Ich diene Deutschland – Vanessa Daun im Gespräch über ihr neues Projekt

Premiere im Theater Trier am 12. November

Letzte Spielzeit nahm sie ihren Hut und machte sich von Trier aus auf zu neuen Gefilden: Schauspielerin Vanessa Daun. Nach ein paar Monaten kommt sie nun aus Mainz zurück nach Trier, um hier die Premiere ihres neuesten Projektes zu feiern . „ICH DIENE DEUTSCHLAND“ ist Dokumentartheater. Oder, in ganz genau: eine intermediale, interreferenzielle, interartifizielle Performance zum Thema Bundeswehr und Liebe. 5vier.de traf sie zu einem Gespräch.

Wer sich entscheidet Soldat zu werden, entscheidet sich auch für ein Leben im Gehorsam, ein Leben auf Abruf, entscheidet sich auch dafür, im Kriegsfall das eigene Leben zu riskieren. Keine leichte Entscheidung. Besonders für die Familien von Soldaten. Wer sich also entscheidet die Frau oder Freundin eines Soldaten zu werden, muss auch mit den Entscheidungen des Mannes leben können. Wie gestaltet sich das Leben von Soldatenfrauen, wenn ihre Männer im Einsatz sind? Wie geht man mit der ständigen Angst um, dass der Partner nicht wieder kommen könnte? Und wie geht man damit um, wenn der Mann nach Monaten des Auslandseinsatzes nach Hause zurückkehrt? Wie ist es eine Soldatenfrau zu sein? Wer sind diese Frauen?

Intermedial und Interartifiziell

Diesen und anderen Fragen versuchen Schauspielerin Vanessa Daun und Regisseurin Britta Benedetti in ihrem Stück auf den Grund zu gehen. Sie befragten Soldatenfrauen und -freundinnen nach ihren Erfahrungen, ihrem Leben, ihrer Liebe zu ihren Männern. Zeichneten dies mit der Kamera auf und verarbeiten das zu einem intermedialen Bühnenstück. Zuerst zu sehen im Theater Trier, danach folgen bis zum Jahresende noch sechs weitere Auftritte, unter anderem in Köln. Am Dienstag, den 12. November nun aber erstmal die Premiere in Trier: „Es ist aufregend, weil sich nun alles im positiven Sinne zusammenzieht. Das wohin wir mit dem Stück wollten, wird nun konkret.“

Dabei ist es nicht so leicht zu fassen, was einen an diesem Theaterabend alles erwarten wird: „Es ist eine Mischung aus bildender Kunst und theatralen Momenten. Dokumentartheater mit Referenzen aus fast allen bildenden Künsten, medialer Kunst und Theater. Dabei entsteht eine ganz eigene Ästhetik, in der Britta Benedetti und ich uns schnell einig waren“, erklärt Daun. Sie selbst versteht sich in diesem Projekt auch nicht als Schauspielerin, sondern im wahrsten Sinne des Wortes als Theatermacherin. Die Bühne wird aus einem Stahlgerüst und Flexibändern bestehen, die Daun in ihr Spiel einbauen wird. Sie wird tanzen und singen, natürlich schauspielern und in den Dialog treten mit dem Publikum: „Das Publikum soll im Laufe des Abends vom Zuschauenden zum Mitdenkenden werden.“ Mitdenken und sich darauf einlassen. „Wir suchen nach Meinungen und Grenzen.“ Und so gab es natürlich auch Momente, in denen die Schauspielerin selber an ihre Meinungsgrenzen stieß: „Jetzt, zum Ende des Projekts, fragte mich ein Mann, ob er in seiner Uniform zur Vorstellung kommen dürfte. Normalerweise fragt mich ja niemand, wie er zu einer Vorstellung kommen darf.“ Sie persönlich fand’s „eine seltsame Frage“, die sie wiederum zum Nachdenken brachte. „Ich darf da wach bleiben, für meine eigenen Reaktionen. Diesen Anspruch habe ich an mich, diesen Anspruch habe ich an meine Arbeit“

Meinungen und Grenzen

Wie bei vielem gilt auch hier „Der Weg ist das Ziel.“ Besonders da Daun und Benedetti ihr Ziel schon auf halbem Weg teilweise erreicht zu haben scheinen: Man denkt und bildet sich eine Meinung, beleuchtet seine eigenen Gedanken schon bevor man überhaupt das Theater betreten hat. „Wir wollten eine spannende Sache daraus machen, das ist uns geglückt.“ freut sich Daun. Das „Spannungs- Feld“ in dem sich die beiden Theatermacherinnen bewegen, erkennt man schon an den beiden Hauptsponsoren: der deutsche Bundeswehr Verband und die Heinrich Böll Stiftung. “ Diese Beiden fassen den Spannungsbogen unseres Projekts perfekt zusammen.

Trotz aller Spannung ist ihr eines wichtig: „Wir sind besonders stolz darauf, dass trotz unserer kritischen Betrachtung, die Achtung vor dem Menschen dahinter nie zurücktrat. Wir haben diese Menschen nach bestem Wissen und Gewissen behandelt und trotzdem gezeigt, was wir gesehen haben.“

 Nächstes Jahr ist der erste Weltkrieg 100 Jahre her. Zu diesem Anlass haben Daun und Benedetti schon einige Anfragen für ihr Stück bekommen. Für die Premiere am Dienstag, den 12. November im Theater Trier wünscht 5vier.de den beiden Toi Toi Toi!

Stichworte:

Kommentare (0)

Trackback URL | RSS

Antworten

Wir freuen uns über Kommentare und möchten allen Lesern die Möglichkeit geben, kritisch zu den Themen und Artikeln Stellung zu beziehen und ihre Meinung kundzutun. Wir behalten uns das Recht vor, jeden Kommentar vor Veröffentlichung redaktionell zu überprüfen und nur Kommentare freizuschalten, die sich sachlich mit dem Thema des Beitrags beschäftigen.
Spielregeln