Leben in zwei Welten – Gespräch mit Sandra Baumgärtner

Gerade lief das fulminante Finale der „Twilight“-Saga in den Kinos (5vier.de berichtete), „True Blood“ sprengt die Quoten und „Vampire Diaries“ läuft und läuft und läuft. Vampire sind nach wie vor Trend. Für Sandra Baumgärtner der richtige Zeitpunkt, um den zweiten Band ihrer Seraphim-Reihe herauszubringen. 5vier-Mitarbeiterin Stefanie Braun traf sich mit ihr zum Gespräch.

5vier.de: Hallo Sandra, vielleicht erzählst Du uns erst mal, wie sich das Leben von Seraphim im zweiten Band verändert hat?

Sandra Baumgärtner: Seraphim war im ersten Band sehr zurückgenommen, obwohl sie eigentlich eine aktive, freche Persönlichkeit ist. Im zweiten Band wird sie nun viel eigenständiger, auch gezwungenermaßen. Sie lebt ja zunächst sehr sorgenfrei mit Leander in Marburg und muss sich dank zweier Spender keine Gedanken um das „tägliche Brot“ machen. Das ändert sich dann im Laufe des Buches.

Konnte es beim Schreiben gar nicht schnell genug gehen

5vier.de: Wie empfindet Seraphim ihre Wandlung?

Sandra Baumgärtner: Da sie ja von Anfang an immer versorgt wurde, musste sie sich nie Gedanken über so wichtige Sachen wie Nahrungsbeschaffung und Ähnliches machen. Als das dann im zweiten Band wegfällt, beginnt sie erstmals darüber nachzudenken, ob es richtig ist sich so „pämpern“ zu lassen.

5vier.de: Welche Konflikte erwarten den Leser im zweiten Band?

Sandra Baumgärtner: Zum einen der Konflikt zwischen Leander und Seraphim, denn Leander bittet Seraphim um eine „Praecantara“. Das ist ein besonderer Bund, der einer Ehe ähnlich ist, allerdings noch einen ganzen Schritt weiter geht. Denn es heißt nicht „bis dass der Tod euch scheidet“, sondern bis dass der Tod euch eint. Das bedeutet, stirbt der eine, stirbt der andere mit. Eine Entscheidung, die Seraphim nicht mal eben so fällt. Natürlich möchte sie, wie das mit der einzig wahren Liebe eben so ist, nicht mehr leben, wenn Leander gestorben ist. Allerdings würde der Bund bedeuten, dass auch Leander stirbt, wenn sie es tut. Und das auch noch unverschuldet. Und dann natürlich der Konflikt zwischen Leander und seinem Widersacher. Ein alter Bekannter, der nicht ohne Grund auf Leander zukommt, immerhin gibt es eine Geschichte, warum er einst zum Widersacher wurde. Leander erzählt Seraphim nichts davon, was ihm dann wiederum zur Falle und zum nächsten Konflikt wird.

5vier.de: Was hat für Dich den Reiz am Verfassen des zweiten Bands ausgemacht?

Sandra Baumgärtner: Es gibt ja zwei Versionen des Buches, die erste habe ich direkt im Anschluss zum ersten Band geschrieben. Damals spielten die Figuren in meinem Kopf einfach weiter, sie waren die Triebfeder für diese erste Fassung. Die zweite Fassung entstand Ende vorletzten Jahres, Anfang letzten Jahres, in der ich die Konflikte deutlicher herausarbeiten wollte, die kamen in der ersten Version noch nicht so stark durch.

5vier.de: Erstlingswerken hängt meist der Zauber des Anfangs an, der alles leicht erscheinen lässt. Hat dies beim zweiten Band gefehlt?

Sandra Baumgärtner: Der erste Band ist eher spontan entstanden. Ich habe ihn eigentlich nur für mich geschrieben. Aber je mehr ich schreibe, umso mehr Übung bekomme ich. Ich lerne ständig dazu. Auch wenn ich jetzt Bücher von anderen lese, kann ich viel besser sagen, was mir gefällt und was mir nicht gefällt. Und vor allem, warum es mir nicht gefällt. Ich bekomme auch Tipps von anderen Schriftstellern und lasse die mit in meine Arbeit einfließen. Mittlerweile gibt es einige Sachen, die ich bei meinem Erstlingswerk anders machen würde, aber so ist das eben bei Erstlingswerken.

5vier.de: Geht die Geschichte von Leander und Seraphim denn noch weiter?

Sandra Baumgärtner: Vorerst ist noch kein Ende zu sehen. Es ist ja vom Verlag auch schon als Saga angedacht.

5vier.de: Arbeitest Du schon an Band drei?

