Für Sie: Triers Frauen – Petra Moske über ihren Verein „Nestwärme e.V.“

In unserer neuen Reihe „Triers Frauen“ stellen wir Frauen aus Trier vor, die etwas Besonderes geleistet haben. Die Erste in unserer Reihe ist „Nestwärme“-Gründerin Petra Moske, die mit ihrem Verein Familien mit kranken Kindern hilft.. 

Auf unsere Frage ob wir einen Artikel über sie schreiben dürften, wirkt sie etwas irritiert. „Nur über mich“, fragt sie, „aber ich stehe doch nur stellvertretend für so viele mitengagierte Menschen“. Petra Moske ist Gründerin des Vereins Nestwärme, einer ehrenamtlichen Organisation, die Familien mit chronisch und schwer kranken, behinderten und sterbenden Kindern unter die Arme greift.

5vier.de möchte in dieser Reihe erfolgreiche Frauen aus Trier vorstellen. Frauen, die was geleistet haben, die was auf die Beine gestellt haben, erklären wir. Wieder wirkt sie verwundert, was bedeute denn Erfolg? Bedeutet Erfolg, dass immer alles am Schnürchen klappt? Oder, dass man Niederlagen wegsteckt und daraus lernt, dass eben mal nicht alles klappt? „Wenn es darum geht beim Erfolg, dann sind wir sehr erfolgreich. Denn Nestwärme steht ja dafür, dass auch mal etwas nicht klappt, dass mal nicht alles am Schnürchen läuft. Und man trotzdem nicht aufgeben muss!“

Petra Moske

1999: Gründungsjahr des Nestwärme e.V.

Die gebürtige Saarländerin lebt schon ein Viertel ihres Lebens in Trier, machte hier ihre Ausbildung zur Kauffrau, ging hier zur Berufsfachschule und arbeitete zusammen mit ihrer damaligen und jetzigen Kollegin Elisabeth Schuh bei einer Hilfsorganisation. 1995 bekam sie ihre Tochter, 1999 fing sie ihr Studium der Betriebswirtschaftslehre an, auch in Trier. 1999 war auch das Jahr indem sie zusammen mit Frau Schuh den Verein Nestwärme gründete. Eigentlich für ihren damaligen Arbeitgeber, für den sie eine ambulante Kinderkrankenpflege aufbaute, Nestwärme e.V. sollte dieser Kinderkrankenpflege unterstützend zur Seite stehen. Doch sie merkten schnell, dass das noch lange nicht ausreichte.

„Das Problem, welches wir in Angriff nehmen wollten, war ja nicht nur lokal auf Trier beschränkt. Bundesweit gibt es Familien, die Unterstützung brauchen.“ 2003 folgte die Selbstständigkeit. „Wir standen damals vor der Entscheidung ob wir den Sprung ins kalte Wasser wagen oder ob wir Nestwärme weiter neben unseren eigentlichen Arbeitsplätzen nebenher laufen lassen.“ Den Sprung haben sie gewagt und sind bis heute nicht ertrunken, obwohl es immer wieder eine stramme Schwimmpartie ist, die sie zurücklegen müssen.

Eine Partie, die sie in dem bundesweiten Ausmaß, dass Nestwärme erreicht hat, nie geschafft hätten, wenn sie nicht „mit all ihrer Professionalität, Kraft, ihrem Know-How und ihrer Leidenschaft“ an das Projekt herangegangen wären. „Der Sprung in die Selbstständigkeit war, wie alles was wir hier getan haben, freiwillig. Aber Nestwärme wäre niemals über Trier hinaus gekommen und hätte nicht so viele Menschen ‚infiziert‘, wenn wir damit nicht selbstständig geworden wären.“

