Eintracht Trier: „Geschichte geschrieben“ – 3:2-Sieg in Lotte

Das war eine Ansage, als sie kommen musste: Mit 3:2 siegte Trier in Lotte, bescherte dem Tabellenführer die erste Niederlage und rückt bis auf drei Punkte an den Rivalen im Titelkampf ran. „Das tut einfach gut“, freute sich Trainer Roland Seitz. 

Es liefen die letzten Sekunden im Spitzenspiel, die aus einem seelenruhigen Roland Seitz urplötzlich einen zitternden Roland Seitz machten. 3:2 führte Eintracht Trier auf der Zielgeraden im Regionalliga-Gipfeltreffen bei den so rustikalen Sportfreunden Lotte, die noch einmal alles nach vorne warfen, ihre langen und aufgerückten Hünen aus der Abwehr beim verzweifelten Drängen auf den Ausgleich mit hohen Bällen bedienten. Andre Poggenborg musste sich noch mehrfach bewähren, ehe der erlösende Schlusspfiff erklang, der für die Trierer um 15.51 Uhr wie ein tonnenschwerer Felsbrocken war, der ihnen von den Herzen fiel.

Es war der Abpfiff zum so wichtigen Sieg, durch den die Eintracht in der Tabelle bis auf drei Punkte zu Lotte verkürzte. Es war der Abpfiff für den furiosen Lauf der Sportfreunde Lotte, die in dieser Saison in der Liga noch nie das Gefühl einer Niederlage erlebten und echte Überflieger waren. Es war zugleich der Abpfiff für die schwarze Serie der Mannschaft von der Mosel, die gegen den 4.000-Einwohner-Ort noch nie in ihrer Vereinshistorie gewinnen konnte. So saß Roland Seitz sichtlich stolz auf seinem Platz. Im April 2010 gab er am Autobahnkreuz seinen Einstand nach der Rückkehr zur Eintracht, 0:1 verlor Trier damals. „Ich habe schon so oft mit einem schlechten Gefühl hier gesessen“, sagte er . Der Oberpfälzer gewann dem Sieg ein besonderes Gefühl ab.  „Lotte hat saisonübergreifend 25 Spiele am Stück nicht verloren. Da tut es gut, die Mannschaft zu sein, die diesen Lauf beendet“, fand er und legte nach. „Ja“, fand der Trainer, „die Jungs haben hier schon eine kleine Geschichte geschrieben“.

Ein jubelnder Ex-Spieler und Trikots für die Fans

Eine Geschichte, die Gefühle freisetzte. Alban Meha, der seine alten Mannschaftskollegen besuchte,  ballte hinter der Scheibe im VIP-Raum die Fäuste. Sein Weg führte unmittelbar nach dem Abpfiff über die Tribüne in die Kabine. „Ich habe mir einen Sieg so gewünscht“, lachte er. Die Spieler rannten schnell zu den Fans und verschenkten ihre Trikots. Vor einer Woche versprachen sie ihren Anhängern nach der Flucht in die Kabine einen Sieg in Lotte. Versprechen eingelöst.

Auch wenn das Spitzenspiel lange auf Messers Schneide stand, weil vor 1476 Zuschauern unterschiedliche Fußball-Systeme aufeinanderprallten, von denen jedes seine Stärken hatte, um dieses enge Duell zu gewinnen. Während Lotte mit seiner robusten Mannschaft ein „Kick-and-Rush“ spielte, wie Seitz süffisant anmerkte, wollte die Eintracht auf spielerische Weise im Titelkampf punkten. Die ersten Runden in diesem ungleichen Vergleich entschied aber Lotte für sich, das auf dem tiefen Boden die einfacheren Mittel fand. Wenn die Bälle lang in die Hälfte der Eintracht flogen, rückte die gesamte Mannschaft pfeilschnell nach, setzte Trier damit immer wieder unter Druck und provozierte Standardsituationen. Dort stand Trier zumeist sicher. Die Eintracht verbuchte hingegen schon früh ihre erste Chance, als Alon Abelski eine Hereingabe von Thomas Drescher kläglich vergab (2.). Es war für lange Zeit die einzige Möglichkeit der Trierer, die ihr gewünschtes Kombinationsspiel selten aufziehen konnten.