Sandra Baumgärtner: (lacht) Er ist schon fertig. Allerdings nur als Rohfassung. Es heißt immer, wenn man ein Buch zu Ende geschrieben hat, soll man es erst mal in der Schublade liegen lassen, am besten zwei Jahre lang. Zwei Jahre ist jetzt etwas hoch gegriffen, aber das Prinzip stimmt tatsächlich. Wenn man gerade erst geschrieben hat, steckt man noch so tief in der Geschichte drin, dass man das, was man schreibt, gar nicht mehr richtig wahrnimmt. Da ist es schon besser, wenn man das Buch erst mal zur Seite legt und sich mit etwas anderem beschäftigt. Das tut einem Selbst gut und den Figuren auch. Momentan liegen Seraphim und Leander sogar schon ziemlich lange in der Schublade, da habe ich auch mal Zeit mich meinen vielen anderen Ideen zu widmen.

5vier.de: Was für andere Ideen hast du denn?

Sandra Baumgärtner: Darüber möchte ich noch nicht allzu viel verraten, aber soviel kann ich sagen, es wird ein Fantasyroman, er spielt im Mittelalter und in Trier.

5vier.de: Wie reagiert Deine Umwelt auf Dich als erprobte Schriftstellerin? Hast du Kontakt zu anderen Schriftstellern?

Sandra Baumgärtner: Durch Lesungen und Conventions habe ich die meisten Kontakte zu anderen Schreibenden geknüpft, da tauscht man sich klar aus. Dabei ist die Ring-Con mein absolutes Highlight, über 5.000 Fantasybegeisterte treffen sich und tauschen sich aus. Da bleibt für die Schriftsteller auch mal ein bisschen Zeit gemeinsam Kaffee zu trinken und zu reden. Dieses Jahr war unter anderem auch Markus Heitz dabei.

5vier.de: Kennt er Dein Buch?

Sandra Baumgärtner: (schüttelt den Kopf) Die wenigsten Schriftsteller haben Zeit Bücher von anderen zu lesen. Die Zeit, die man verliest, kann man auch verschreiben. Ich merke das auch an mir: wenn ich lese, ist es meistens Fachliteratur, wie etwa über Voodoo-Zauber.

5vier.de: Hat sich Dein Leben durch das Schreiben verändert?

Sandra Baumgärtner: Verändert nicht, aber bereichert. Mein normales Leben ist ja nach wie vor das der Hausfrau und Mutter. Daran hat sich nichts geändert, aber das der Schriftstellerin ist dazu gekommen. Da ist man auch mal am Wochenende nicht zu Hause, sondern auf Conventions und Lesungen etc. Es ist sozusagen noch eine andere Welt hinzugekommen, in die man mal eintauchen kann. Es ist schön mal einzutauchen und mit Leuten zu verkehren, die genauso „spinnen“, wie man selbst. Schreiben ist ja an sich eine recht egoistische Sache, wie man da stundenlang am PC sitzt und in seine eigene Welt versinkt. Da ist es im Gegenzug schön, mit Leuten zusammenzusitzen und Kaffee zu trinken, die das Problem kennen, aber trotzdem total gesellig sind.

5vier.de: Dein Mann und Deine Kinder können also auch mal zurückstecken?

Sandra Baumgärtner: Die Schreiberei hält sich meistens raus aus dem Familienleben. Außer, mir spukt etwas im Kopf rum oder ich komme an einer Stelle nicht weiter, dann spreche ich darüber auch mal mit meinem Mann. Es sind im Prinzip zwei Leben, die sich nicht immer trennen lassen. Aber ich könnte das eine Leben gar nicht führen, wenn die Familie nicht so mitziehen würde. Ich bewundere da immer die Frauen, die Kinder, Ehe, Haushalt und Beruf scheinbar so mühelos unter einen Hut bekommen. Die Organisation, die dahinter steht, damit alles reibungslos verläuft, kann ich mir gut vorstellen. Ich genieße es dafür umso mehr mal in eine fremde Welt einzutauchen, allerdings ist das nach Hause kommen dann noch schöner. Meine Familie ist und bleibt mein Ruhepol.

5vier.de: Was sagen Deine Kinder, wenn sie gefragt werden, was ihre Mutter macht?

Sandra Baumgärtner: Meine Kinder gehen sehr offen und locker damit um. Auch von den Lehrern und den anderen Eltern kommt viel positives Feedback. Bisher hat noch keiner mit dem Finger auf mich gezeigt, weil ich über Vampire schreibe.

5vier.de dankt Sandra Baumgärtner für das schöne Gespräch. „Mea Culpa“ ist ab sofort in der Mayerschen Buchhandlung erhältlich.

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