Music Monday – A Hurricane’s Revenge und ihre neue Platte

Energie-geladenes Aufbäumen gegen Dirndl & Lederhose

Mit dem Gründungsjahr 2007 gehören „A Hurricane’s Revenge“ in Trier schon fast zu den alten Hasen. Die vier Jungs aus Trier haben sich vergangene Woche mit ihrem zweiten Album „Stumbling“ in den Ring begeben und werden trotz taumelnder lokaler Musikszene so schnell nicht aufgeben. Wir haben die Boxhandschuhe übergestreift, uns „Stumbling“ um die Ohren hauen lassen und noch ein bisschen mit den Jungs über ihr neuestes Werk gesprochen…

Trier. Anzählen mit Drumsticks und rein ins Riff! Mit „That’s Why“ starten „A Hurricane’s Revenge“ ohne große Umwege in ihre brandneue Scheibe, die gleich gut nach vorne geht und keine Gefangenen gemacht. Donnernde Riffs, punkige Melodien, Stadion-taugliche Hooklines und richtig gute Gitarren-Leads. Von Anfang wirkt der Mix aus Sing-A-long-Refrains und aus allen Rohren ballernden Instrumenten enormen Spaß.

Schon der zweite Song der Platte kommt deutlich düsterer und härterer daher, vernachlässigt aber dennoch den so wichtigen Ohrwurm-Faktor nicht. Dadurch beschreiten „A Hurricane’s Revenge“ den schmalen Grat zwischen Härte und Eingängigkeit mit einer selten gehörten Perfektion. Bis hin zum Double-Bass-garnierten Album-Finale „We Are Right Here“ wandelt das Quartett aus Trier zwischen den Musik-Welten irgendwo zwischen Punk, Metal und Classic Rock.

Auf die Frage nach musikalischen Vorbildern antworten die Jungs auch dementsprechend divers. Es fallen Namen so stilistisch unterschiedliche Namen wie „Thin Lizzy“, „Pantera“, aber auch jede Menge Punkrock. „Mir war wichtig, dass wir uns grenzenmäßig nicht zu sehr limitieren“, so Schlagzeuger Jojo. „Ich empfinde das als totalen Nachteil unbedingt in einer Schiene bleiben zu müssen. Uns wurde das auch schon als negativ ausgelegt, dass unser Album sehr heterogen wirkt, aber wir finden das gut so. So funktioniert’s bei uns!“

 

 

Die Tatsache, dass die Scheibe stilistisch sehr breit gefächert ist und trotzdem erstaunlich gut funktioniert, hängt möglicherweise auch damit zusammen, dass die Songs über einen Zeitraum von ganzen 5 Jahren geschrieben und live getestet wurden. „Wir haben aus der Not eine Tugend gemacht, weil wir nicht sofort die nötigen Mittel und genug Songs hatten, um ins Studio zu gehen, aber trotzdem neue Songs schreiben und spielen wollten. So kam es dann, dass ein Song nach dem anderen fertig wurde und dann eben auch schon live gespielt wurde. So hat man dann auch irgendwann ein Gespür, was funktioniert und was nicht.“ Die Resonanz des Publikums bestätigt die Vorgehensweise. „Das neue Material kommt durchweg positiv an!“

Kein Wunder, schließlich ist das, was man auf der CD hört sehr nah dran an einer Live-Performance der Jungs. „Wir haben versucht, so viel wie möglich live aufzunehmen. Das heißt, wir haben zusammen gespielt und es wurde direkt so aufgenommen. Das war auf jeden Fall die richtige Entscheidung, weil die Songs dadurch lebendig wirken. Die Atmosphäre beim Aufnehmen ist entscheidend. Wenn du gut drauf bist und eine gute Session hast, dann merkt man das der Musik hinterher auch an.“

