Eintracht Trier und das Moselstadion: Liebe mit Hindernissen

Teil 1: Zwischen Platzsorgen und nassen Füßen

Von Niklas Stilz

84 Jahre. So lange trägt Eintracht Trier jetzt seine Spiele im Moselstadion aus; seit Eröffnung der Anlage 1930 ist sie die Heimat des SVE. Trotz zahlreicher Modernisierungsmaßnahmen in den vergangenen Jahren weist das Gelände aber nach wie vor zahlreiche Mängel auf. Wie der aktuelle Stand ist, was die Vergangenheit gebracht hat und wie die Zukunft aussehen könnte, werden wir in den kommenden Wochen näher beleuchten. Im ersten Teil unserer Serie über das Moselstadion wirft 5vier.de für euch einen Blick auf die aktuellen Zustände vor Ort.

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Das Moselstadion – seit 84 Jahren die Heimat des SVE.

Der Rückrundenauftakt hätte so vielversprechend verlaufen sollen. Alles war angerichtet. Die Eintracht-Mannschaft hatte eine tolle Vorbereitung hinter sich, ist gezielt verstärkt worden und mit dem SVN Zweibrücken kam ein starker, keinesfalls aber ein unschlagbarer Gegner nach Trier. Dass es zum Schluss gegen den Aufsteiger nur zu einem Unentschieden reichte, hatte sicherlich auch mit ein bisschen Pech und einer noch nicht perfekten Leistung zu tun – in erster Linie war aber schnell eine andere Ursache für den durchschnittlichen Start ausgemacht: Der Rasen des heimischen Moselstadions.

Durch den warmen Winter hatte es eine Wurmplage gegeben, weshalb der Platz auf der Seite der Haupttribüne eher einem Acker glich, denn einem regionalligatauglichen Fußballrasen. Nach dem Spiel äußerte sich auch Eintracht-Coach Roland Seitz am 5vier-Mikrofon zu den Bedingungen: „Es war aufgrund der schlechten Platzverhältnisse hier heute schon sehr schwierig.“ Gerade für spielstarke Mannschaften wie die Eintracht ist ein sattes Grün nämlich Gold wert, wie Neuzugang Ken Asaeda erklärte: „Wenn der Platz nicht gut ist, dann kannst du das Spiel einfach nicht so aufziehen wie du es möchtest. Aber im Moment gibt es diese Problematik ja deutschlandweit.“

Schlechter Rasen, aber gute Trainingsbedingungen

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Von der Wurmplage gezeichnet – der Zustand des Rasens ist nach wie vor schlecht.

Für die Eintracht aber kann der schlechte Rasen im schlimmsten Fall das Zünglein an der Waage sein, wenn es am Ende um den Aufstieg geht. Vor dem Heimspiel am kommenden Freitag gegen den Tabellenletzten aus Pfullendorf hat sich die Situation zwar nicht wesentlich verbessert, eine Spielabsage ist aber zumindest derzeit kein Thema. „Der Platz wird von uns intensiv bearbeitet und ist in einem bespielbaren Zustand, deshalb gibt es auch keine Bedenken für das Spiel am Freitag“, gab Matthias Ulbrich vom Sportamt Trier Entwarnung und ergänzte: „Da hatten wir in der Vergangenheit schon ganz andere Verhältnisse.“ Da auch die Wettervorhersage aktuell mitspielt und kein Regen angesagt ist, kann sich das angeschlagene Grün wieder ein bisschen erholen.

Die Lage auf den Nebenplätzen des Moselstadions ist hingegen unkritisch. Der Kunstrasen hat seine besten Tage zwar wohl auch hinter sich, ist aber nach wie vor in einem gut bespielbaren Zustand und wird vorwiegend von den Jugendteams der Eintracht genutzt. „Die Trainingsbedingungen sind hier wirklich gut, die beiden Rasenplätze neben dem Stadion absolut in Ordnung“, äußerte sich Ken Asaeda positiv über das Sportgelände. Für Kushtrim Lushtaku, den anderen Winterneuzugang der Schwarz-Blau-Weißen, sind die aktuellen Probleme sogar ganz gewöhnlich: „Bei dem Wetter ist es normal, dass man Schwierigkeiten mit den Plätzen hat.“ Auch zum Trainingsgelände äußerte sich der 24-Jährige: „Eintracht Trier ist halt ein Traditionsverein. Bei Fortuna waren die Bedingungen ähnlich.“

Matschige Wege und Parkplätze

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Im Gästeblock gleicht der Boden auch am Tag nach dem letzten Regen noch immer einem Sumpf. Hinter der Ostkurve sieht es kaum besser aus.

