Eintracht Trier: Selbstbewusst nach Bochum – “Wollen punkten”

Von Andreas Maldener
(Text und Fotos)

Zum siebten Mal trifft Fußball-Regionalligist Eintracht Trier am morgigen Samstag (14 Uhr, Lohrheide) auf eine Zweitvertretung eines Bundesligisten. Dieses Mal will das Team von Trainer Roland Seitz gegen die zweite Mannschaft des Zweitligisten VfL Bochum punkten, wenn möglich sogar dreifach. Die Bilanz gegen den Unterbau der Proficlubs kann sich bisher durchaus sehen lassen: In allen sechs Partien blieb die Eintracht bisher ungeschlagen, fünf Siegen steht lediglich ein 2:2-Unentschieden gegen Mainz 05 gegenüber. Diese makellose Bilanz spiegelt sich auch in der Tabelle der Regionalliga West, wo die Moselstädter derzeit mit 16 Punkten aus neun Partien Rang fünf belegen. Der Rückstand auf den momentanen Spitzenreiter aus Lotte beträgt lediglich zwei Punkte.

Bild: Zeigt er seinem Team den Weg zu drei Punkten in Bochum? Spaßvogel Thomas Drescher witzelt vor der Abfahrt der Mannschaft mit Teamkollege Stefan Kohler

Blickt man erneut auf die Tabelle, dann sollte auch einem Dreier in der Wattenscheider Lohrheide gegen Bochum nichts im Wege stehen. Kein einziger Sieg bei sechs Unentschieden und drei Niederlagen, das bedeutet Abstiegsplatz sechzehn im Tableau. Doch Trainer Roland Seitz weiß diesen Rang zu relativieren:“Bochum hat eine komische Statistik. Zwar sind sie nach neun Spielen sieglos, haben aber zu Hause vier Mal Unentschieden gespielt, sind also noch ungeschlagen.“

Dennoch fährt der Eintracht-Tross mit großem Selbstvertrauen ins Ruhrgebiet, „um dort auf alle Fälle zu punkten“, wie Seitz es formuliert. Zwar muss der Coach weiterhin auf die Langzeitverletzten Michael Dingels, Johannes Kühne und Tim Eckstein verzichten, ansonsten sind aber alle Spieler einsatzbereit. Auch Tolgay Asma, der längere Zeit wegen Knieproblemen aussetzen musste, stieg nach einigen Laufeinheiten am Mittwoch wieder voll ins Mannschaftstraining ein. Gegen Bochum wird Asma jedoch zuerst auf der Bank Platz nehmen müssen, die Chancen auf eine Einwechslung stehen aber gut.

Von Beginn an ran darf vermutlich morgen die selbe Elf, die am vergangenen Spieltag im Heimspiel den damaligen Tabellenführer Schalke 04 II so bravourös stürzte: André Poggenborg im Tor, die Vierer-Abwehrkette mit Thomas Drescher auf der linken und Cataldo Cozza auf der rechten Seite, dazu Kapitän Josef Cinar und Torge Hollmann in der Innenverteidigung. Im Mittelfeld spielt Thomas Drescher den defensiven Part, begleitet wird er auf seiner Linken von Alban Meha, auf der rechten Außenbahn wird der quirlige Olivier Mvondo auflaufen. „Aus taktischen Gründen werden wir das System nicht ändern, dafür waren wir einfach zu erfolgreich“, rechtfertigt Seitz seine mutmaßliche Aufstellung. Lediglich auf einer oder zwei Positionen könnte es Änderungen geben, soweit ließ sich der Coach dann doch noch in die Karten schauen. Eine Position könnte dabei die Offensivabteilung sein. Thomas Kraus scheint nach seinen bisherigen Leistungen im Sturm gesetzt zu sein. Bei Nico Patschinski sieht es hingegen etwas anders aus. Zwar zeigt das Trierer Urgestein solide Leistungen und agiert äußerst mannschaftsdienlich, doch sein ärgster Konkurrent Lukas Mössner brillierte zuletzt beim 1:0-Heimsieg gegen die Knappen und erzielte den wichtigen Siegtreffer. Es ist also durchaus möglich, dass der Österreicher, der vor Saisonbeginn aus Kärnten an die Mosel wechselte, am Samstag mit seinem ersten Einsatz von Beginn an belohnt wird.

Bild: Die Stimmung passt! Die Kicker von Regionalligist Eintracht Trier vor dem Bus, der sie nach Bochum fährt. Und zurück vielleicht mit drei Punkten. Thomas Drescher hatte zuvor zum Fototermin gerufen.

