5vier aktuell: „Bio“-Sprit E10 – Fragen und Antworten

Die Verwirrung unter den Autofahrern wächst immer weiter. Ist der neue Biosprit E10 nun Fluch oder Segen? 5vier beantwortet die häufigsten Fragen.

Biosprit E10 – Was ist das eigentlich?

Vorneweg – von „Bio“ kann hier keine Rede sein. E10 steht lediglich für einen erhöhten Ethanolgehalt (E) im Benzin. Das Ethanol wird zwar mittels alkoholischer Gärung aus zucker- und stärkehaltigen Pflanzen, wie zum Beispiel aus Zuckerrohr und -rüben, Mais oder Getreide gewonnen und schont so auf lange Sicht die Erdölvorkommen, mit „Bio“ hat das aber wenig zu tun. Die 10 im E10 besagt, dass der neue Kraftstoff nun zehn Prozent Ethanolanteil enthält – und nicht wie bisher üblich nur fünf Prozent. Über die tatsächliche Umweltverträglichkeit von E10 gibt es bis dato keine klaren Aussagen.

Ist E10 teurer als herkömmliches Benzin?

Nein. Es wäre schön, wenn wir das einfach so stehen lassen könnten, aber leider ist dem nicht so. Tatsache ist, der Verbrauch eines Fahrzeuges steigt durch den niedrigeren Brennwert von E10 um etwa zwei bis drei Prozent. Bei einem Verbrauch von 10 Litern auf 100 Kilometern mit herkömmlichem Benzin muss bei E10 Kraftstoff nun also mit einem Verbrauch von 10,2 Litern rechnen. Bei einem Literpreis von 1,50€ ergibt das ein Plus von 30 Cent auf Hundert Kilometer. Ist nicht die Welt, aber dennoch eine Mehrausgabe, die in den offiziellen Rechnungen nicht mit einbezogen wurde.

Kann jedes Fahrzeug E10 Benzin tanken?

Hier gibt es eine klare Antwort: nein. 93% aller in Deutschland zugelassenen Fahrzeuge vertragen den neuen Sprit – und selbst das steht noch zur Debatte (siehe unten). Die Deutsche Automobil Treuhand hat eine Liste veröffentlicht, anhand derer Autofahrer ihr Fahrzeug auf E10-Kompatiblität prüfen können. Diese Liste wird findet sich hier.  Fahrer, die ihr Auto nicht auf der Liste finden sollten auf jeden Fall den Hersteller kontaktieren.

Schadet E10 meinem Motor, wie man es in der Presse liest?

Leider kann man auch hier eine klare Aussage treffen: ja. Der neue E10 Kraftstoff kann insbesondere bei hohem Druck und hohen Temperaturen sogenannte Alkoholate bilden. Diese wirken sich korrosiv Metall und besonders auf Aluminium aus. Solche Schäden können bereits nach einer einmaligen Betankung mit E10 auftreten und sind – einmal in Gang – nicht mehr aufzuhalten ist. So kann es zu gefährlichen Lecks im Benzinkreislaufkommen.

Entgegen der anfänglichen Aussagen der Politik verleiht E10-Sprit keine Flügel! Photo: Karsten Weder

„Durch den höheren Ethanolanteil in E10 können bei einigen Kfz-Modellen Motorteile korrodieren und Motordichtungen zerfressen werden“, erklärt Andrea Gärtner vom ADAC, „Hinzu kommen Probleme mit den Lösungseigenschaften von Ethanol für anorganische Komponenten. Es können erhöhte Metallwerte im Kraftstoff entstehen und so können Dichtungen und Schläuche im Motor angegriffen werden.“

Bis dato hieß es, dass diese Schäden nur bei Fahrzeugen auftreten können, die nicht für E10 ausgelegt sind. Aber seit heute schlagen Fahrzeughersteller Alarm.

„Durch den hohen Ethanolanteil nimmt die Wassermenge im Motor zu“, so Thomas Brüner, Leiter der BMW-Mechanikentwicklung, „Das Wasser kondensiert aus den Verbrennungsgasen und gelangt ins Öl, das dadurch verdünnt wird und schneller altert.“ Wie schädlich der neue Kraftstoff nun tatsächlich ist, lässt sich erst durch Langzeittests tatsächlich in Erfahrung bringen. Daimler geht sogar soweit und empfiehlt seinen Kunden, den neuen Kraftstoff vorerst nicht zu tanken, da durch E10 entstandene Schäden von keiner Herstellergarantie abgedeckt werden.

Was ist mit Zweirädern, Motorsägen, Rasenmähern und anderen Geräten?

Für alle Zweiräder gilt die gleiche Problematik, wie bei Kraftfahrzeugen. Bei Gartengeräten und anderen benzinbetriebenen Werkzeugen sieht die Sache wesentlich schwieriger aus: Die meisten Geräte werden den Kraftstoff wohl nicht vertragen und bei jedem Werkzeug sollte auf jeden Fall eine schriftliche Bestätigung über E10-Verträglichkeit eingeholt werden.

E10 – tanken oder nicht tanken?

Die Frage bleibt nun: Lohnt es sich überhaupt E10 zu tanken? Klaus Ambrach von der Werkstatt und Restaurationsstätte Ambrach in Bremen meint dazu: „Ich kann meinen Kunden nicht mit gutem Gewissen raten E10-Benzin zu tanken. Wir wissen zu wenig über die möglichen Schäden und die tatsächlichen Folgen von Langzeitnutzung. Was ich mit Sicherheit sagen kann ist, dass die Leistungsfähigkeit der Motoren eingeschränkt ist. Nach eigenen Tests zeigt der neue Sprit keine guten Leistungsmerkmale, weder in großen Maschinen, noch in Alltagsfahrzeugen. Ich arbeite nun seit fast 30 Jahren als Auto- und Motorradmechaniker und ich kann keinem raten, sein Auto oder Bike mit so einem Zeug abzufüllen.“ Ambrach ist mit seiner Meinung nicht allein. Positive Stimmen gibt es kaum, aus Politik und Fachkreisen kommen klare Aussagen.

„Die Regierung muss die Einführung der neuen Spritsorte stoppen“, bringt es der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Bundestag, Winfried Hermann auf den Punkt.

Daher der 5vier Tipp: Bis sich die Situation eindeutig geklärt hat, Finger weg vom E10 Benzin!

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Kommentare (4)

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  1. Fahrer eines Chevrolet Kalos sollten auf jeden Fall die Finger von E10 lassen, das Auto verträgt den Sprit nicht!

  2. e10 sagt:

    zum ersten mal e10 getankt. ca. 15 liter. nach 50km ging die gelbe motorkontrollleuchte an. ab in die werkstatt und fehlerspeicher ausgelesen. klopfsensor hat angesprochen. meister meinte wieder normal super tanken. dann vollgetankt mit super und kontrollleuchte ging nach 30km wieder aus. zufall? ich denke nicht.

  3. Bine sagt:

    Ich hatte mich auch in der Werkstatt meines Vertrauens erkundigt, was die von E10 halten – das klang dann ähnlich wie hier geschildert. Also in meinen Tank kommt das Zeug nicht…

  4. Max sagt:

    Schön mal eine Zusammenfassung zu dem Thema zu sehen. Meißt wird man ja nur mit Bruchstückhaften Informationen oder Schlagworten zugebommt. Habe mir schon länger Gedanken um das Thema gemacht und finde mich hier in meiner Skepsis bestätigt!
    Weiter so!

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