Kann man beim schlechten Rasen noch Pech mit „Schädlingen“ und schlechte Wetterverhältnisse als Erklärung anführen, fallen diese Ausreden bei den anderen Baustellen des Stadions weg. Das Stadion bei Regen oder Schneefall zu füllen, ist wegen der größtenteils fehlenden Überdachung de facto wohl unmöglich. Des Weiteren verwandeln sich die unbefestigten Wege hinter West- und Ostkurve innerhalb kürzester Zeit in sumpfähnliches Terrain. Zuschauerfreundlich ist anders. Dabei ist die Befestigung der Areale hinter den Kurven eigentlich längst abgesegnet und Teil der von der Stadt bewilligten Renovierungsmaßnahmen. Aktuell scheint aber aufgrund der angespannten Finanzlage der Stadt fraglich, ob kurzfristig eine Lösung für das Problem gefunden werden kann.

Auch die Parkplatzsituation gestaltet sich bei Niederschlägen schwierig. Der hinter der Gegengerade als Parkfläche genutzte Hartplatz steht bei Regen nämlich ebenfalls komplett unter Wasser und lässt keinen Besucher trockenen Fußes das Stadion erreichen. Asphaltiertes Gelände um das Auto abzustellen fehlt gänzlich. Für den leidgeprüften Fan mögen diese Zustände tragbar sein – zahlungskräftiges VIP-Publikum bekommt man so nicht zu den Partien der Eintracht gelockt.

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Parkplatz? Da sind nasse Füße vorprogrammiert.

Womit bereits eine weitere Baustelle ausgemacht wäre: Der Zustand des VIP-Zeltes ist bestenfalls durchschnittlich, die Wege zur Tribüne lang.  Möchte man, gerade in Anbetracht der Aufstiegsambitionen, auf Dauer mal mit der dritten Liga planen, müssen mittelfristig Lösungen gefunden werden, die möglicherweise auch einen festen VIP-Bereich hinter der Haupttribüne beinhalten könnten.

Zwischen Tradition und Verfall

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Zwischen Tradition und Verfall: Die Stufen des Moselstadions sind von den Jahren gezeichnet.

Was bleibt also als Eindruck? Ist der Zustand des Moselstadions kritisch? Nein. Bedenklich? Ja. Wer Lust hat auf „ehrlichen“ Fußball, auf Tradition, wer es liebt den Dreck und die Spuren zahlreicher großer Spiele in den Ritzen der bröckelnden Tribünen zu spüren und den Geruch von Schweiß und Bratwurst zu riechen, der liebt das Moselstadion trotz seiner zahlreichen Mängel. Und doch sind die Bedingungen für einen potentiellen Drittligisten nicht einfach. Was die Verantwortlichen der Eintracht aus ihren Möglichkeiten machen, ist in jeder Hinsicht bewundernswert. Es ist an der Stadt dem Verein jetzt professionellere Möglichkeiten zur Verfügung zu stellen und somit eines der sportlichen Aushängeschilder der Region langfristig auf ein gesundes Fundament zu setzen. Ob man bei der Stadt einem solchen Plädoyer Gehör schenken würde? Sollte der Aufstieg in diesem Jahr trotz des missglückten Rückrundenstarts tatsächlich gelingen, wäre die Politik wohl beinahe gezwungen, sich näher mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Ob es jedoch dazu kommt hängt natürlich auch am sportlichen Fortschritt des SVE in den kommenden Monaten. Bis dahin müssen Verein und Fans es wohl mit Neuzugang Ken Asaeda halten, der ,angesprochen auf die schlechte Platzsituation, feststellte: „Es gibt halt Dinge, die kann man nicht ändern.“

Im zweiten Teil unserer Serie über das Moselstadion wird 5vier für euch einen Blick auf die durchgeführten Renovierungsarbeiten werfen und beurteilen, ob möglicherweise falsche Prioritäten gesetzt worden sind…

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