Die Kino-Woche: Oscars, CGI-Zombies und 23 Persönlichkeiten

Oscar-Regen für La La Land? - Neustarts: Resident Evil & Split

Unser wöchentlicher Ausblick auf Neustarts, Geheimtipps und empfehlenswerte Streifen, die in den nächsten Tagen aus den Kinosälen verschwinden…

Diese Kino-Woche steht trotz zwei großen Neustarts ganz im Zeichen der Oscar-Verleihung. Die Academy Awards werden zwar erst am 26. Februar 2017 verliehen, aber die Nominierungen für die 89. Oscar-Verleihung sind seit dieser Woche bekannt und sorgen in der Kino-Szene für Gesprächsstoff.

Die vom Präsidenten der MGM Studios im Jahre 1929 ins Leben gerufene Auszeichnung wird durch Mitglieder der Academy of Motion Picture Arts and Sciences verliehen. Mitglieder der Academy kann man nur durch Einladung des sogenannten Board of Governors werden, weswegen die Ehre auch nur Menschen vergönnt ist, die sich in besonderer Weise für den Film eingesetzt haben. Unter den mittlerweile mehr als 7000 Akademie-Mitgliedern sind 14 verschiedene Berufsfelder aus dem Bereich der Filmproduktion vertreten. Die Nominierungen erreichten die Film-Welt dieses Jahr erstmals via Presse-Aussendung.

 

 

Wie schon bei den Golden Globes angedeutet führt das Musical „La La Land“ mit 14 Nominierungen deutlich vor allen anderen Filmen. Nach „Alles über Eva“ (1950) und „Titanic“ (1997) ist das Ausnahmestück über die Stadt der Engel erst der dritte Film mit dieser Rekordzahl an Nominierungen.

An zweiter Stelle rangieren die Science-Fiction-Perle „Arrival“ und das Drama „Moonlight“ mit jeweils 8 Nominierungen. Mel Gibson’s Kriegsfilm „Hacksaw Ridge“, das Drama „Lion“ und die Casey Affleck-Provinzgeschichte „Manchester by the Sea“ folgen mit jeweils 6 Nominierungen.

Wirklich aufregend ist abgesehen von der einschüchternden Dominanz durch „La La Land“ eigentlich keine der Nominierungen, lediglich US-Präsident Donald Trump dürfte sich wundern, wie die in seinen Augen hoffnungslos überbewertete Schauspielerin Meryl Streep an ihre mittlerweile 20. Oscar-Nominierung kommen konnte. Die deutsche Filmindustrie darf sich über den als bester fremdsprachiger Film nominierten „Toni Erdmann“ freuen.

Normalerweise laufen viele Oscar-Kandidaten in Deutschland erst nach der legendären Verleihung an, in den letzten Monaten waren allerdings schon viele der Nominierten in den Kinos zu sehen. „La La Land“ läuft noch immer, „Arrival“ rumorte sich lange durch den Kino-Herbst, „Manchester by the Sea“ und „Hell or High Water“ finden sich immer noch in den Nischenkinos.

Nur im Multiplexx-Geschäft schert man sich recht wenig um die anspruchsvolle Oscar-Ware. Hier zählen nackte Zahlen und die schießen nicht in die Höhe, wenn Ryan Gosling mit Emma Stone durch Los Angeles tanzt. Da braucht es schon schwerere Kaliber, wie die letzten und auch das anstehende Kinojahr beweisen: bewährte Charaktere in eingespielten Szenarien.
 

 
Das einfallsloseste Beispiel dafür ist das offizielle „Final Chapter“ der „Resident Evil“-Saga, das dieser Tage in den großten Kinosälen mit dickem 3D-Zuschlag anläuft. Zum mittlerweile sechsten Mal wuchtet sich das Ex-Model Milla Jovovich mit versteinerter Miene gegen Computer-generierte Zombie-Massen, die in ihrer für die Saga typischen Künstlichkeit so bedrohlich wirken wie ein Streichelzoo. „Resident Evil 6: The Final Chapter“ ist erneut eine unpersönliche CGI-Schlacht, die Fans der atmosphärischen Videospiel-Vorlage die Hände über dem Kopf zusammen schlagen lässt.
 

 
Spannender ist da schon M. Night Shyamalan’s „Split“, mit dem der „The Sixth Sense“-Regisseur gerade eine regelrechte Wiedergeburt erlebt. Der Horror-Thriller mit einem gespenstisch guten James McAvoy handelt von einem Geistesgestörten mit multipler Persönlichkeitsstörung. Ganze 23 verschiedener Manifestationen verstecken sich hinter der freundlichen Hülle, die zu Beginn des Films drei Mädchen verschleppt. Doch als die 24. Persönlichkeit auf den Plan tritt, wirken alle anderen im direkten Vergleich wie ein harmloser Kindergarten. Nach Jahren ist Shyamalan nochmal eine ungeheuer intensive Tour de Force gelungen, die mit einem höchst originellen Ende aufwartet.
 

