Freizeit: Die Schallplatte ist tot? Lang lebe die Schallplatte!

Am 2. September findet in der Europahalle in Trier wieder eine Schallplatten-Börse statt. 5vier.de Mitarbeiter Jan Kowalski stellt die neue Faszination an dem alten Medium vor.

Seit Mitte der 80er Jahre hat die Vinylplatte ein Problem, sie ist eigentlich rückständig und längst ersetzt durch die kleinere Compact Disk. Seit dem Auftreten der CD brachen die Verkaufzahlen und Produktionszahlen von Vinyl bis Mitte der Neunziger so weit ein, dass man sicher davon sprechen konnte, dass die Schallplatte sterben würde – bis auf ein einige „verrückte Sammler“, die versuchten, sie zu retten.

Doch in der Medienwissenschaft gibt es ein Gesetz (Unverdrängbarkeitsgesetz) welches besagt, dass wenn sich ein Medium erst einmal etabliert hat und für den Menschen nützlich war, es von einem neuen Medium nicht komplett verdrängt werden kann und sich eine neue Nische sucht. Genau dieser Fall ist bei der Vinylplatte eingetreten, denn sie hat nicht nur überlebt, sie hat sogar wieder deutlich erhöhte Verkaufzahlen und erlebt in den letzten zehn Jahren das größte Comeback des Musikjahrzehnts.

15.000.000 Schallplatten

In Europa werden zu Beginn der 2010er Jahre jährlich wieder rund 15.000.000 Schallplatten gefertigt und in Deutschland bis zu einer Million neuer Vinylplatten verkauft. Interessanterweise steigt der Verkauf von den teureren Vinyleditionen in den letzten Jahren sogar an, während die CD-Verkäufe einbrechen.

Auch der Internethandel mit Vinylplatten boomt und so sorgen Raritäten, wie z. B. die Erstpressung des „Weißen Albums“ der Beatles bei ebay für Rekorderlöse. Also, falls Sie vorhatten ihre alten Platten nun endlich mal lozuwerden, schauen sie lieber noch einmal genau nach, ob sie nicht doch die eine oder andere Rarität besitzen.

Zu den „paar verrückten Sammlern“ gesellten sich Mitte der 90er immer mehr DJs die zunächst Platten für das scratchen benutzen. Dadurch wurden die Platten zwar zerstört, aber paradoxerweise blieb die Platte an sich deswegen am Leben. Zu Beginn der 2000er Jahre wurde die Platte dann plötzlich von einigen Labels wiederentdeckt und unter Musiksammlern wieder beliebter.

Neuveröffentlichungen auch auf Vinyl

Seit einigen Jahren ist die Platte schließlich zurück und es werden gerade im Rock/Metal/Indie-Bereich eine Vielzahl von Neuveröffentlichungen auch auf Vinyl aufgelegt. Dabei sind die Vinyleditionen von neuen Studioalben meist viel aufwendiger gestaltet, als die CD-Version. Auch werden Vinylplatten immer öfter in besonderen Farben oder mit Effekten ausgestattet. So sind im Dunkeln leuchtende oder mit Flüssigkeit gefüllte Platten ganz besondere Sammlerobjekte.

Die Plattenverkäufe beschränken sich zwar immer noch auf einen geringen Prozentsatz, allerdings werden die Platten vor allem wieder von einem sehr treuen, teilweise aber sehr jungen Publikum gekauft. Denn jungen Käufern geht es beim Plattenkauf auch um Entertainment und Unterhaltung, für beides bietet die Vinylplatte viel mehr Raum, als die kleine CD oder der Download aus dem Internet.

Cro Platte für Plattenbericht

Junge Künstler setzen wieder auf die Platte in besonderen Editionen; Foto: Jan Kowalski

Einige kleine Labels, besonders das Third Man Record Label von Jack White (The White Stripes), konzentrieren sich schon wieder ganz auf die Produktion von besonderen Vinylplatten in geringer Stückzahl. Somit hat die Vinylplatte nicht nur eine Zukunft, sie ist die Zukunft für die gebeutelte Musikindustrie.

Doch was macht den Reiz einer Vinylplatte aus?

Zunächst ist da das ästhetische Erlebnis beim Kauf. Man bekommt nicht nur eine kleine Plastikhülle mit einem Silberling, sondern eine große Papphülle mit wirklichem Cover und einem ausführlichen Booklet, das teilweise ein ganzes Buch sein kann. Man hält etwas in den Händen und kann sich quasi ein Kunstwerk ins Regal stellen.

Zweites ist da der Moment, wenn man seine neue Platte auf den Spieler legt und der Teller anfängt, sich zu drehen. Wenn die Nadel aufgesetzt ist, kann man der Musik beim Drehen zuschauen und hört das vertraute Kratzen der Nadel in den Rillen. Interessanterweise kann man die Musik auf einer Vinylplatte wirklich sichtbar machen, mithilfe eines Tunnelmikroskops, lassen sich Wellen in den Rillen erkennen.

Wenn schließlich die Musik beginnt, würden viele Vinylfans behaupten, dass der Sound einer CD neutraler und weniger farbig klingt, während die Platte ihren eigenen Klang entwickelt. Ob das stimmt, ist nur schwer zu belegen, sicher ist jedoch, dass „eine Platte auflegen“ vielmehr her macht als eine CD einlegen und, dass der Sound der neuen 180g Platten einer CD in nichts nachsteht, vielleicht sogar authentischer ist.

Die Faszination Schallplatte live erleben

Falls ihr also Lust bekommen habt, am Sonntag, 2. September, findet in der Europahalle Trier wieder eine Schallplatten- & CD-Börse mit Film- und Comic-Bereich statt. Hier gibt es Zigtausende von CDs, Schallplatten, DVDs, Blu-Ray Discs sowie Comics und Filmfiguren.

Händler aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland bieten hier sowohl Neu-Ware, als auch gebrauchte Tonträger an. Einige sind auch am Ankauf von Sammlungsauflösungen interessiert. Neben Raritäten auf Vinyl gibt es auch sonstige Sammlerstücke aus dem Film- und Comicbereich.

Geöffnet an diesem verkaufsoffenen Sonntag ist die Veranstaltung in der Zeit zwischen 11.00 und 16.00 Uhr. Der Eintritt beträgt 3,- Euro (ermäßigt 2,50 Euro).

5vier wird auch vor Ort dabei sein und von den Eindrücken berichten.

Mehr Informationen zu der Plattenbörse unter www.wollys.de

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