Und „Stumbling“ versprüht von der ersten Minute an die fesselnde Dynamik eines Live-Gigs. Die Produktion der Scheibe wirkt vielleicht nicht so klinisch genau, wie man es aus dem immer technischer werdenden Hardcore-Lager kennt, überzeugt aber dafür mit einem organischen Vibe, der vom ersten Song an umhaut. Der strauchelnde Boxer auf dem Cover geht von Anfang an in den Angriff über und überlässt nichts dem Zufall. So wollen die Jungs die Boxer-Metapher auch verstanden wissen. „“Stumbling“ bedeutet so eine Art aufraffen, wenn man schon getroffen ist und trotz stolpern nochmal Gas zu geben und sich nicht beeindrucken zu lassen. Das soll die Attitüde der Musik wiederspiegeln.“

Auch wenn „A Hurricane’s Revenge“ das die meiste Zeit mit voller Breitseite umsetzen, finden sich auch einige leisere Momente auf „Stumbling“. Am eindrücklichsten beweist die Band ihr Können vielleicht bei „Look At Me“, das streckenweise frappierend an die Gesangsführung von „Avenged Sevenfold“ erinnert, nur um im nächsten Moment die Double-Bass-Donnershow zu einem jazzigen Break runterzubrechen. Hier wird derart spielerisch mit perfekt ineinander fließenden Parts jongliert, dass einem mehr als nur einmal schwindelig wird. In solchen Momenten hieven die Jungs den Boxkampf auf ein völlig neues, musikalisches Level.

Auf die Frage nach einem Song, der für die Band besonders heraus sticht, antwortet Sänger Johannes wie aus der Pistole geschossen: „Ich persönlich finde „We are right here“ am gehaltvollsten, weil der nach hinten ewig lange den selben Refrain rausballert.“ In der Tat ist das genannte Album-Finale ein sich in ungeahnte Höhen schraubender Stadion-Metal-Mix, der clever Schicht um Schicht über den immer gleichen Ohrwurm-Chorus herum arrangiert. Viel besser kann man ein Album nicht zu Ende führen.

Am 9. Juni kann man sich auf der offiziellen Release-Party in Lucky’s Luke von der Qualität des neuen Materials überzeugen. „Da kann man einiges erwarten. Marvin Go sind mit am Start und Coppersky. Viel zu gute Gäste eigentlich! Wir werden versuchen da irgendwie mitzuhalten. Wir spielen am besten einfach zuerst!“

Ernster werden die Jungs als wir sie nach der lokalen Musikszene fragen: „Ich finde die Musikszene ist in den letzten Jahren mega eingeschlafen“, antwortet Sänger Johannes. „Ein Riesengrund dafür ist mit Sicherheit das Exhaus mit den Baumaßnahmen. Die Luke fängt diese Lücke so ein bisschen auf, aber das kann sie nicht ganz alleine. Für junge Bands ist Trier echt schwierig geworden.“ Darüberhinaus stellen die Jungs fest, dass die nächste Generation an Bands fehlt. „Es ist aus der Mode gekommen, Musik zu machen. Ich glaube, dass ist ein Zeitgeist, der ein bisschen in Richtung Dirndl und Lederhose geht, Unterhaltung wo die Musik wenig bis gar keine Rolle spielt. Man merkt das auch bei Live-Shows, Leute sind oft nur noch da um zu saufen.“

Mit „Stumbling“ wuchten die Jungs ein brachiales musikalisches Statement gegen die immer weitere Kreise ziehende Oktoberfest-Seuche und brauchen dafür eure Unterstützung, wie sie am Ende des Interviews nochmals eindrücklich betonen: „Kauft unsere Platte, ihr Penner! Und jeder braucht eine Zahnspange!“

Shop-Link zu „Stumbling“: 

All

Infos zu „A Hurricane’s Revenge“:

https://ahurricanesrevenge.com/

https://www.facebook.com/A.HURRICANES.REVENGE/

 

Infos zur CD-Release-Party am 9. Juni in Lucky’s Luke, Trier:

https://www.facebook.com/events/601231963419876/

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