Kino: “Sucker Punch” – Mutige Mädchen mit Maschinengewehren

Regisseur Zack Snyder, bekannt für Action-Streifen wie „300“ und „Watchmen“, zeigte sich zuletzt mit dem Kinderfilm „Die Legende der Wächter“ von seiner zahmeren Seite. Mit seinem neusten Film „Sucker Punch“ kehrt er zum effektgeladenen Actionkino zurück. 5vier-Redakteurin und Film-Expertin Silke Meyer hat sich den Fantasy-Streifen angeschaut.

Babydoll hat kein leichtes Leben. Nach dem Tod ihrer Mutter sind die blonde Schönheit und ihre jüngere Schwester ihrem bösen Stiefvater ausgeliefert. Der will das Geld der Verstorbenen, das diese jedoch ihren beiden Töchtern vererbt hat. Kurzum tötet er die jüngere und schickt Babydoll in eine Nervenheilanstalt. Damit sie ihn nicht mehr in Schwierigkeiten bringen kann, vereinbart er mit dem schmierigen Leiter der Einrichtung, dass an Babydoll eine Lobotomie durchgeführt werden soll. Diese Behandlung wird sie willenlos machen und sie alles vergessen lassen.

Ein Wettlauf gegen die Zeit

Fünf Tage hat Babydoll Zeit, um zu fliehen. Fünf Tage, in denen sich Fantasie und Wirklichkeit vermischen. Der Zuschauer folgt Babydoll in ihre Fantasiewelt, in der sie wiederum nur fünf Tage hat um einem Bordell zu entfliehen. Schafft sie es nicht, verliert sie ihre Unschuld. Hier sind die Mädchen, die ebenfalls die Anstalt bewohnen, als Prostituierte vertreten, mit denen sie einen gefährlichen Fluchtplan in die Tat umsetzen möchte. Einen Plan der ihr auch in der Realität helfen könnte.

Wem das noch nicht surreal genug ist, dem sei gesagt, dass sich die Babydoll, die im Bordell festsitzt, ebenfalls in eine Fantasiewelt flüchtet, und zwar immer dann, wenn sie im Bordell für andere tanzen soll oder muss. Dort ist sie wiederum eine furchtlose Kämpferin mit Samuraischwert, die mit ihren Mitstreiterinnen gegen deutsche Zombiesoldaten, mächtige Drachen und futuristische Cyborgs kämpfen muss. Und das alles in sexy knappen Outfits.

Jede Menge Action

Foto: Silke Meyer

„Sucker Punch“ bedeutet Tiefschlag bzw. unerwarteter Schlag

„Sucker Punch“ bietet keine ausgefeilte Story – das erwartet man aber auch bei dieser Art von Film nicht unbedingt. Schon im Trailer wurde klar, dass es hier in erster Linie um die Action geht und die ist durchaus gelungen. Rasante Nahkampfszenen und schnelle Schusswechsel erfreuen das Augen jedes Action/SciFi-Fans. Passend untermalt wurde das ganze mit wirkilch guter Musik. Dabei handelt es sich häufig um Cover-Versionen, was aber keinesfalls negativ auffällt. Der ganze Film erinnert fast an ein durchgestyltes Musikvideo: Schnell, laut, sexy.

Problematisch ist jedoch, dass die Charaktere allesamt sehr blass sind. Am deutlichsten wird dies bei Babydoll selbst, die von Schmollmund Emily Browning verkörpert wird. Trotz ihres schlimmen Schicksals fällt es einem nicht leicht, viel Mitgefühl für das eindimensionale Mädchen zu empfinden. Und auch die anderen Charaktere wissen nicht zu überzeugen. Ein wenig mag vielleicht die Story der ungleichen Schwestern Sweet Pea (sexy: Abbie Cornish) und Rocket (Jena Malone) rühren, aber auch hier wird nicht mehr als genregerechte Klichee-Kost verbraten.

Knappe Schuluniformen und schwarzes Leder

Zudem fragt man sich doch, warum die Hauptrolle, die niedliche Babydoll, dank Schuluniform und zwei Pferdeschwänzen zum Traum jedes Lolita-Fanatikers gestylt wurde. Dieses Outfit behält sie auch (in leicht abgewandelter Form) in fast jeder Szene bei, egal ob sie nun mit einem Drachen kämpft oder den Boden schrubbt. Die Grenze zwischen sexy und fetisch scheint hier eher schwammig. Die anderen Mädchen laufen zwar in schwarzem Leder oder Dessous durch die Gegend, doch auch ihnen haftet etwas unschuldig junges an. Das könnte allerdings auch am Cast liegen, sind doch Schauspielerinnen wie Vanessa Hudgens und Jena Malone eher für ihre Mädchen-von-Nebenan-Rollen bekannt.

Fazit: Abgedrehter Fantasy-Film mit super Effekten und abwechslungsreichen Szenarien, der leider wegen nichtssagenden Charakteren schwächelt. Wer Popcorn-Kino ohne Tiefgang und Emotionen sucht, könnte trotzdem seinen Spaß daran haben.

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