Heftiger Preußen-Sturm weht Trier davon – Stimmen – Noten – Foto-Galerie

Aus Münster berichten
Florian Schlecht

Es ist ungewöhnlich, wenn die Fußballberichterstattung im August von Experten aus der Meteorologie geprägt wird. Doch nach Regengüssen von fast 80 Litern pro Quadratmeter ging es im Vorfeld des Auftritts von Eintracht Trier bei Preußen Münster eher um das Tief „Cathleen“ als um den sportlichen Auftritt. Letztlich waren die Kapriolen aber halb so wild, der Platz im Preußenstadion war tief, aber bespielbar. Trotzdem tobte über die Eintracht bei der 1:3-Niederlage in Münster ein gewaltiger Sturm hinweg, der für Wut und Enttäuschung bei Trainer Roland Seitz sorgte.

Foto: Der Altmeister konnte sich über sein erstes Saisontor nur wenig freuen. „Wir haben die guten Vorsätze schon früh über den Haufen geworfen“, sagte Nico Patschinski nach der Partie.

Nach starken Vorstellungen in der Regionalliga als gefeierte Derbykönige bei Kaiserslautern II, als tragisch-leidenschaftlicher Verlierer gegen den Wuppertaler SV und einem bärenstarken Auftritt gegen den 1.FC Nürnberg sind die Moselstädter vorerst wieder auf dem harten Boden der Realität gelandet. Biss, Zweikampfstärke, kompaktes Auftreten – im verregneten Westfalen fehlte fast alles, was Seitz von seiner Mannschaft verlangt, worauf er nach einer laschen Trainingswoche beim Abendessen im Hotel noch hingewiesen hatte. „So stelle ich mir das nicht vor, das war von vielen Spielern eine schwache Leistung, ohne die nötige Grundeinstellung“, schimpfte der Coach. „Dabei habe ich eindringlich die Fehler benannt, die ich bei den Einheiten gesehen habe. Letztlich hat das aber nichts genützt. Da bist du als Trainer einfach machtlos.“

Bereits nach vier Minuten bahnte sich an, dass die Anfahrt von 321 Kilometern für die Eintracht umsonst gewesen sein sollte. Wie im Vorjahr kassierte sie schnelle Nackenschläge, die für die frühe Entscheidung sorgten. Und erneut war es Mehmet Kara, der begnadete Techniker der Preußen, der gegen Trier einen Sahne-Tag erwischte, das wehrlose Mittelfeld und die neuformierte Abwehr um Michael Dingels als Ersatz für Torge Hollmann sowie Debütant Cataldo Cozza, der noch keine Bindung zum Spiel hatte, mehrfach schwindlig spielte.

Zunächst verschätzte Cozza einen weiten Ball von Jonathan Bourgault über das halbe Feld auf Kara, der Regisseur zog von dannen, holte engagiert eine Ecke heraus, die er selber krönen sollte. Kurz ausgeführt, Kara flankte in die Mitte, wo Clement Halet wie ein Olympiateilnehmer zum Leder sprang und zum 1:0 traf (2.) Die Verunsicherung der Preußen über die 0:1-Pleite der Vorwoche gegen Fortuna Düsseldorf II war auf einen Schlag verflogen, das Stadion tobte. Während die Heimelf weiter munter nach vorne spielte, fehlte bei der Eintracht die Präsenz in den Zweikämpfen, die Viererkette ließ sich zu leicht aushebeln, der Verlust von Hollmann als Führungsspieler und tragende Säule machte sich mehr als bemerkbar.

Zudem war Michael Dingels mit einem Teilabriss im Innenband in das Spiel gegangen. Der Verteidiger wurde fit gespritzt, hielt über eine Stunde durch, soll in der kommenden Woche wieder im Kader stehen. Viel schmerzhafter war für den „Bären aus Bitburg“ jedoch der bittere Auftakt in Münster. Zwei Minuten nach der Führung trabte Stefan Kühne ungestört durch das Mittelfeld, bediente den routinierten Babacar N’Diaye, der völlig frei vor Andreas Lengsfeld das 2:0 erzielte (4.). Der Stürmer war außer Rand und Band, wedelte mit der Eckfahne vor der Tribüne, Roland Seitz gestikulierte wütend, der Trainer war bedient. Wo Preußen-Coach Marc Fascher von einem „fulminanten Auftakt“ schwärmte, kritisierte Seitz „einen Fehlstart, nach dem wir schon fast nicht mehr weiterspielen mussten“.

