Papa Lewerenz wagt Neuanfang nach der Talsohle

Von Florian Schlecht

Vor zwei Wochen erlebte Steven Lewerenz den schönsten Tag seines Lebens – er wurde Vater. Bei Eintracht Trier will der 21-Jährige in der neuen Regionalliga-Saison sportlich angreifen und zwei enttäuschende Jahre bei RB Leipzig hinter sich lassen.

Steven Lewerenz Eintracht Trier

Frisch gebackener Papa und frisch gebackener Neuzugang: Steven Lewerenz. Foto: Eintracht Trier

Den größten Moment ihres Lebens können viele Menschen vielleicht erst mit einigen Jahren Abstand benennen. Andere müssen gar nicht nachdenken, weil die Entscheidung für sie so leicht ist und die Erinnerungen für Glücksgefühle sorgen. Denn es gibt diese Sekunden, in denen ein Ereignis so gigantisch, so schön, so vollendet ist, dass man es nie vergessen wird. Steven Lewerenz ist erst 21, aber vor zwei Wochen hat er diese Gefühle gehabt, als sein Sohn Luiz-Elia auf die Welt kam. „Vater zu werden ist das Schönste, was es gibt“, sagt der Fußballer aus Hamburg und lächelt verschmitzt. „Das war einfach so unbeschreiblich, so emotional“, sprudelt es aus dem frisch gebackenen Papa heraus, der den Namen des Juniors als Tattoo auf seinem Arm verewigen will. Mit den ersten Erfahrungen in der Vater-Rolle kann Lewerenz umgehen, auch das Wechseln der Windeln sei kein Problem, grinst er. Privat beginnt ihn ein neuer Lebensabschnitt. Und auch sportlich betritt Lewerenz demnächst eine neue Episode, in denen er sich ebenfalls schöne Momente erhofft, obwohl diese wahrscheinlich niemals die Kraft der Geburt seines Sohnes haben werden.

Der Mittelfeldspieler wechselt zur neuen Saison von RB Leipzig zu Eintracht Trier. Beim Fußball-Regionalligisten will der Youngster wieder die Spielpraxis bekommen, die ihm beim Brauseklub zuletzt fast zwei Jahre versagt blieb. „Den Verein kannte ich in erster Linie noch aus der Zeit in der 2. Bundesliga und als Pokalschreck“, ist die neue Adresse für Lewerenz keine Unbekannte. Coach Roland Seitz, so betont er, sei der Grund gewesen, warum er sich für den Umzug an die Mosel entschied. „Der Trainer hat mir den Wechsel schmackhaft gemacht. Er hat Bock auf mich.“

In den Gesprächen verdeutlichte Seitz, was er so an dem Flügelspieler schätzt, wie er Trier helfen soll. „Er hält mich für einen außergewöhnlichen Spieler, der etwas Besonderes hat“, strahlt Lewerenz, der der Instinkt und Mut mitbringt. „Ich gehe oft in die direkten Duelle mit den Gegenspielern, suche gerne den Abschluss.“ Das Vertrauen vom Chef ist für das Talent aus dem Norden ein ganz wichtiges Kriterium, um schwungvollen Fußball zu spielen.

„Ich stehe über den Dingen“

Denn das fehlte ihm in Leipzig völlig. Als Rohdiamant wechselte er 2009 vom Hamburger SV zu dem ambitionierten Regionalligisten aus der WM-Stadt. Lewerenz war veranlagt, hatte schon zwei Spiele für das U19-Nationalteam bestritten, traute sich den Sprung zu. Und es sah am Anfang nach einem kleinen Märchen aus. Das junge Nordlicht erzielte das erste Tor der Roten Bullen am ersten Spieltag beim 1:1 gegen Türkiyemspor Berlin.

Nach einigen Wochen geriet er mit dem damaligen Coach Thomas Oral aneinander, wurde nach Österreich zum SV Karpfenberg verliehen, kämpfte unter Peter Pacult dann in Leipzig wieder um einen Stammplatz. Vergeblich. „Entweder ein Trainer hat Lust auf einen Spieler – oder nicht“, sagt Lewerenz. Von der Bild-Zeitung wurde er in einem Artikel zum Abschied als „Null-Spiele-Dribbler“ bezeichnet, als schwieriger Typ. Als kränkend hat er das nicht empfunden, vielleicht hat es ihn sogar abgehärtet. „Die Zeit war nicht leicht, aber ich habe sie abgehakt, weil ich über den Dingen stehe“, betont der Techniker. Den Schritt zu den Leipzigern, bei denen Investor Mateschitz langfristig von der Champions League träumt, bereut er inzwischen. „Ich dachte, RB wäre ein gutes Projekt“, betont er. „Aber man sieht erst im Nachhinein, wenn man einen Fehler gemacht hat. Wenn man jedes Jahr eine neue Mannschaft aufbaut und lauter Neuzugänge holt, muss man sich nicht wundern, wenn man nicht aufsteigt.“

Einen Neuanfang gibt es aber auch in Trier, wo Lewerenz sportlich wieder angreifen will. Das Talent sieht das schmale Aufgebot mit bislang nur zwölf Spielern gelassen „Der Trainer weiß, wie man eine vernünftige Mannschaft zusammenstellt“, sagt der Hamburger, für den die Zeiten als „Null-Spiele-Dribbler“ vorbei sein sollen. „Ich will so viele Spiele wie möglich machen und oben mitspielen.“ Zunächst steht aber der Urlaub vor der Tür – und als frisch gebackener Papa wird Lewerenz die Ferientage besonders genießen.

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