Schachzug mit Thomas Kraus im Angriff

Doch als Thomas Kraus eine Drescher-Flanke mit dem Kopf verwandelte (34.), spielte das keine Rolle mehr. Kraus war für Marc Gouiffe à Goufan in die Mannschaft gerückt und startete als zweite Spitze neben Ahmet Kulabas, der gegen die langen Innenverteidiger entlastet werden sollte. Kraus honorierte den Schachzug des Trainers mit dem 0:1.

Die Freude der Eintracht währte aber nicht lange. Ein Eigentor von Denny Herzig sorgte für den schnellen Ausgleich (37.), der Abwehrspieler wollte einen langen Ball klären, grätschte ihn aber unglücklich ins eigene Netz. Der Schock brachte die Eintracht aber nicht aus dem Konzept. Unmittelbar nach der Pause brachte das 1:2 von Kulabas wieder den Vorsprung. Der Angreifer verwandelte eine feine Vorlage von Fahrudin Kuduzovic (47.). Trier war nun selbstbewusst und zog sein Spiel auf – Lotte wirkte angeschlagen und nervös. Was fehlte, war die frühe Entscheidung. Abelski vergab frei vor dem Tor (55.). Kuduzovic umkurvte wenig später Lotte-Torwart André Maczkowiak, musste aber zusehen, wie Andre Wiwerink den Ball noch von der Linie kratzte (74.).

30-Meter-Freistoß von Drescher sorgt für die Entscheidung

Erst als der Schlussmann der Sportfreunde wegen eines Handspiels außerhalb des Strafraums die Rote Karte sah (78.) und dem eingewechselten Ersatzmann Stephan Tantow ein 30-Meter-Freistoß von Drescher durch die Hände rutschte (85.), war der Sieg zum Greifen nahe. Ehe Martin Hess mit seinem Anschlusstreffer für minutenlanges Zittern sorgte (89.). „Da gab es bestimmt 300 Standards gegen uns“, feixte Chhunly Pagenburg. „Es ist einfach ein gutes Gefühl, dass Lotte noch Spiele verlieren kann und wir jeden schlagen können“, freute sich Herzig, ehe er in die Kabine ging.

Doch feiern wollten die Eintracht-Spieler diesen Tag nicht zu ausgiebig. „Was gibt es denn zu feiern?“, fragte Drescher. „Wir mussten hier gewinnen, um der Musik nicht hinterher zu laufen. Jetzt müssen wir in Wiedenbrück wieder nachlegen.“ Auch Thomas Kraus verlangt mehr vor den Weihnachtsferien. „Legen wir am Mittwoch nicht nach, war das hier für  den Arsch.“

Statistik

Sportfreunde Lotte – Eintracht Trier 2:3 (1:1)

Lotte: Maczkowiak – Grieneisen, Czyszczon, Wiwerink, Hohnstedt (62. Engelmann) – Gorschlüter, Zinke (76. Rüter) – Liesenfeld, Schlösser (80. Tantow), Lorenz – Hess.

Trier: Poggenburg – Cozza, Stang, Herzig, Drescher – Karikari – Kuduzovic, Abelski (87. Hollmann), Pagenburg (81. Zittlau) – Kulabas (90. + 1 Pollok).

Schiedsrichter: Michael Weiner (Giesen)

Tore: 0:1 Kraus (34.), 1:1 Herzig (37., Eigentor), 1:2 Kulabas (47.), 1:3 Drescher (85.), 2:3 Hess (89.)

Rote Karte: Maczkowiak (78., Handspiel außerhalb des Strafraums)

Zuschauer: 1467.

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Kommentare (2)

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  1. Sievo sagt:

    Eintracht-Fan,
    ich bin auch von der Taktik des Trainers mit zwei Stürmern begeistert. Ich bin optimistisch, dass Kulabas und Kraus weiterhin treffen, wenn sie nebeneinander im Sturm spielen. Der Kraus war ja bisher immer im rechten Mittelfeld aufgestellt, aber da vorne drin ist der immer für ein Tor gut.

  2. Eintracht-Fan sagt:

    Super Sache dieser Sieg!! Aber jetzt muß am Mittwoch nachgelegt werden. Das wird verdammt schwer. Bitte wieder mit 2 Stürmern spielen!!! Meha hat ja als Zuschauer Glück gebracht. Er sollte dann Mittwoch nochmal vorbeikommen.Wiedenbrück ist ja von Paderborn nicht weit entfernt. (Lotte ist weiter entfernt)Freue mich besonders für Kraus, daß der mal zugeschlagen hat. Vielleicht ist bei dem jetzt der Schalter fürs Toreschießen umgelegt worden.

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