Das tat die Mannschaft aber dennoch, sie kämpfte sich zurück, erneut über den Zauberfuß von Alban Meha. Der Mittelfeldmotor bediente Nico Patschinski per Flanke, der Stürmer bedankte sich mit seinem ersten Saisontor (14.), das für eine Rückkehr aus der Lethargie sorgte. Doch immer wenn die Preußen wieder Tempo aufnahmen, den Ball über Mehmet Kara energisch nach vorne trieben, hatte die Eintracht enorme Probleme. Roland Seitz reagierte prompt, brachte Max Bachl-Staudinger für den enttäuschenden Piero Saccone als zweiten Abräumer. „Ich hätte einige auswechseln können, wollte im Mittelfeld aber für mehr Aggressivität und Balleroberungen sorgen, geschlossener im Gesamtverbund stehen.“ Die Taktik ging auf, die Eintracht trat nun souveräner auf. Gleichzeitig hatte sie Glück, dass Daniel Chitsulo nicht mit dem Pausenpfiff zum 3:1 traf, als er Lengsfeld schon umspielt hatte, den Ball aber am leeren Tor vorbeischob (45.).

Das holten die Preußen aber mit einem kontrollierten Auftritt im zweiten Durchgang nach, in dem Trier kaum mehr Druck aufbauen konnte, zu harmlos agierte. „Wir haben aufgehört, Fußball zu spielen“, bemängelte Josef Cinar. Andreas Lengsfeld verhinderte direkt nach der Pause den dritten Streich, als er eine Abnahme von Massimo Ornatelli bravourös parierte (51.), wenig später war er gegen den frei postierten Italiener aber chancenlos (62.). Es war der Knockout. Zwar versuchte Seitz mit der Einwechslung von Olivier Mvondo mehr Druck zu entfachen, aber vergeblich. „Es wäre auch nicht mehr verdient gewesen, hier einen Punkt mitzunehmen“, gestand der Trainer ehrlich. „Es hat uns einfach an Aggressivität gefehlt, dafür sind wir bestraft worden.“

Unmittelbar nach dem Abpfiff kündigte Seitz an, die Niederlage schnell aufarbeiten zu wollen. Am Samstag läuft die Mannschaft um 10.30 Uhr aus, zu Beginn der kommenden Woche wird es dann an die Analyse gehen, um schnell wieder an die starken Leistungen der ersten Spiele anzuknüpfen. Der Trainer hofft, dass sich seine Mannschaft von Preußen Münster dabei etwas abguckt. „Hier hat es die Woche nach der Heimniederlage ordentlich gerappelt. Aber so eine starke Trotzreaktion wünsche ich mir von uns auch gegen Düsseldorf II.“

STIMMEN:

Josef Cinar: „Wir haben die erste halbe Stunde komplett verschlafen, Preußen hat da den Grundstein für den Sieg gelegt. Wir waren zu ängstlich, haben zu wenige Zweikämpfe gesucht, insgesamt zu schwach verteidigt, um noch einen Punkt mit nach Trier zu nehmen. Der Wille war aber trotzdem bei jedem da. Jetzt geht es darum, schnell aus den Fehlern zu lernen.“

Nico Patschinski: „Über mein erstes Tor kann ich mich nicht wirklich freuen, wenn man mit leeren Händen nach Hause fährt. Wir wollten lange das 0:0 halten, damit die Preußen und ihre Fans ungeduldig werden. Leider haben wir die guten Vorsätze schon nach vier Minuten über den Haufen geworfen. Keiner hatte heute Normalform, an den Fehlern müssen wir jetzt intensiv arbeiten. Wir dürfen aber nicht den Kopf in den Sand stecken.“

Michael Dingels: „Wir haben ohne Kampf und Leidenschaft gespielt, so gewinnt man einfach kein Spiel. Ich musste mit einem Teilabriss des Innenbandes raus, gegen Düsseldorf dürfte ich aber wieder einsatzbereit sein.“

Tolgay Asma: „Die Einstellung stimmte leider nicht. Nach dem 2:0 war die Moral kaputt, dann haben wir uns zurückgekämpft. Leider haben wir in der zweiten Halbzeit aufgehört, Fußball zu spielen.“

DIE KICKER-STATISTIK

Einzelkritik – Noten wie in der Schule:

Lengsfeld – Note 2; Cozza – Note 4; Dingels – Note 4 (ab 63. Mvondo – Note 3); Cinar – Note 3; Drescher – Note 3; Saccone – Note 4 (ab 25. Bachl-Staudinger – Note 3); Kohler – Note 3; Asma – Note 4; Meha – Note 3; Patschinski – Note 3 (ab 74. Eckstein – ohne Note); Kraus – Note 4

Kommentare (0)

Trackback URL | RSS

Antworten

Wir freuen uns über Kommentare und möchten allen Lesern die Möglichkeit geben, kritisch zu den Themen und Artikeln Stellung zu beziehen und ihre Meinung kundzutun. Wir behalten uns das Recht vor, jeden Kommentar vor Veröffentlichung redaktionell zu überprüfen und nur Kommentare freizuschalten, die sich sachlich mit dem Thema des Beitrags beschäftigen.
Spielregeln