Regionalliga Südwest: Viele Traditionsvereine und 100.000 Euro weniger

Von Florian Schlecht

Ab Sommer gibt es die große Reform mit fünf Regionalliga-Staffeln. Eintracht Trier kommt in den Südwesten mit Traditionsvereinen wie Waldhof Mannheim und Hessen Kassel. 5vier beantwortet die wichtigsten Fragen zur neuen Liga.

Die Hafenstraße in Essen wird für Eintracht Trier 2012/13 kein Reiseziel sein. Dafür geht es nach Mannheim, Kassel und Worms. Foto: Peter Schmitt

Unter Klaus Schlappner durchlebte Waldhof Mannheim seine erfolgreichste Ära in der Vereinsgeschichte. 1984 führte der Mann mit Pepita-Hut und Schnauzer den Verein in die Bundesliga – und mit Eigengewächsen wie Jürgen Kohler beinahe in den UEFA-Cup. Hessen Kassel verpasste in dem gleichen Zeitraum mehrfach den Aufstieg ins Oberhaus, stürzte 1998 nach einem Konkursverfahren in die Kreisliga A ab und kämpfte sich mit einem gewaltigen Fanaufkommen wieder zurück. Wormatia Worms erreichte mehrfach die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft, die Zweitligajahre von Eintracht Trier mit Höhepunkten wie einem 2:1-Sieg beim 1. FC Köln und der TuS Koblenz mit einem 5:0-Fest gegen den 1. FC Kaiserslautern sind noch frisch in der Erinnerung verankert.

Ab Sommer werden sich alle diese Traditionsvereine in der neuen Regionalliga Südwest treffen. Damit sind für alle Klubs aber Änderungen verbunden –  und nicht nur mehr Derbys im Kalender, sondern auch weniger Geld, wirtschaftliche Unsicherheiten und ein mögliches Abspecken in Richtung Amateurstatus. 5vier beantwortet wenige Monate vor der Jungfernfahrt der neuen Staffel die wichtigsten Fragen zur zukünftigen Liga von Eintracht Trier.

Welche Staffeln gibt es nach der Ligen-Reform?

Roland Seitz ist mit Trier auf dem Weg in die Regionalliga Südwest. Foto: Anna Lena Grasmück

Derzeit gibt es drei Regionalligen. Ab dem Sommer werden es fünf Staffeln sein: Nord, Ost, West, Bayern und Südwest. In der Südwest-Liga spielen alle Mannschaften aus Rheinland-Pfalz, dem Saarland, Hessen und Baden-Württemberg. Die große Ausnahme wird Bayern Alzenau sein – die Nordbayern sind durch die Grenznähe für Hessen gemeldet und wollen im Südwesten spielen. Dieser wird auch das neue sportliche Wohnzimmer von Eintracht Trier sein, sofern nicht doch sensationell der Sprung in die 3. Liga gelingt. Starten soll die Klasse, sofern sich nicht mehr als 20 Mannschaften dafür qualifizieren, am Wochenende vom 3. bis zum 6. August 2012. Der letzte Spieltag ist der 25. Mai 2013.

Welche Mannschaften spielen in der Regionalliga Südwest?

In der neuen Saison duelliert sich Alon Abelski wohl erneut mit der TuS Koblenz.

Alle Mannschaften, die über die aktuellen Regionalligen geographisch für die Südwest-Staffel in Frage kommen, spielen ab Sommer auch dort. Eine sportliche Qualifikation gibt es in dem Sinne nicht. Maximal 22 Klubs sollen in der neuen Liga spielen – momentan wären es 19.

Aus der momentanen Regionalliga Süd sind das derzeit die SG Sonnenhof Großaspach, Wormatia Worms, Hessen Kassel, Waldhof Mannheim, der SC Pfullendorf, Bayern Alzenau, Eintracht Frankfurt II, TSG Hoffenheim II, der SC Freiburg II und der FSV Frankfurt II.

Kompliziert wird es beim Karlsruher SC – die Badener kämpfen in der 2. Bundesliga um den Klassenerhalt. Bei einem Abstieg in die 3. Liga hätte die zweite Garnitur nach den Bestimmungen des DFB kein Startrecht für die Regionalliga und müsste runter in die Oberliga. Auch der FSV Frankfurt ist noch abstiegsgefährdet.

Aus der Regionalliga West kommen Eintracht Trier, der SV Elversberg, der SC Idar-Oberstein, die TuS Koblenz, der 1. FC Kaiserslautern II und der FSV Mainz 05 II hinzu. Dazu qualifizieren sich drei Oberliga-Meister für die Regionalliga Südwest. Das wären aktuell der 1. FC Eschborn (Hessen), der VfR Mannheim (Baden-Württemberg) und der FC Homburg (Südwest).

Wachsen kann die Zahl, wenn der KSC in der 2. Bundesliga verbleibt und Vereine aus der 3. Liga absteigen. Dort sind derzeit der SV Wehen und der SV Darmstadt 98 noch nicht gerettet.

Wer steigt auf, wer steigt ab?

Die fünf Meister und der Vizemeister aus der Regionalliga Südwest ermitteln in Aufstiegsspielen drei Mannschaften, die den Sprung in die 3. Liga schaffen. Die Partien werden ausgelost und am 29. Mai und 2. Juni in Hin- und Rückspielen im Europapokal-Modus ausgetragen. Die genaue Zahl der Absteiger steht wahrscheinlich erst am Ende der Saison 2012/13 fest. Denn diese kann wachsen durch Absteiger aus der 3. Liga, die in den Südwesten eingegliedert werden. Möglichst schnell soll die Liga nach dem ersten Jahr auf 18 Klubs reduziert werden, wie Geschäftsführer Sascha Döther betont. Einem drohenden Massenabstieg der halben Regionalliga wurde immerhin ein Riegel vorgeschoben. „Maximal“, so Döther, „dürfen sechs Mannschaften absteigen.“

Wie attraktiv ist die neue Regionalliga Südwest?