Während bei der Eintracht der Kader also soweit zu stehen scheint, ist der Trainer etwas besorgt über das mögliche Potential des VfL. Definitiv spielen wird wohl Mimoun Azaouagh, der Deutsch-Marokkaner bestritt schon sechs Pflichtspiele für die zweite Garde des VfL Bochum und erzielte dabei drei Tore. Eine zweite deutliche Verstärkung für den VfL wäre dazu noch Paul Freier, das weiß auch Seitz:„Es ist zwar von den Regeln her nicht nachvollziehbar, aber Paul Freier ist in der zweiten Liga gelb-rot gesperrt, dürfte also theoretisch spielen.“ Der Coach hofft aber, dass Freier, der Stammspieler im Profikader der Bochumer ist, aufgrund dieser Tatsache gegen seine Eintracht nicht zum Einsatz kommen wird.

Ob mit Paul Freier oder ohne ihn, die Eintracht erwartet am morgigen Samstag erneut eine unberechenbare Zweitvertretung, deren wahres Leistungspotential von Spiel zu Spiel äußerst variabel ist. Doch die bisherige Bilanz des SVE und die Tatsache, dass die Mannschaft nach den vielen Ausfällen mittlerweile wieder fast vollständig ist, lassen hoffen, dass die Eintracht-Anhänger morgen die nächsten drei Punkte feiern können.

Hintergrund:

Am gestrigen Donnerstag kam erneut Bewegung in die Debatte um eine Reform der kränkelnden Regionalligen im deutschen Fußball. In einem Interview mit dem Magazin „Kicker“ äußerte sich Liga-Chef Reinhard Rauball zum Thema. Rauball sagte, dass er dem Präsidenten des Deutschen Fußball Bundes (DFB), Theo Zwanziger, bei einer DFB-Präsidiumssitzung am heutigen Freitag einen „5-Punkte-Solidarpakt Regionalliga“ vorlegen.

Dieser Plan beinhaltet laut Rauball die Möglichkeit der Ligen-Aufstockung auf vier oder fünf Staffeln. Jedoch unter der Prämisse, dass es weiterhin keine Begrenzung für zweite Mannschaften in den jeweiligen Staffeln geben solle. Weiterhin wolle er Zwanziger anbieten, über das Problem der Regionalligen nicht beim DFB-Bundestag am 21./22. Oktober in Essen zu entscheiden. Vielmehr wolle man das Problem gemeinsam lösen und darüber auf einem außerordentlichen Bundestag im Jahr 2011 entscheiden.

Diese Äußerungen Rauballs entsprechen jedoch in keinster Weise den bisherigen Forderungen hinsichtlich einer Reform der Regionalligen. Die bekanntesten Vorschläge sind die des Westfälischen Fußballverbandes und des Bayrischen Fußballverbandes. Die Westfalen plädieren für ein 2+1-Modell, bei dem eine Staffel ähnlich dem englischen System nur mit Reserveteams der Proficlubs besetzt ist. In Bayern hingegen fordert man die Aufteilung der Regionalligen in acht Oberligastaffeln, mit der Begrenzung von sechs Reserveteams in jeder Staffel.

Letzten Endes hat trägt dieser Kompromissvorschlag von Reinhard Rauball wohl lediglich dazu bei, den dringend notwendigen Reformierungsprozess noch weiter in die Länge zu ziehen und die Regionalligen im sportlichen Niemandsland versinken zu lassen.

„Ich mag keine zweiten Mannschaften im Ligabetrieb der Regionalligen, weil es für mich schlicht und ergreifend Wettbewerbsverzerrung ist“, äußert sich auch Roland Seitz kritisch zu den Plänen von DFB und DFL. Ein wirkliches Potential für Reformen wagt der Coach ebenfalls zu bezweifeln:“Ich hatte nie große Hoffnung, dass wir da irgendeine Chance haben, was zu erreichen. Dafür sind die Proficlubs einfach zu stark und zu mächtig.“

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Kommentare (4)

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  1. Stubbi sagt:

    Ja, Ja die Kiste kann geleert werden!!! 3:0 gewonnen, ich fass es nicht!!! Bin mal gespannt, was von dem Spiel berichtet wird. Tore Patsche!!!, Meha und Mössner. So kann es weitergehen. Im Sturm viel Licht und hinten dicht!!!!!!

  2. Stubbi sagt:

    Wirklich cooles Gruppenfoto. Ob in der Bitburgerkiste die der Patsche hält wirklich was drin ist? Wenn ja, dann bitte aufheben bis zur Heimfahrt….Für eine Siegerrunde oder ein Frustbesäufnis. Das erste wäre schon toll….Viel Glück für das Spiel und legt in die Kiste 3 Punkte dazu. Ein Punkt wäre aber für mich auch i.O.

  3. muuselindianer sagt:

    Hoffentlich nehmen die Jungs was aus Bochum mit. Wäre gut. Scheint ein guter Geist in der Truppe zu sein. Cooles Gruppenfoto… 🙂

  4. Eintracht-Fan sagt:

    Wünsche „Gute Fahrt“ nach Bochum. Es wird dort nicht leicht werden. 110 % Leistung muß her, wenn es Punkte geben soll.Man darf Bochum nicht unterschätzen!!
    Das schönste an dem Bericht ist für mich das Bild mit dem Drescher.Die Mütze oder was immer der auf dem Kopf hat sieht prima aus!!

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