 
Mit „Monster Trucks“ gibt es von „Ice Age“-Regisseur Chris Wedge einen Trick/Realfilm-Hybrid, der das Konzept des Monster Truck wörtlich nimmt und die Geschichte eines Pickups erzählt, in dem ein Monster zuhause ist.
 

 
Die Mädels dürfen derweil endlich in den ersten „Wendy“-Realfilm pilgern, wo es ganz viele Pferdeabenteuer zu bestehen gibt. Desweiteren tänzelt auch weiterhin die animierte „Ballerina“ durch die Kinosäle und „Ritter Rost“ bewältigt in seinem zweiten Abenteuer „Das Schrottkomplott“. Der Casting-Animations-Hit „Sing“ läuft derweil langsam aus, genau wie Disney’s Südsee-Hit „Vaiana“.

Leinwand-füllenden Krach gibt es weiterhin in Form von „Assassin’s Creed“ (zwei Videospiel-Verfilmungen zur gleichen Zeit gibt es übrigens selten), „Passengers“, „Rogue One: A Star Wars Story“, „The Great Wall“ und dem unsäglichen „xXx: Die Rückkehr des Xander Cage“. Und wer lachen will, darf weiterhin das Zwerchfell bei „Plötzlich Papa!“, „Vier gegen die Bank“, „Why Him?“ und „Willkommen bei den Hartmanns“ strapazieren.
 

 
Im Broadway startet derweil das italienische Thriller-Drama „Suburra“, dass einen bildgewaltigen Blick auf die mafiösen Strukturen in der italienischen Hauptstadt wirft. Beinahe schon Scorsese-esk interagieren die unterschiedlichen Machtebenen miteinander und entladen sich immer wieder in heftigen Gewalt-Spitzen, die eher ans amerikanische Gangster-Kino erinnern.
 

 
Dagegen wirkt die deutsch-französische Tragikomödie „Die feine Gesellschaft“ fast schon wieder brav, auch wenn die Geschichte um spurlos verschwundene Menschen an der Normandieküste originell und mit viel Witz erzählt ist. Wenn französischer Hochadel und vertrottelte Dorfpolizei aufeinandertreffen um zu ermitteln, bleibt zunächst kein Auge trocken.

Die genauen Spielzeiten der einzelnen Filme gibt’s auf Cinemaxx.de und bei Broadway Trier.

Neben dem Standard-Programm gibt’s an dieser Stelle auch einen Hinweis auf das wöchentliche Kinoprogramm des cineasta an der Universität Trier, wo zweimal wöchentlich (Dienstag und Mittwoch) Filme verschiedenster Genres und Epochen gezeigt werden.
 

 
Dienstag, 31.01.2017: Das Cineasta zeigt um 20:00h im Hörsaal 3 der Universität Trier die Französisch-Englische Ko-Produktion „The Lobster“. Mit Colin Farrell und Rachel Weisz prominent besetzt zeichnet die Komödie eine skurrile Zukunft, in welcher Singles verhaftet und in ein Hotel im Wald gesteckt werden. Wer dort nicht innerhalb von 45 Tagen einen Deckel für seinen Topf findet wird in ein Tier seiner Wahl verwandelt und in die Wälder verbannt….macht Sinn, oder? Wie die verrückte Dystopie sich entfaltet und ob Colin Farrell zum Tier wird, kann man kommenden Dienstag überprüfen…

Vor dem Hauptfilm wird der Kurzfilm „The Lady and the Fly“ gezeigt.
 
 

Mittwoch, 01.02.2017: Das Cineasta zeigt um 20:00h im Hörsaal 3 der Universität Trier die Drama-Komödie „Ein Hologramm für den König“ im Original-Ton mit Untertiteln. Das Werk vom deutschen Ausnahme-Regisseur Tom Tykwer erzählt die Geschichte vom von Tom Hanks gespielten Geschäftsmann Alan Clay, der von der Finanzkrise aus der Bahn geworfen wird und anschließend nach Saudi-Arabien reist, um dem König eine bahnbrechende Geschäftsidee vorzustellen. Das gestaltet sich natürlich weit schwieriger als zunächst angenommen…

Vor dem Hauptfilm wird der Kurzfilm „Uzbek Express“ gezeigt.

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Zu guter Letzt könnt ihr hier abstimmen, in welchen Film es euch diese Woche zieht!

[Titelfoto: Cliff ; https://flic.kr/p/5zfz5j]

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