5vier spielt: „Terra Mystica“

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„Was nicht passt, wird passend gemacht!“ Nach diesem Motto besiedeln 14 phantastische Völker die Welt von „Terra Mystica“. Wüsten werden zu Wäldern, Sümpfe zu Gebirgen und überall wachsen die Dörfer zu Städten heran. Auch 5vier.de-Spieleexperte Stephan Nestel hat sich daran versucht, ein Volk zur Blüte zu bringen.

Terra Mystica kommt mit einer Menge an schön gestaltetem Spielmaterial. Foto: Stephan Nestel

Terra Mystica kommt mit einer Menge an schön gestaltetem Spielmaterial. Foto: Stephan Nestel

„Wenn ich jetzt vier Macht ausgebe, kann ich das Land hier noch zur Wüste machen, danach baue ich eine Siedlung… oder kümmere ich mich doch lieber zuerst um meine Festung? Und was machen eigentlich die Hexen neben mir?“ Wer als Anführer eines Volkes eine neue Welt besiedeln will, der braucht einen guten Plan – vor allem, weil neben ihm noch andere Völker fleißig ihren Aufstieg planen.

„Terra Mystica“ ist ein Aufbauspiel nach dem klassischen Konzept „Rohstoffe sammeln – Rohstoffe ausgeben“. Das Konzept ist nicht neu, nach diesem Muster arbeiten viele Spiele – da entscheidet dann die Umsetzung, ob das Spiel Spaß macht oder einfach nur wieder „Etwas mehr vom Selben“ ist. Und hier punktet „Terra Mystica“ ganz klar, die Autoren haben ein spannendes und anspruchsvolles Strategiespiel auf die Beine gestellt, das man immer wieder spielen kann.

Terra Mystica Tabelle

Neues Volk, Neues Glück

Das Kernstück des Spiels sind 14 verschiedene Völker, aus denen die Spieler für jede Partie wählen können. Das gewählte Volk – von Alchemisten über Fakire und Nixen bis hin zu Zwergen – bestimmt, mit welcher Strategie man zum Erfolg kommt. Denn von der Startsituation über das Einkommen an Rohstoffen und Kosten bis hin zu mächtigen Sonderfertigkeiten ist kein Volk wie das andere.

Das Volk der Nomaden hat schon einiges gebaut und bekommt dafür jetzt mehr Einkommen. Foto: Stephan Nestel

Das Volk der Nomaden hat schon einiges gebaut und bekommt dafür jetzt mehr Einkommen. Foto: Stephan Nestel

Für das Spiel heißt das: Jeder Spieler bekommt eine Tafel, mit der er sein Volk und dessen Entwicklung im Blick hat. Und die Tafel passt sich dem Spielverlauf an und zeigt immer den jeweils aktuellen Stand. Das funktioniert ganz einfach: zu Spielbeginn wird der gesamte Gebäudevorrat eines Volkes auf der Übersichtstafel aufgebaut, jedes Gebäude verdeckt dabei ein Feld mit Anweisungen. Wenn dann ein Gebäude auf den Spielplan kommt wird die Spielanweisung – in der Regel zusätzliches Einkommen an Rohstoffen – sichtbar und gilt. Außerdem werden auf der Übersichtstafel die Fortschritte beim Terraforming (der Umwandlung von einer Geländeart in eine andere), der Seefahrt und der Macht festgehalten.

Alleine die Völker würden schon ein komplettes Spiel bieten, aber es gibt noch zusätzliche Regeln, die das Spiel erweitern und für unterschiedliche Bedingungen bei jeder neuen Partie sorgen.

Wenn ein Spiel von den Spielern so viele Entscheidungen fordert wie Terra Mystica, kann es leicht passieren, dass der Spielfluss leidet, weil man lange auf die Züge der Mitspieler warten muss. Das haben die Autoren vermieden, indem sie die Runden in einzelne Aktionsphasen eingeteilt haben: Jeder Spieler führt genau eine Aktion aus, dann ist erstmal der nächste an der Reihe – das wird solange wiederholt, bis alle Spieler mit ihren Aktionen fertig sind. Mit diesem System werden die Wartezeiten kurz gehalten.

Zum Glück gibt es im Regelheft einen Anhang, in dem alle Karten und Symbole übersichtlich beschrieben sind. Foto: Stephan Nestel

Zum Glück gibt es im Regelheft einen Anhang, in dem alle Karten und Symbole übersichtlich beschrieben sind. Foto: Stephan Nestel

Besonderheiten

Eine Besonderheit des Spiels ist, dass im Spielverlauf Glück keine Rolle mehr spielt. Während der Vorbereitung für eine Partie gibt es noch Zufallselemente, aber sobald das Spiel begonnen hat, hängt alles von den eigenen Entscheidungen ab. Vor allem Freunde ausgeklügelter Planungen kommen hier voll auf ihre Kosten. Die Kehrseite der Medaille ist, dass der Spielfluss immer dann ins Stocken kommt, wenn einer der Mitspieler darauf besteht, vor jeder Aktion alle möglichen Konsequenzen seines Handelns und alle möglichen Reaktionen seiner Mitspieler durchzugehen. In dem Fall hilft dann nur noch ein Zeitlimit für jede Aktion.

Mir sind an dem Spiel nur zwei Dinge wirklich negativ aufgefallen: Da ist zum einen die Balance zwischen den Völkern: Manche Völker spielen sich deutlich einfacher als andere und leider ist nirgendwo vermerkt, welches Volk eher stark und welches eher schwach ist. Zum anderen hat das Spiel kein „Gummiband“. Ein „Gummiband“, ist ein Mechanismus, der verhindert, dass ein Spieler völlig den Anschluss verliert. Bei „Terra Mystica“ kann es leider passieren, dass jemand recht früh im Spiel abgehängt wird und dann keine Chance mehr hat, seine Mitspieler noch einzuholen.

Fazit: „Terra Mystica“ ist ganz klar ein Spiel für Freunde von ausgeklügelten Strategiespielen. Wer Spiele ganz ohne Glücksfaktor nicht mag, der wird sich hier ebensowenig wohlfühlen wie Gelegenheitsspieler. Denn bis man die Reichweite seiner Entscheidungen und die Wechselwirkungen zwischen den Völkern wirklich verstanden hat, dauert es ein paar Partien. Mit einem Preis von fast 60 Euro ist das Spiel nicht gerade billig, aber im wahrsten Sinne des Wortes preiswert. Denn für sein Geld bekommt man eine Box randvoll mit hochwertigem Spielmaterial, das der Verlag auch auf ein Grundspiel und eine Erweiterung hätte verteilen können.

 

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