Eine bunte Reise in „Die fantastische Welt von Oz“

Viele Filmfans zählen „Der Zauberer von Oz“ mit Judy Garland in der Hauptrolle noch heute zu den besten Filmen aller Zeiten und tatsächlich hat er trotz seines hohen Alters kaum Patina angesetzt. Sam Raimi erzählt nun in „Die fantastische Welt von Oz“ die Vorgeschichte des Klassikers und bedient sich dabei modernster Filmtechnik. Andreas Gniffke hat sich den Film im Trierer CinemaxX angesehen.

Die Latte lag denkbar hoch für Sam Raimi. Der Regisseur, der vor allem mit Horrorschockern wie der „Tanz der Teufel“-Trilogie und den drei Spiderman-Verfilmungen bekannt geworden ist, inszeniert „Die fantastische Welt von Oz“ als knallbuntes Märchen mit eindrucksvoller 3D-Technologie, wobei die Tiefe und der Charme des Vorbilds nur selten erreicht werden kann.

Erzählt wird die Vorgeschichte des Zauberers von Oz, nämlich wie dieser überhaupt erst in das Land Oz gekommen ist. Oscar Diggs (James Franco, „127 Hours“) ist ein zweitklassiger Jahrmarktszauberer, dessen Magie hauptsächlich darin besteht, mit gewandten Worten und billigen Tricks die Herzen der Frauen zu brechen. Als er mit einem Ballon in einen Wirbelsturm gerät, wird er ins geheimnisvolle Land Oz katapultiert, wo ihm eine bezaubernde Hexe (Mila Kunis) klar macht, dass man ihn für einen Auserwählten hält, nämlich für den Zauberer, der das Land von der Knechtschaft der bösen Hexe befreien und den Königsthron übernehmen soll. Angesichts der in Aussicht stehenden Mengen an Gold bringt es Oscar nicht über sich, mit der Wahrheit herauszurücken und zu gestehen, dass er gar kein richtiger Zauberer ist. Er gerät zwischen die Ränke der drei Hexenschwestern (neben Mila Kunis noch Rachel Weisz und Michelle Williams) und macht sich mit einem geflügelten Affen in Pagenuniform und einem Porzellanmädchen auf, das Land zu befreien.

Die hochkarätige Darstellerriege und wundervolle Optik sorgt dafür, dass man die etwas flache Story leicht vergisst, in der es außer Schwarz und Weiß nur wenige Schattierungen zu geben scheint. Sam Raimi drehte Popcornkino im besseren Sinne, ohne auch nur annähernd den Charme des Vorgängers zu erreichen. Doch über welchen Vorgänger sprechen wir überhaupt? Zwar bedient er sich vorsichtig am reichen Fundes des Oz-Kosmos, doch erinnert „Die fantastische Welt von Oz“ an einigen Stellen eher an Raimis Genreklassiker „Armee der Finsternis“. Nicht umsonst hat der damalige Hauptdarsteller Bruce Campbell auch einen kurzen Cameoauftritt. Oscar schlägt wie schon Ash in „Armee der Finsternis“ die Mächte des Bösen mit den Mitteln mehr oder weniger moderner Wissenschaft, wobei ihm die etwas seltsamen aber begeisterungsfähigen Bewohner von Oz tatkräftig zur Seite stehen. James Franco hat als dauergrinsender Herzensbrecher nur wenig Gelegenheit, sein Talent aufblitzen zu lassen und auch die drei Frauen sind weniger geeignet, wirklich Tiefe zu erzeugen. Für den Humor ist vor allem Finley der Affenpage zuständig, wohingegen die zerbrechliche Porzellanpuppe für die sentimentalen Momente sorgt.

Für die nun wieder hereinbrechenden Spätwintertage bietet „Die fantastische Welt von Oz“ ein hervorragendes Kontrastprogramm. Der Film nimmt sich mit über zwei Stunden Laufzeit vielleicht etwas zu viel Zeit, doch er unterhält tatsächlich bestens, was vor allem an der großartigen Ausstattung und einigen eindrucksvollen Effekten liegt.

„Die fantastische Welt von Oz“ läuft im Trierer CinemaxX in 3D.

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