Personalisierte Tickets sind seit Jahren in der Diskussion, um dem Schwarzmarkt den Kampf anzusagen. Wenn der eigene Name auf der Konzertkarte erscheint, erschwert das zwar die dubiosen Verkaufstaktiken, aber sorgt auch dafür, dass man das eigene Ticket nicht einfach weiterverkaufen kann, wenn man am jeweiligen Termin verhindert ist. Diverse Ticket-Anbieter, so zum Beispiel tickets.de, geben dazu an: „Ein personalisiertes Ticket enthält den Vor- und Nachnamen der Person, die Einlass zur jeweilige Veranstaltung erhalten soll. […] Es erhält ausschließlich die Person Einlass, die namentlich auf dem Ticket vermerkt ist und sich entsprechend ausweisen kann. Die Identität des Ticketinhabers wird am Einlass überprüft. Hierzu benötigt der Ticketinhaber ein gültiges Ausweisdokument.“

Wer sein Ticket umschreiben lassen will, muss dies über den Kunden-Account des Ticketkäufers beantragt werden: „Über den entsprechenden Button in der Bestellübersicht müssen der Vor- und Nachname sowie die E-Mail-Adresse des neuen Besitzers angegeben werden. In der Maske ist ein gültiges, kopierfähiges, amtliches Ausweisdokument, aus dem die Identität des ursprünglichen Ticketinhabers hervorgeht, hochzuladen.“ Der Kampf gegen die Schwarzmarkt-Verkäufer fordert seinen Tribut und nimmt auch ein wenig den unbeschwerten Spaß aus der Konzert-Szene, da Tickets plötzlich zu personalisierten Ausweisdokumenten werden.

Wie denkt ihr darüber? Personalisierte Konzert-Tickets ja oder nein?

Titel-Bild: Universal Music

Stichworte:

Kommentare (0)

Trackback URL | RSS

Antworten

Wir freuen uns über Kommentare und möchten allen Lesern die Möglichkeit geben, kritisch zu den Themen und Artikeln Stellung zu beziehen und ihre Meinung kundzutun. Wir behalten uns das Recht vor, jeden Kommentar vor Veröffentlichung redaktionell zu überprüfen und nur Kommentare freizuschalten, die sich sachlich mit dem Thema des Beitrags beschäftigen.
Spielregeln