„Der Geist hat heute funktioniert“ – Sieg über Pfullendorf

von Stephen Weber (Text), Anna Lena Grasmück (Fotos), Benjamin Judith &  Holger Görgen (Video)

Eintracht Trier schlägt im Moselstadion vor 1488 Zuschauern den SC Pfullendorf mit 1:0 (0:0). Erneut avancierte Chhunly Pagenburg durch seinen 16. Saisontreffer zum gefeierten Helden der Partie. Die Eintracht verweilt durch diesen Sieg mit 32 Punkten weiterhin auf dem 4. Tabellenplatz.

Es war ein hartes Stück Arbeit, doch Eintracht Trier gelang durch beherzten Einsatz bis zum Schlusspfiff der Begegnung der sechste Sieg im achten Spiel in Serie. Eine beeindruckende Bilanz des Sportvereins, dessen Trainer Roland Seitz zurzeit wenig zu beklagen hat: „Wir sind alle sehr glücklich, aber es war der erwartet unangenehme Gegner. Solche Spiele muss man erst einmal gewinnen und wir sind momentan in der Lage, das zu bewerkstelligen. Deshalb großes Lob an die Mannschaft.“

Es war allerdings ein weiter Weg bis zu diesem Fazit. Coach Roland Seitz machte seine Ankündigung im Vorfeld der Partie wahr und rotierte in Folge der zwei Gelbsperren für Steven Kröner und Steven Lewerenz auf zwei Positionen durch, ohne dabei das bewährte 4-2-3-1-System zu verändern. Für Kröner übernahm Torge Hollmann den Bewacherposten im Innenverteidigerverbund und Mario Klinger durfte aufgrund dieser Verschiebung sein Startelfcomeback im defensiven Mittelfeld geben. Maximilian Watzka rückte für den gelb-gesperrten Lewerenz auf den rechten Flügel und gab seinen Job als defensiver Abräumer an Baldo di Gregorio weiter, der ebenso wie sein Nebenmann wieder Anfangsformations-Luft schnuppern durfte.

Die Partie nahm jedoch zunächst nur schleppend Fahrt auf. Trier bewies zwar den Willen, die Begegnung vor heimischer Kulisse zu gestalten, doch fehlte oftmals der nötige Schluck Zielwasser, um die eigenen Angriffe bis zum Ende durchzuspielen. So war es symptomatisch, dass die erste Chance der Hausherren aus einem ruhenden Ball resultierte, als Alon Abelski einen Freistoß aus zentral 20 Meter nur knapp über das rechte Lattenkreuz zirkelte (20.). Gute Chance für die Gastgeber.

Eine ereignisarme erste Halbzeit

Danach sahen die 1488 Zuschauer auf beiden Seiten viel Leerlauf in der Begegnung. Einzig ein ambitionierter Fernschuss von Mario Klinger durchbrach für einen Moment die Lethargie auf dem Rasen (30.). Einen richtigen Aufreger im ersten Spielabschnitt initiierte allerdings Schiedsrichter Moritz Kühlmeyer, der durch viele kleinliche Pfiffe den Unmut der Akteure und Zuschauer auf sich zog. Klinger foulte im Zweikampf einen Pfullendorfer Spieler in deren Sechzehner – eine Szene, die der Unparteiische zunächst richtig ahndete.

Doch als in der anschließenden Rangelei der hitzköpfige Michael Falkenmayer den bereits ermahnten Klinger zu Boden stieß und der Referee beiden Spielern für diese Aktion den gelben Karton zeigte, lag er mit dem Maß seiner Entscheidung daneben – bis zum Ende der Partie sollte sich die Gelbe-Karten-Statistik bis auf neun an der Zahl summieren. Pfullendorfs Trainer Adnan Sijaric kommentierte die Kartenflut schmunzelnd: „Das war heute ein faires Spiel, aber dennoch Männersport. Der Schiri ist halt seiner Linie treu geblieben.“

Diese und weitere strittige Urteile des Mannes in gelb ließen die Gastgeber von der Mosel zusehends bissiger auftreten. Doch die Pfullendorfer waren es, die die größte Gelegenheit im ersten Spielabschnitt vergaben: Ein Fehlpass von Fouad Brighache auf Manuel Stark leitete den Konter der Gäste ein, der von Christian Jeske aber leichtfertig vertändelt wurde (40.). Die darauffolgende Schusschance von Chhunly Pagenburg war die letzte der nennenswerten Spielsituationen in Halbzeit eins (42.).

Pagenburg – wer sonst?

Das einzige, was sich allerdings nach dem Wiederanpfiff änderte, waren die Spielrichtungen der beiden Mannschaften. Denn nach wie vor waren es die Blau-Schwarzen, die das Spiel diktierten, aber sich dabei eben so wenig Torraumszenen erarbeiten konnten wie vor dem Halbzeitpfiff. Ebenfalls konstant blieben die fragwürdigen Pfiffe des Schiedsrichters, der ein vermeintliches Foul im Pfullendorfer Strafraum an Abelski als Schwalbe wertete (57.).

