Buntes: Lebenszeichen – Eine Frau, tausend Gesichter

Eine Darstellerin, eine Regisseurin, eine Stunde Aufführungsdauer und über zehn Geschichten: „Lebenszeichen“ von Jane Martin in der Tufa Trier. 5vier.de Redakteurin Stefanie Braun hat sich das Stück angesehen.

I’m a bitch, I’m a lover, I’m a child, I’m a mother… so singt es schon Alanis Morissette; Frauen vereinen in ihrem Leben oft mehr als eine Persönlichkeit in sich: Tochter, Freundin, Ehefrau, Mutter, Businesslady, Mittvierzigerin, Oma. Zwischendrin auch mal Schlampe, Zicke, Teenie. Die Liste ist endlos. Jane Martin, welches lediglich ein Pseudonym ist hinter dem sich der oder die wahre Autorin bis heute hartnäckig versteckt, wusste dies und versammelte ein paar der zahllosen Frauencharaktere in ihrem oder seinem Stück „Lebenszeichen“. Dieses hatte nun am Sonntag, 30. September, Premiere in der Tufa Trier, Regie führte dabei niemand Geringeres als Schauspielerin Barbara Ullmann. Die hat durch ihren Beruf mehr als genug Erfahrung mit verschiedenen Rollen gesammelt und gab dieses Wissen nun gerne an ihre Hauptdarstellerin Elke Becker weiter.

Tochter, Mama, Oma, Schlampe

Elke Becker ist zwar „nur“ eine Laiendarstellerin, aber spürbar mit Leib und Seele dabei und schlüpft so eben mal zack zack in jede der ach so unterschiedlichen Rollen. Mal lebensmüde Drummerin, mal traumatisierter Teenie, mal attestierte „Dame ohne Persönlichkeit“. Es reichen eine übergeworfene Kittelschürze, ein neues Paar Schuhe und ein paar kleine Accessoires, um aus Elke Becker alle drei Minuten eine völlig neue Frau zu machen. Solche Resultate wünscht man sich sonst nach einem Friseurbesuch.

Klar nimmt man da nicht immer alles ab; der kreischende Teenie ist im ersten Moment etwas befremdlich, die Putzfrau fast noch zu „intellektuell“, die Drummerin etwas zu rauchig, aber die Mischung macht es eben einfach. Und die Wandlungsfähigkeit, die beweist Becker mehr als einmal. Eine stramme Leistung für eine Laiendarstellerin. Gekonnt.

Nicht-Nur-Laiendarstellerin

Gekonnt erscheint die Inszenierung auch dadurch, dass man die jeweiligen Verwandlungen in spärlicher Beleuchtung mitbekommt und die zwingenden Pausen durch Musik getragen werden; am Akkordeon Eugene Bozzetti, trotz kurzer Episoden wirkt die Inszenierung nie zusammengesetzt.

Ullmann kommt den einzelnen Persönlichkeiten über den körperlichen Aspekt sehr nahe. Die Fulltime-Mami zeigt ihr Multitasking zwischen Eis-Schlecken, Hände-Abwischen, Sandeimerchen-Festhalten und Maximilian-zur-Ordnung-rufen. Die Drummerin trommelt mit einem Löffel auf das Glas, in dem sie sich zuvor ein Blister Schlaftabletten aufgelöst hat, und findet so, für kurze Zeit, zurück ins Leben.

Accessoires, Kostüm, Körperhaltung, Stimme, Sprache, Gestik, Mimik: Becker und Ullmann spüren ihren Figuren nach, wechseln die Schuhe mit ihnen, schlagen die Beine übereinander wie sie, sprechen Dialekt wie sie. Da war Einfühlungsvermögen am Werk. Und Ideenvielfalt.

Insgesamt eine schöne runde Aufführung, kommt sie doch trotz Episoden geschlossen an ihren Anfang zurück, mit der Einsicht, dass ein Ende eben doch nicht mehr als ein Anfang ist. Oder war’s umgekehrt?

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