Sascha Döther freut sich auf viele „Traditionsvereine und Derbys“. Und in der Tat: Im Südwesten versammelt sich einiges an Prominenz. Waldhof Mannheim, Hessen Kassel, Wormatia Worms, TuS Koblenz, Eintracht Trier. Auch die Oberliga-Meister haben eine spannende Historie. Der FC Homburg und der FK Pirmasens kämpfen im Südwesten um den Aufstieg, der ehemalige Deutsche Meister VfR Mannheim und Ex-Bundesligist SSV Ulm 1846 in Baden-Württemberg, in Hessen lauert der KSV Baunatal noch hinter Eschborn. „Diese Regionalliga ist sportlich attraktiver für uns als die jetzige“, meint Dirk Jacobs, der Geschäftsstellenleiter von Eintracht Trier.

Was ändert sich finanziell?

Foto: Lars Eggers

Finanziell müssen die Vereine gewaltig abspecken. 100.000 Euro an Fernsehgeldern fallen pro Klub pro Jahr weg. Die Aussichten auf einen neuen TV-Vertrag für die Regionalliga bewegen sich am Nullpunkt. „Den Wegfall der Gelder können wir im Etat nicht einfach so auffangen“, betont Jacobs. Zwar wollen die Landesverbände versuchen, über eine Vermarktung der Liga Einnahmen zu erzielen. Aber schon die Idee eines Namenssponsors für die Regionalliga Südwest erscheint unrealistisch. Nach Angaben von Döther scheiterte das Vorhaben mangels Angeboten schon in der 3. Liga, obwohl sich diese als bundesweite Klasse mit Ausschnitten in der Sportschau und Live-Übertragungen in den regionalen Kanälen etabliert hat. Dennoch lässt der Geschäftsführer nichts unversucht: So soll ein attraktives Eröffnungsspiel die Liga einweihen – und für positive Schlagzeilen sorgen.

Was ändert sich im Lizenzverfahren?

Das Lizenzverfahren wird einfacher. Die Vereine müssen zukünftig nicht mehr ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit nachweisen. Es reicht, eine Barkaution oder Bankbürgschaft in Höhe von 35.000 Euro als Sicherheit zu hinterlegen. Die Vorteile: Die Klubs müssen kein Geld mehr für Wirtschaftsprüfer wie im alten Verfahren bezahlen. Dazu vertrauen die Verbände auf die Vernunft der Verantwortlichen bei der eigenen wirtschaftlichen Planung. Die Nachteile liegen so auf der Hand: „Ich sehe die Gefahr, dass sich einige Vereine übernehmen, weil es keine Kontrollorgane mehr gibt“, befürchtet Ernst Wilhelmi, Vorstandsmitglied von Eintracht Trier.

Was ändert sich bei den Anforderungen an die Stadien?

Infrastrukturell rudern die Landesverbände zurück. Mussten Vereine in der Regionalliga zuletzt mindestens eine Kapazität von mindestens 5001 Plätzen aufweisen, sind es zukünftig nur noch 2500 (davon 100 Sitzplätze). „Damit spielen wir in der höchsten Amateurliga“, befürchtet Dirk Jacobs den Abschied von professionellen Bedingungen, zumal die Klubs nicht verpflichtet sind, eine Pressekonferenz nach Spielen auszurichten und Spiele auch auf Kunstrasen durchgeführt werden können. „So geht der Stellenwert etwas verloren“, bedauert auch Wilhelmi.

Für ambitionierte Dorfklubs, die sich auf sportlichem Wege qualifizieren, sind die geringeren Anforderungen hingegen ein Vorteil. So musste der TSV Großbardorf einst im 30 Kilometer entfernten Schweinfurt seine Regionalliga-Heimspiele austragen, weil das eigene Stadion zu klein war. Das Schicksal teilte auch der SC Goslar, der monatelang nach Braunschweig ausweichen musste. Wenn Kommunen nicht Millionenbeträge in die Sportplätze investieren konnten, war für solche Vereine die Tür nach oben schnell zu.

„Es gab oft Kritik an den bestehenden Regelungen, wir passen die Gegebenheiten der Realität an“, sagt Sascha Döther, der sich auf Zahlen beruft. So sei eine Analyse in Auftrag gegeben worden, bei wie vielen Regionalligaspielen tatsächlich in den ganzen Jahren über 5000 Zuschauer in die Stadien gekommen waren. Das Ergebnis: Bei ganzen drei Prozent.

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Kommentare (1)

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  1. Hallo, in der neuen Regionalliga Südwest sollten in den Herbst-u. Frühjahresmonaten (Okt./Nov./Dez sowie Feb., März und April) keine Flutlichtspiele (Freitagabend) stattfinden. Die Gefahr von Schmuddelwetter, Wind und Kälte haben Auswirkungen auf die Zuschauerzahlen und damit auf die Einnahmen. Sehr wohl kann man in den Monaten Aug., Sept. sowie Mai Abendspiele bzw. englische Wochen ansetzen. Außerdem sollten alle Regionalliga-spieler den Status des Vertragsamateurs erhalten und mindestens einer Halbtagsbeschäftigung nachgehen. Damit wird sichergestellt, dass der Fussballspieler weiterhin Kontakt zur Berufswelt behält und nicht ins bodenlose fällt wenn die Karriere plötzlich endet.

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