Reiner Calmund in Trier: „Man kann aus Poldi keinen Professor machen“

Von Sarah Liesenfeld

Über die Gemeinsamkeiten von Fußballklubs und Wirtschaftsunternehmen sprach Reiner Calmund gestern Abend im Theater. „Calli“ begeisterte vor 500 Besuchern mit Humor, Leidenschaft und Anekdoten.

Erst der Vortrag, dann Autogramme: Reiner Calmund erfüllte im Theater alle Wünsche der Besucher.

Natürlich dauerte der Vortrag von Reiner Calmund einige Minuten länger als geplant, was bei einem Mann mit solch einem leidenschaftlichen Redefluss keine Überraschung war. Doch irgendwann fiel „Calli“ die Verspätung auf und er beruhigte die erste Reihe: “Ich lass‘ gleich mal ein paar Schnittchen kommen.” Wie im Flug verging die Zeit, als der ehemalige Bundesliga-Manager im fast voll besetzten Theater mit Humor und Enthusiasmus zum Thema Mit Kompetenz und Leidenschaft zum Erfolg referierte.

Knapp 500 Interessierte waren am Donnerstagabend gekommen, um “Calli” zu sehen. Er war der prominente Gastredner bei der zwölften Gemeinschaftsveranstaltung des Marketing Clubs Trier Luxemburg, dem Kreis junger Unternehmer (KJU) und der Vereinigung Trierer Unternehmen (VTU).

Manager, Kolumnist, Fernsehstar und Redner

Ein Business, in dem sich das Fußball-Schwergewicht auskennt. Nach seiner Lehre als Außenhandelskaufmann und dem anschließenden Studium der Betriebswirtschaftslehre musste er seine aktive Karriere als Fußballer aufgrund einer Sportverletzung beenden und arbeitete fortan als Trainer, Vorstandmitglied, Manager und Geschäftsführer bei Bayer Leverkusen sowie als EM- und WM Botschafter. Seit seinem Rücktritt 2004 ist er als Berater, Redner, Kolumnist, Buchautor und auch als Fernsehstar bekannt.

Menschlichkeit und Enthusiasmus sind Charakterzüge, mit denen er oft beschrieben wird. Dieses Bild vermittelte er auch auf der Bühne. Er stand nicht nur steif an einem Rednerpult, wie so manch anderer Referent, sondern lebte seinen Vortrag. Mit ausfallender Gestik und oft lauter Stimme versuchte er das Publikum in seinen Bann zu ziehen und sorgte mit Anekdoten für einige Lacher.

„Manchmal muss man richtig Dussel ham“

So erzählte “Calli” von seinen Verbindungen in die Region Trier. Der ehemalige Leverkusener Trainer Klaus Toppmöller, mit dem Calmund 2002 als Manager im Champions-League-Finale gegen Real Madrid (1:2) stand, kommt aus Rivenich. Mit der luxemburgischen Spitzenköchin Léa Linster ist er gut befreundet.

Calli sprach auch von seinen Erfahrungen mit Bayer Leverkusen – von Erfolgen, aber auch von Rückschlägen. Er erzählte von seinem beruflichen Werdegang. Davon, dass er immer Glück im Unglück hatte. Die nicht bestandene Elektrikerprüfung war für ihn die Chance, den Weg in Richtung Wirtschaft einzuschlagen. Und auch sein damaliges größtes Unglück, seine Sportverletzung, endete für ihn auf der Sonnenseite; erst wurde er Trainer, später Manager und anschließend Geschäftsführer. ”Manchmal muss man eben richtig Dussel ham”, fasste der Rheinländer seinen Lebensweg zusammen.

Einiges erzählen konnte Calmund auch zum eigentlichen Thema des Vortrags: wie man das Management eines Wirtschaftsunternehmens mit dem eines Fußballklubs vergleichen kann.

„Ohne Moos nix los“

Copyright: Reiner Calmund

“Ohne Moos nix los”, ist für ihn beispielsweise eine Gemeinsamkeit. “Es geht um Erfolg, das ist jedem klar – im Fußball zählen am Ende die Punkte, im Unternehmen die Umsatzzahlen.” Doch was für ihn wichtiger ist: die richtige Einstellung zu haben und mit „Herzblut“ dabei zu sein. Das betonte er immer wieder. Denn ohne Leidenschaft helfen einem Kompetenz und Know-How nicht weiter, das gilt seiner Meinung nach für ein Unternehmen, genauso wie für die Welt des Sports.

Auch die richtige Stimmung ist seiner Meinung nach wichtig. „Eine Mannschaft im Stadion ist viel motivierter, wenn Sie von Ihren Fans angefeuert wird“, findet er. Ebenso ist er davon überzeugt, dass Mitarbeiter in einem Unternehmen wesentlich effizienter arbeiten, wenn sie sich in einem Team und guten Betriebsklima wohlfühlen. Seine Forderungen nach Identifikation, Disziplin und Motivation drückte er sehr bestimmend aus. Doch gleichzeitig lockerte er die Stimmung auf, wenn er mit Sprüchen wie “Schlafmützen in Nadelstreifenanzügen” die fehlende Leidenschaft in Unternehmen verdeutlichte.

Auch die Nachwuchsförderung liegt ihm – ebenso im Sport wie auch im Betrieb – am Herzen. Unter anderem nennt er hier den Dialog mit den jungen Menschen sowie das Vertrauen in eine jüngere Generation. Das gelte für junge Spieler in einem Fußballklub genauso wie für junge Leute, die von der Ausbildung oder dem Studium in ein Unternehmen wechseln. „Man muss sich durchsetzen können, sich als Teammitglied sehen und vor allem seine eigene Persönlichkeit weiterentwickeln“, gab er dem Nachwuchs mit auf den Weg und verwies auf ein prominentes Beispiel: „Man kann aus Poldi keinen Professor machen.“ Doch auch der Nationalspieler trete in der Öffentlichkeit mittlerweile sicherer auf, als er es noch mit 18 Jahren getan hatte.

Laufen mit Joey Kelly, Wok-WM mit Georg Hackl

Wild gestikulierend berichtete er von seinen Erlebnissen beim Projekt „Iron Calli“, als er mit Joey Kelly trainierte. Auch die Wok WM, bei der er sich mit Hackl Schorsch messen musste, war eine seiner kurzen Geschichten. Dabei war zu erkennen: Calli, das ist der Mensch, der über sich selbst lachen kann, der sehr emotional und direkt ist und jeden begeisternd mitreißt. Sein Fazit der Veranstaltung: „Nicht die Großen fressen die Kleinen, sondern die Schnellen die Langsamen.“

Beim Umtrunk im Anschluss an den Vortrag, wo Calli auch für Autogramme und Fotos zur Verfügung stand, hörte man in der Menge Worte wie „amüsant“, „unterhaltsam“ und „leidenschaftlich“, was die Veranstaltung treffend zusammenfasste. Der Vortrag hatte zwar einerseits informativen Charakter, aber ganz klar stand an diesem Abend die Unterhaltung der Zuschauer im Vordergrund.

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