20 Jahre Trierer Goldschatz – Hier geht es zu Teil 1

Vor 20 Jahren wurde in Trier ein einzigartiger Fund gemacht: ein römischer Goldschatz von über 2.600 Goldmünzen. 5vier besucht das Landesmuseum und spricht mit dem Direktor Dr. Reuter.

Der Trierer Goldschatz aus der Nähe. Foto: Lars Eggers

Am 09. September 1993 kam durch eine Verkettung von glücklichen Umständen ein phantastischer Fund zu Tage. Auf dem Gelände einer Ausgrabung ruhte unter dem Boden eines Kellers ein riesiger römischer Goldschatz.

Goldmünzen im Plastikeimer

Museumdirektor Dr. Marcus Reuter im Schatzraum. Foto: Lars Eggers

„Ein Bagger riss den Bronzekessel, in dem sich die Goldmünzen befanden auf. Er bemerkte aber nichts und baggerte viele der Münzen auf den Aushub, der dann auf den Kockelsberg gebracht wurde“, erzählt Dr. Marcus Reuter, der Direktor des Rheinischen Landesmuseums, das nun seit 20 Jahren das Heim des Trierer Goldschatzes ist, „Dort wurden dann die ersten Münzen von Privatpersonen gefunden.“ Der Großteil des Schatzes verblieb aber im Boden. In der Nacht kehrte ein privater Sucher mit einem Metalldetektor zur Ausgrabung zurück und machte dann schließlich den großen Fund.

„Der Mann informierte noch in der Nacht das Museum und trug den Schatz am folgenden Morgen in einem Plastikeimer zu uns“, so Reuter. Sofort machten sich die Museumsmitarbeiter daran, die anderen privaten Sucher ausfindig zu machen und so den Schatz zu vervollständigen: „Das ist uns zum größten Teil auch gelungen. Wir sind uns sicher, dass der Schatz zu 97% vollständig ist.“

Der größte Schatz der Antike

Der Umfang des Fundes war schier unfassbar. Über 2600 römische Goldmünzen fanden sich in den Resten des Bronzekessels. Sie waren sauber gerollt, versiegelt und in kleine Säckchen verpackt – alles in allem der größte heute erhaltene Goldschatz der Antike. Zum Vergleich: ein anderer Fund (aufs Jahr genau 300 Jahre vor dem Trierer Goldschatz entdeckt) zählte 500 Münzen, die in Pokale verarbeitet wurden, andere umfassten lediglich 25 (Trier) oder 14 (Xanten) Goldmünzen. Mit anderen Worten: Der Trierer Goldschatz ist mit seinen 18,5 Kilogramm – 265.000 Dinare in römischer Währung – der mit Abstand größte Fund dieser Art. Ungewöhnlich ist aber nicht nur der Umfang des Schatzes, sondern auch seine Geschichte.

So sehen 18,5 Kilo pures Gold aus. Foto: Lars Eggers

Eine offizielle Kasse

Die Dankesschrift der Trierer an die Mainzer. Foto: Lars Eggers

„Es ist mehr als ungewöhnlich, so große Mengen an Goldmünzen an einem Ort zu sehen“, meint Direktor Reuter, „Eine Goldmünze war keine Alltagswährung, mehr eine Devise. Ein Soldat verdiente in einem Jahr zum Beispiel gerade mal 12 Goldmünzen.“ Aber warum wurde eine solch gigantische Summe unter einem Kellerboden vergraben? Die Rollung und die Siegel lassen eine offizielle Kasse vermuten, in Trier wurden die Steuern aus drei Provinzen verwaltet, aber warum diese vergraben wurde bleibt weiterhin ein Geheimnis. Es gibt allerdings einen Hinweis.

„Die jüngsten Münzen des Schatzes wurden 196n. Chr. geprägt“, weiß Direktor Reuter zu berichten, „Zu dieser Zeit herrschte im römischen Reich Bürgerkrieg. Wir wissen von einer Inschrift aus Mainz, dass auch Trier belagert wurde.“ Ob der Schatz nun zum Schutz vor den Belagerern versteckt wurde, warum er nicht mehr gehoben wurde, oder ob es vielleicht ganz andere Gründe gibt, welche die Münzen für Jahrhunderte in die Erde brachten, das wird wohl immer ein Rätsel bleiben.

Weltweite Referenz

Der Schatz ist in vielerlei Hinsicht ein bemerkenswerter Fund. Er enthält 84 Münzarten, von denen die Archäologen zuvor überhaupt nicht wussten, dass sie geprägt wurden. 10% aller weltweit bekannten römischen Goldmünzen, die zwischen

Die Rollen sind verrottet, das Siegel ist geblieben. Foto: Lars Eggers

Kaiser Neros Zeit (54 bis 68n. Chr.) und 196 n.Chr. geprägt wurden liegen in Trier. Der reine Goldwert des Schatzes beträgt über 700.000 Euro, der kulturelle Wert der Münzen geht in die Millionen. Die Numismatiker fanden kleine persönliche Kennzeichnungen auf den Münzen, die gegen Fälschungen helfen sollten. Anhand des Trierer Goldschatzes kann man feststellen, wann diese Praxis aufgegeben wurde, wahrscheinlich war sie gesetzlich verboten. Kurz gesagt: der Fund ist eine Referenz für alle Numismatiker.

„Die Wissenschaftliche Veröffentlichung des Trierer Goldschatz hat sich immer wieder verzögert“, erklärt Reuter, „Er ist in der Fachwelt natürlich bekannt, aber er ist nicht vollständig aufgearbeitet worden – aber vor allem der Öffentlichkeit ist die Bedeutung der Goldmünzen nicht klar.“ Das soll sich nun zum 20. Jubiläum des Fundtages ändern.

 

Mehr über die geplanten Jubiläums-Feierlichkeiten erfahrt ihr im zweiten Teil unseres Artikels „20 Jahre Trierer Goldschatz“.

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