Ein (Miniatur)Wunderland auch für Flüchtlinge

Wie ein Hassbrief im Internet viral geht...

Wie eine Riesen-Modellbahnanlage in Hamburg, einige Flüchtlinge und eine Hass-Botschaft zur Zeit die sozialen Netzwerke beschäftigt.

Trier / Hamburg. Modellbahnen waren viele Jahre lang das Weihnachtsgeschenk Nr. 1 in Deutschland, bevor Spielekonsolen und Smartphones die Vorherrschaft unter dem Weihnachtsbaum übernahmen. Das die kleinen Züge immer noch Faszination versprühen, zeigt das Miniatur Wunderland in Hamburg, welches die mit 1490 Quadratmetern größte Modelleisenbahnanlage der Welt ist. 1,3 Millionen Besucher zahlen jedes Jahr Eintritt für die mittlerweile feste Größe bei den Hamburger Sehenswürdigkeiten. Im Januar bot man für die weniger zahlungskräftigen Kunden eine besondere Aktion an: Der „Kann ich mir nicht leisten“-Tag bot bedürftigen Menschen die Möglichkeit kostenlos das Miniatur Wunderland zu besichtigen. 18.000 Menschen bestaunten an diesem Tag die gigantische Modellbahnwelt, von der Großfamilie bis zum gerade erst angekommenen Flüchtling. Letztere machten lt. Wunderland rund 25% der Besucher an diesem Tag aus.

Miniatur Wunderland

Miniatur Wunderland-Mastermind Frederik Braun posiert vor dem Wunderland-Nachbau der Elbphilharmonie (Bildnachweis / Credits: © Miniatur Wunderland)

Die Aktion, die Frederik und Gerrit Braun, die beiden Väter des Wunderlandes,  aufgrund der Resonanz und menschlichen Momenten als vollen Erfolg bezeichnen, bekam am vergangenen Mittwoch nochmal verspätete Aufmerksamkeit, als sich das Miniatur Wunderland entschloss, den Brief eines Fans auf der eigenen Facebook-Seite zu teilen, der mit dieser Aktion überhaupt nicht einverstanden war.

In dem veröffentlichten Brief (die Rechtschreibfehler haben wir 1 zu 1 so übernommen), dem mehrere Bilder von Ausländern im Miniatur Wunderland beilagen, heißt es:

„Sehr geehrte Damen und Herren,

wir waren in der Vergangenheit regelmäßig im Wunderland. Dieses werden wir nicht mehr tun und alle Freund der Eisenbahn auch nicht.

Wir tragen auf keinen Fall die Politik von Merkel, diese Wirtschaftsflüchtlinge in unser Land zu lassen.

Auch müssen wir für den Eintritt für diese Wirtschaftsflüchtlinge durch unserer Arbeit bezahlen .Die Wirtschaftsflüchtige werden kostenlos oder mit unseren Geld eingelassen.

Wir wünschen Ihnen eine Bombenlose Zeit“

Die Miniatur Wunderland-Crew machte nun ihrem Ärger und der Enttäuschung über diese Hass-Botschaft bei Facebook freien Lauf und forderte die „vielen liebevollen und wunderbaren Menschen in Deutschland, die bisher nur zuschauen“ zum Teilen des Facebook-Posts auf, um „endlich LAUTER zu werden“.

Weiter schreiben die Wunderländler: „Wo steuern wir hin, wenn eine Aktion wie unsere, bei einigen von Angst gesteuerten Menschen dazu führt, virtuell und per Post solche Hassbotschaften zu verbreiten? Das Problem unseres heutigen, virtuellen Zeitalters ist die Tatsache, dass negative Botschaften schnell und leicht „rausgehauen“ werden und zu wenig positive Antworten entgegengesetzt werden. Dadurch entsteht ein völlig falsches Meinungsbild!“

Miniatur Wunderland

Auch international ist das Miniatur Wunderland gut aufgestellt – hier zu sehen: der brandneue Italien-Abschnitt (Bildnachweis / Credits: © Miniatur Wunderland)

Im Internet erntet der Aufruf der Riesen-Modellbahner aus Hamburg eine beeindruckende Resonanz. Weit über 20.000 mal wurde der Facebook-Post bisher geteilt und eine überwältigende Mehrheit unterstützt das Vorgehen von Frederik und Gerrit Braun und ihrem Team, deren Riesen-Anlage kaum internationaler sein könnte. Auf insgesamt rund 15,4 Kilometern an Modell-Gleisen im Maßstab 1:87 rollen über 1000 digital gesteuerte Züge nicht nur durch ein Miniatur-Deutschland, sondern auch durch Skandinavien, die Schweiz, die USA und ganz neu Italien. Zukünftige Projekte sollen England/Schottland sowie Frankreich sein.

Nicht jeder hat in Deutschland das Geld, die Welt zu bereisen. Wenn einmal im Jahr Menschen am Existenzminimum – ganz gleich welche Nationalität – die Möglichkeit geboten wird, zumindest im Maßstab 1:87 etwas von der Welt zu sehen, ist das in den Augen von Frederik und Gerrit Braun ein Zeichen für Menschlichkeit, wie sie am Ende ihres Facebook-Posts fordern: „Lasst uns gemeinsam Haltung für eine Welt zeigen, die wieder die Menschlichkeit in den Vordergrund stellt.“

Zur Facebook-Seite des Miniatur Wunderland inkl. des Original-Postings: https://www.facebook.com/MiniaturWunderlandHamburg/

Bildnachweis / Credits:  © Miniatur Wunderland

Stichworte:

Kommentare (0)

Trackback URL | RSS

Antworten

Wir freuen uns über Kommentare und möchten allen Lesern die Möglichkeit geben, kritisch zu den Themen und Artikeln Stellung zu beziehen und ihre Meinung kundzutun. Wir behalten uns das Recht vor, jeden Kommentar vor Veröffentlichung redaktionell zu überprüfen und nur Kommentare freizuschalten, die sich sachlich mit dem Thema des Beitrags beschäftigen.
Spielregeln