Von Streich gelernt, in Morbachs Sturm zu Hause

Wenn’s läuft, dann läuft’s: Jan Brandscheid (21) hat die erfolgreichen letzten Wochen des SV Morbach in der Rheinlandliga entscheidend mitgeprägt. Mit sechs Toren aus nur drei Spielen verzeichnet er maßgeblichen Anteil am starken Zwischenspurt der Hunsrücker (13 Zähler in fünf Partien). Im Gespräch mit 5vier erklärt er die Gründe für das Leistungshoch, erzählt von seiner Zeit bei der Trierer Eintracht sowie im Fußballinternat des SC Freiburg und spricht über Ziele für die Zukunft, die sportlich nun erst einmal beim SVM liegen soll.

Jan Brandscheid nach seinem Freistoß-Knaller zum 2:1 gegen Mühlheim-Kärlich. Foto: Jürgen Erz/SV Morbach

Jan Brandscheid denkt logisch: Ein Treffer beim 7:0-Kantersieg in Linz, im nächsten Spiel zwei Tore zum 4:0-Erfolg bei Rot-Weiß Koblenz – was kann da nur folgen? Richtig: Ein Hattrick am vergangenen Wochenende im Heimspiel gegen die SG Mühlheim-Kärlich (5:2). Der Grund für diese Leistungsexplosion scheint ganz banal: „Zuvor wurde ich meistens im Mittelfeld eingesetzt. Seit fünf, sechs Spielen stellt mich der Trainer nun als eine von zwei Spitzen auf. Die Position ganz vorne liegt mir einfach besser“, erklärt der 21-Jährige.

Zum Stürmer wurde er in der Jugend eben auch ausgebildet. Und zwar mit hoher Qualität. Als C-Jugendlicher wechselte der Reinsfelder Anfang 2006 von seinem Heimatverein zu Eintracht Trier und wurde dort im ersten Halbjahr auch schon ab und an in der U17-Regionalligamannschaft ins kalte Wasser geworfen.

Mehr als 30 Saisontore – Wechsel nach Freiburg

Zweieinhalb Jahre blieb er beim SVE, wo er in seinem zweiten B-Jugendjahr eine Knaller-Saison spielte: Über 30 Tore steuerte Brandscheid zum zweiten Platz seines Teams in der Regionalliga bei. „Da kam das Interesse größerer Vereine fast von alleine und ich wurde vom SC Freiburg und von 1860 München zum Probetraining eingeladen.“ Im Breisgau gefiel es ihm besser, daher entschied er sich im Sommer 2008 zum Wechsel auf das dortige Fußballinternat. „Das war gerade für mich als Familienmensch schon eine Umstellung, plötzlich weit weg von der Heimat zu sein, ohne anfangs irgendjemanden zu kennen“, blickt er zurück.

Die Eingewöhnungsschwierigkeiten waren jedoch rasch ad acta gelegt. „Wir waren dort insgesamt 16 Jungs und dem Rest ging es ja auch nicht anders als mir. Von daher saßen wir alle im gleichen Boot und man hat relativ schnell seine Freunde gefunden.“ Das Zimmer teilte er sich dabei mit Immanuel Höhn, der inzwischen einige Bundesligaeinsätze für den Sportclub aufweisen kann.

„Unter Christian Streich habe ich fußballerisch sehr viel dazu gelernt“

Er besuchte eine Gewerbeschule und spielte als Akteur des jüngeren Jahrgangs bei der U18 in der Oberliga Baden-Württemberg (zweithöchste Spielklasse). Zu einem Einsatz bei der U19 in der A-Junioren-Bundesliga kam er nicht. „Wir haben aber immer gemeinsam mit dem älteren Jahrgang trainiert“, erzählt er. In den Einheiten wurde Jan so an der Seite von mittlerweile etablierten SC-Profis wie Oliver Baumann, Oliver Sorg oder Jonathan Schmid und unter dem heutigen Trainer der ersten Mannschaft, Christian Streich, ausgebildet. „Die Trainingsinhalte waren richtig gut. Fußballerisch habe ich mich dadurch enorm weiterentwickelt und nie so viel gelernt wie in dem einen Jahr bei ihm.“

Reinhold Breu holt ihn ins SVE-Regionalligateam

SVE-Zeit: Brandscheid (r.) während eines Oberliga-Spiels mit der U23 der Eintracht gegen Pirmasens. Foto: Andreas Maldener

Nach zwölf Monaten folgte die Rückkehr nach Trier. Hier hatte Brandscheid nun in Reinhold Breu einen großen Förderer. „Er hat sehr viel von mir gehalten und mich auch hoch zur ersten Mannschaft gezogen, als er dort nach der Entlassung von Mario Basler kurzfristig den Trainerposten übernahm.“ In dieser Zeit (Februar bis April 2010) trainierte der Vollblutstürmer fast ausschließlich im Regionalliga-Team und verbuchte auch einen Kurzeinsatz gegen den Bonner SC. Ansonsten spielte er bis Mitte 2011 für die U23 der Eintracht in Rheinland- und Oberliga, woraufhin ein halbjähriges Intermezzo beim FK Pirmasens folgte, nachdem der Weg ins erste SVE-Glied unter Roland Seitz verbaut schien.

„In Pirmasens lief es anfangs noch ganz ordentlich und ich kam auf meine Einsätze. Nach einigen schwächeren Wochen folgten allerdings immer häufiger Versetzungen in die zweite Mannschaft.“

„Meine Berufsausbildung steht momentan an erster Stelle“

Das Kapitel FKP währte also nicht lange. Seit knapp anderthalb Jahren ist er nun beim SV Morbach und der Fokus liegt vorerst auf einer ordentlichen Berufsausbildung, die er zurzeit als Industriekaufmann-Azubi bei der Pax AG in Hermeskeil, nahe seines Wohnorts Reinsfeld, absolviert. Daher müssen sportliche Ambitionen zunächst einmal hintanstehen: „Bevor ich meine Ausbildung nicht abgeschlossen habe, mache ich mir keine Gedanken darüber, vielleicht noch einmal ein, zwei Klassen höher zu spielen“, erklärt Brandscheid und ergänzt: „Ich kann ja nicht ewig versuchen, im Fußball weiterzukommen, ohne aber beruflich etwas Handfestes in der Tasche zu haben.“

Und auch das 4:2 am vergangenen Sonntag erzielte „Brandy“. Hier freut er sich gemeinsam mit Florian Galle. Foto: Jürgen Erz/SV Morbach.

Der SV Morbach kann sich seiner Dienste also erst einmal sicher sein. Ziel ist in dieser Saison, zunächst möglichst zeitnah den Klassenerhalt perfekt zu machen, bevor es in der nächsten Spielzeit weiter nach vorne gehen soll. „Dieses Jahr mussten wir viele neue Spieler integrieren. Nächste Saison werden wir eingespielt sein und in Rainer Nalbach einen guten Trainer haben, der den Großteil der Mannschaft bereits kennt. Ich denke, so können wir uns sicher etwas stärker nach oben orientieren.“

Um die Basis für kommende Ziele zu legen, können Brandscheid und seine Morbacher heute Abend im Nachholspiel gegen die TuS Mayen (20 Uhr, Kunstrasenplatz Morbach) einen weiteren Schritt Richtung Klassenverbleib machen. Und vielleicht kann „Brandy“ seine kleine Zahlenreihe dann ja fortsetzen. Auch wenn vier Tore in einem Spiel sicher ein schwieriges Unterfangen sind.

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