Es sollte dann bis zur 75. Minute dauern, bis die Begegnung ihren ersten rühmlichen Höhepunkt erhielt. Fahrudin Kuduzovic fasste sich von der linken Strafraumkante ein Herz und zog den Ball einfach mal auf das Gäste-Tor. Schlussmann Sebastian Willibald gelang es nicht, den strammen Versuch festzuhalten und ließ das Spielgerät lediglich abklatschen – genau vor die Füße der Trierer Lebensversicherung Pagenburg, der zur 1:0-Führung abschloss. Auf seinen 16. Saisontreffer im 18. Spiel folgte großer Jubel über die unter dem Strich verdiente Führung des SVE. Der Gäste-Trainer lobte den Trierer Angreifer mit besonderen Worten: „Der Gegner hat halt einen Stürmer, der im entscheidenden Moment goldrichtig steht. So muss man aufgrund der zweiten Hälfte von einem verdienten Sieg für Trier sprechen.“

Kurz danach hätte Trier die endgültige Entscheidung herbeiführen müssen – doch Kuduzovic vergab einen Elfmeter, nach Foul an Thomas Konrad im gegnerischen Strafraum, gegen den glänzend parierenden Willibald (83.) –  schon der zweite Strafstoß, den Kuduzovic in dieser Spielzeit nicht verwandeln konnte. Auch Watzka hatte noch zwei Mal den hundertprozentigen Abschluss vor der Brust, doch keine seiner Möglichkeiten sorgte frühzeitig für klare Verhältnisse (85., 88.).

So musste Roland Seitz mit seiner Mannschaft noch bis zur 94. Minute zittern, als Pfullendorf noch ein Freistoß aus gefährlicher Distanz zugesprochen wurde – doch auch diese Chance wusste die Elf vom Bodensee nicht zu nutzen. Es blieb beim verdienten 1:0-Erfolg und dem dritten Heimsieg der Eintracht in Folge. Roland Seitz war auf der Pressekonferenz zufrieden: „Unser Geist hat heute funktioniert und der Geist wollte den Sieg. Ich bin wirklich froh, dass wir den Fans diese Serie schenken können.“

Randnotiz: Alon Abeslki sah kurz vor Abpfiff wegen Zeitspiels noch seine 10. gelbe Karte in der laufenden Saison, weshalb er am kommenden Sonntag gegen Mainz II fehlen wird.

Statistik & Noten

Eintracht Trier – SC Pfullendorf 1:0 (0:0)

Eintracht Trier: Loboué (Note 2,5) – Brighache (3), Konrad (2), Hollmann (3), Zittlau (3) – Klinger (3) (74. Lubasa), di Gregorio (2,5) – Watzka (2), Abelski (2) (90. Dingels), Kuduzovic (2,5) – Pagenburg (2)

SC Pfullendorf: Willibald – Stark  (58. Streit), Falkenmayer, Kocatepe, Hepp – Frick (86. Kunter), Schreyeck – Jeske (75. Jonuzi), Saccone, Bentele – Battaglia

Tore:
1:0 Chhunly Pagenburg (75.)

Besonderen Vorkommnisse: Sebastian Willibald hält Elfmeter von Fahrudin Kuduzovic (83.)

Spieler des Spiels: Chhunly Pagenburg – die Trierer Lebensversicherung war erneut zur richtigen Zeit am richtigen Ort und markierte den Führungstreffer seiner Mannschaft.

Schiedsrichter: Moritz Kühlmeyer (Mainz)
Zuschauer: 1488

Die VIDEOs zum Spiel

Spielbericht:

Stimmen:

Die Bilder zum Spiel

Stichworte:

Kommentare (2)

Antworten | Trackback URL | RSS

  1. Foul Breitner sagt:

    Schön dass die Eintracht wieder lebt. Die Mannschaft ist wirklich sehenswert und bietet genau das, was der Fußballfan sehen will: Kampf, Einsatz und auch spielerisches Potential. Dabei scheinen in dieser Saison endlich mal keine Stinkstiefel im Team zu sein. Den Jungs würde ich den Aufstieg gönnen. Trier muss endlich wieder auf die Fußball-Landkarte!

  2. fan sagt:

    das war wirklich ein arbeitssieg, und das wirklich schwache schiedsrichtergespann hat mit schuld, dass pullendorf ruppig
    zur sache ging
    zu den noten sei gesagt, dass klinger mir in seiner ungewohnten rolle sehr gut gefallen hat, watzka habe ich nicht so überzeugend gesehen, hätte er kurz vor schluß auf
    lubasa gepasst, wäre es das gewesen

    guter bericht

Antworten

Wir freuen uns über Kommentare und möchten allen Lesern die Möglichkeit geben, kritisch zu den Themen und Artikeln Stellung zu beziehen und ihre Meinung kundzutun. Wir behalten uns das Recht vor, jeden Kommentar vor Veröffentlichung redaktionell zu überprüfen und nur Kommentare freizuschalten, die sich sachlich mit dem Thema des Beitrags beschäftigen.
Spielregeln