Ein Sommerabend in der Sternwarte Trier

5vier.de besuchte den Verein Sternwarte Trier e. V. auf dem Dach des A/B-Gebäude an der Uni Trier

Der Sommerhimmel ist klar, da kommen die Sterne besonders zur Geltung. 5vier besuchte den Verein Sternwarte Trier e. V. auf dem Dach der Universität und lässt sich zeigen, was man alles sehen kann.

Foto: Markus Weber

Foto: Markus Weber

Es ist warm und die Luft ist klar auf dem Dach des A/B Gebäudes der Universität Trier, als wir – eine kleine Auswahl von Mitgliedern der Verein Sternwarte Trier e. V. und drei neugierige Besucher (darunter auch ich) – auf die rot lackierte Sternwarte zu halten.

Es ist noch hell, von Sternen keine Spur. Wer in diesen Wochen den Nachthimmel beobachten möchte, der muss schon bis 22 Uhr warten – wird dafür aber mit Sichtverhältnissen belohnt, wie man sie nur selten findet. Aber das Tageslicht heißt nicht, dass es nicht etwas für uns zu sehen gibt. Gerätewart Markus Weber richtet die beiden Teleskope – große Metallröhren mit Brennweiten von 2300 und 1300 Millimeter – auf die Sonne aus. Das größere der beiden Teleskope wird mit einem Weißlichtfilter abgedunkelt, das kleine mit einem Alpha Filter ausgestattet, der die Wasserstoffwellenlänge durchlässt. Mit einem Blick durch die Okulare kann man nun deutlich die Sonnenflecken auf der Oberfläche und die Protuberanzen in der Sonnenkorona erkennen.

Die Sonne und das große Rohr. Foto: Lars Eggers

Die Sonne und das große Rohr. Foto: Lars Eggers

„Die Protuberanzen sind heute eher klein – so um die 20.000 Kilometer“, erklärt Vereinsmitglied Roland Weber, „die größten, die man beobachten konnte waren über 750.000 Kilometer groß.“

Für mich, der den Himmel bis dato mit den eigenen Augen und einer handelsüblichen Kamera beobachtet hat, ist es eine echte Erfahrung, den kleinen hellen Punkt am Himmel mal von nahem zu sehen.

Sonne, Mond und Planeten

„Die Sternwarte hier auf der Uni eignet sich gut für die Beobachtung unseres Sonnensystems“, meint Gerätewart Markus Weber, „für weitergehende kosmische Einblicke sind die Teleskope zu klein und die Stadt um uns herum ist zu hell, da ist unser Standort in Irsch deutlich besser aufgestellt. Aber für alles rund um Sonne, Mond und Planeten ist der Standort ideal.“ Die Sternwarte wird von den Schulen für ihre Astro AGs und vom Verein genutzt. Der Verein Sternwarte Trier e. V. hat rund 50 Mitglieder, davon sind zehn bis zwölf ständig aktiv. Dazu kommen – je nachdem wie nahe die Klausurzeit ist – zwischen 40 und 70 Schüler aus den Astro AGs der Trierer Schulen. Über mangelnde Nutzung kann sich die kleine rote Kuppel auf dem Uni Dach also nicht beschweren.

Der Saturn ist im Sommerhimmel gut zu sehen. Foto: Markus Weber

Der Saturn ist im Sommerhimmel gut zu sehen. Foto: Markus Weber

Was man im Sommer sehen kann

Durch die guten Sichtverhältnisse lassen sich, wenn man sich ein wenig aus dem Lichtradius der Stadt heraus bewegt, einige sehr schöne Konstellationen und sogar einige Planeten beobachten.

„Derzeit steht das Sommerdreieck deutlich sichtbar am Nachthimmel“, erklärt Roland Weber, „Jede Jahreszeit hat eine solche Konstellation: das Frühlingsdreieck, das Wintersechseck, das Herbstviereck und eben das Sommerdreieck.“ Die Konstellation besteht aus der Wega im Sternbild der Leier, Deneb im Sternbild Schwan und Altair (auch Atair genannt) im Sternbild des Adlers. Selbst bei mäßigen Sichtverhältnissen kann man das Sommerdreieck schon kurz nach Sonnenuntergang in südlicher Richtung erspähen.

Das Sommerdreieck über Trier. Foto: Roland Weber

Das Sommerdreieck über Trier. Foto: Roland Weber

Wer ein Teleskop besitzt, der kann sich auch noch andere Aussichten ins Okular holen; den Ringnebel zum Beispiel (die Überreste eines explodierten Sterns) oder den M13 Sternhaufen. Auch unser eigenes Sonnensystem hat einiges zu bieten. Venus und Saturn sind als leuchtende Punkte am Himmel zu sehen und mit einem entsprechenden Teleskop gut zu vergrößern.

Wer allerdings hofft, diese Himmelskörper fotografieren zu können, der wird wohl auf Probleme stoßen. Markus Weber weiß, Stellarfotografie ist eine Wissenschaft für sich:

„Es werden mehrere Fotos mit einer Belichtungszeit von fünf bis zehn Minuten gemacht, bei denen das Teleskop und die Kamera an die Bewegungen der Erde angepasst werden muss. Danach wird dann aus den ganzen Fotos ein Kompositum erstellt, um das Rauschen niedrig zu halten.“ So dauert eine einzelne Aufnahme schon mal eine Stunde oder mehr.

Der Blick gen Himmel lohnt sich also, ob mit oder ohne Teleskop. Und selbst wenn ihr keine Planeten zu sehen bekommt habt ihr eine gute Ausrede in der kühlen Nacht draußen auf dem Rücken zu liegen und Sterne zu gucken.

Wer Interesse an der Beobachtung des Himmels hat, der kann sich direkt an den Verein Sternwarte Trier e. V. wenden. Es werden auch Führungen angeboten.

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