Nestwärmefieber

Das Infizieren mit dem Nestwärmefieber ist für sie immer wieder eines der schönsten Erlebnisse in ihrem Beruf. „Es ist immer wieder toll zu sehen, zu hören und zu spüren, wie viele Menschen von Nestwärme begeistert sind und ihren eigenen Beitrag leisten wollen. Wenn Menschen zu mir kommen und sich dafür bedanken dass sie helfen durften, ist das jedes Mal wieder überwältigend und berührend.“

Obwohl sie selbst den Menschen jedes Mal am liebsten um den Hals fallen würde, wenn sie Hilfe für ihr Projekt bekommt, denn das ist einer der Hauptaspekte von Nestwärme: Hilfe geben, aber auch Hilfe annehmen können. Etwas an dem viele Helfer selbst zu knabbern haben. „Etwas was wir von Anfang an, auch bei motivierten Helfern klarstellen müssen, ist dass Hilfe annehmen zu können und sich öffnen zu können, eine Grundvorraussetzung für die Arbeit bei Nestwärme ist.“ Denn auch für jeden noch so gefestigten Helfer wird der Zeitpunkt kommen, an dem er mit immenser Nähe konfrontiert wird. Wer bis dahin eine Maske trug, wird sie abnehmen müssen odersich zum gehen entscheiden.

„Es kam schon oft vor, dass es Leuten zu intensiv wurde, vor allem Menschen, die ein anderes Bild von sich vermitteln wollten, als sie in Wahrheit waren. Diese Menschen gehen dann sobald sie mit zuviel Nähe konfrontiert werden.“ Nachtragend ist dabei niemand. „Wir brauchen ja nicht die hilflosen Helfer, die sich über die Arbeit aufreiben, bis sie selbst starke Hilfe brauchen. Sondern wir setzen auf Leute, die sich so gut kennen, dass sie selbst die Reißleine ziehen und um Hilfe bitten, bevor irgendwann gar nichts mehr geht.“

Hilfe annehmen zu können ist wichtig

Doch Hilfe annehmen zu können ist auch für die Familien wichtig. „Familien, die sich am Rand ihrer Kräfte befinden, trauen sich meist nicht es zu zugeben, denn sie fühlen sich von der Gesellschaft unter Druck gesetzt. Aber in einer Familie muss es auch nicht immer gut laufen und es müssen sich auch nicht immer alle lieb haben, gerade hier ist Hilfe anzunehmen ein wichtiger Schritt eben bevor es zu spät ist.“

Nestwärme e.V. will gerade hier entgegenwirken. „Ein Ziel wäre es, dass Familien mit kranken oder behinderten Kindern von der ersten Stunde an zu uns kommen, bevor sie überhaupt die Grenze erreichen. Wir helfen eben auch tatkräftig bei z. B. Krankenkassen und ähnlichem, damit Familien sich auch in solchen Fragen nicht alleine fühlen.“ Aber der erste Schritt ist das Eingestehen, dass man Hilfe braucht – dass muss auch Frau Moske jeden Tag.

Denn Nestwärme zeichnet sich auch dadurch aus, dass es ein kostenloser Service für die Familien ist. Das heißt im Klartext, dass sich der Verein über Spenden finanzieren muss, doch gerade hier muss Moske immer wieder dieselben Fragen beantworten. „Die meisten verstehen nicht, dass auch ein wohltätiger Verein Geld braucht. Eben damit die Familien und die vielen freiwilligen Mitarbeiter reibungslose Hilfe bekommen können, brauchen wir festangestellte Menschen im Hintergrund, zudem Firmenwagen und Büroräume. Das alles kostet uns Geld.“ Wenn das Geld mal wegbleibt gibt es nur eine Möglichkeit. „Dann ist es eben vorbei. Ohne Spenden gibt es uns einfach nicht mehr.“

5vier.de drückt Petra Moske, allen Familien und Mitarbeitern die Daumen, dass der Verein noch lange bestehen kann und wünscht allen eine schöne Weihnachtszeit. 

Zur Nestwärme-Homepage gehts hier.

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