Eintracht Trier mit peinlicher 2:3-Pleite in Mayen – VIDEO

Aus Mayen berichten Florian Schlecht (Text) und Anna Lena Grasmück (Fotos)

Was für eine Pleite für Fußball-Regionalligist Eintracht Trier: Mit 2:3 unterlag die Mannschaft von Roland Seitz beim TuS Mayen. 150.000 Euro fehlen in den Etatplanungen. Die Saison endet in einer maßlosen Enttäuschung.

2:1 führte Trier in Mayen - und erlebte dann ein böses Pokal-Debakel.

Das ganze Spektrum der Gefühle spielte sich auf nur 50 Metern ab. Während André Poggenborg auf dem Rasen minutenlang wie versteinert saß, stand Alon Abelski gehockt daneben, griff sich mit beiden Händen an den Kopf, der auf den Boden gerichtet war. Als wäre die Zeit angehalten, verharrten beide in ihren geschockten Positionen, während die restlichen Mannschaftskollegen schnell in die Kabine geflüchtet waren.

Roland Seitz starrte von der Trainerbank auf das Spielfeld, blickte ungläubig, diskutierte mit Rudi Thömmes und Sascha Purket, starrte wieder, blickte noch ungläubiger, diskutierte noch intensiver. Als der Oberpfälzer zum Ausgang schritt, wurde er von Fans bepöbelt. „Nach einem solchen Spiel muss man die Enttäuschung verstehen und darf die Sprüche nicht zu hochkochen“, sagte Seitz in der Pressekonferenz, als er selber mit den Worten haderte. Peinlich, beschämend, desaströs. Das waren aus der Sicht von Eintracht Trier die Worte, die die 2:3-Niederlage beim TuS Mayen im Rheinlandpokal-Halbfinale wohl am treffendsten beschrieben.

Nach 28 Spielen ohne Cup-Pleite schied der Fußball-Regionalligist im Nettetalstadion vor 747 Zuschauern mit Pauken und Trompeten aus. Für den ehemaligen Zweitligisten von der Mosel war es ein ganz schwarzer Abend. Das leidenschaftslose Auftreten, die Überheblichkeit nach der plötzlichen 2:1-Führung, der fehlende Plan bei einem Rheinlandligisten, all das kam zusammen und erklärte teilweise, warum Trier in der Saison 2012/13 die 150.000 Euro im Etat fehlen werden, die in den letzten Jahren durch die Qualifikation für den DFB-Pokal zur Verfügung standen.

Es wäre aber nicht fair, es dabei zu belassen. Denn in Sichtweite des versteinerten Poggenborgs, des hockenden Abelskis, des starrend-ungläubig-blickend-diskutierenden Seitz tanzten und sangen die Hobbyfußballer des TuS Mayen. Sie ließen sich nach einem großartigen Kampf von ihren Fans feiern und hatten ihre eigenen Pokalhelden, die Geschichte schrieben.

Da war Torwart Darius Motazed, der sein Pflichtspieldebüt für den Außenseiter gab. Der Kanadier studierte einst in Vancouver, träumte von der Major League Soccer in den USA – und trainiert nun seit drei Monaten in Mayen, von wo aus er regelmäßig zwischen Holland und Deutschland pendelt, um irgendwo im Profigeschäft unterzukommen. Den Schlussmann in das Pokalspiel zu werfen, war ein wichtiger Schachzug von Trainer Martin Sek. Als Andre Marx nach drei Minuten gegen die schläfrige Hintermannschaft der Eintracht per Kopf zum 1:0 traf, entwickelte sich das gewünschte Spiel für den Underdog und ein Duell für einen Torwart.

Ein Pendler aus Kanada und ein Rückkehrer als Pokalhelden

Der Herr der Lüfte: Torwart Darius Motazed gehörte zu den Pokalhelden von Mayen.

Denn Trier, das von Beginn an fahrlässig behäbig wirkte, fand nicht in das Duell. Ja, überlegen war der Regionalligist. Aber zwingende Aktionen blieben aus, es war quasi Handball ohne Abschluss, den die Eintracht gegen die kompakte Heimelf spielte. Und bei den verzweifelten Flanken war Keeper Motazed zur Stelle. Er war Pokalheld Nummer eins, auch wenn er beim 1:1 unglücklich aussah, als Abelski einen Freistoß aus 20 Metern in die Torwartecke hämmerte (37.).

Pokalheld Nummer zwei war Marko Lanser. Er kam nach 72 Minuten ins Spiel, als für Mayen alles verloren schien. Thomas Kraus hatte einen Abstauber zum 1:2 für Trier ins Tor gestolpert (57.), danach traf Torge Hollmann per Kopf die Latte (58.), das Halbfinale schien seinen erwarteten Lauf zu nehmen. Doch Lanser sorgte für die verdiente Kehrtwende, weil pünktlich nach seiner Einwechslung bei der Eintracht die pure Überheblichkeit Einzug hielt, die den Rheinlandligisten wieder ins Spiel kommen ließ. So flankte Lanser erst auf Stephan Schikora, der bedingt durch den Job nur alle paar Wochen für Mayen auflaufen kann. Die Teilzeitkraft köpfte zum 2:2 ein (73.). Danach fasste sich Lanser aus 23 Metern ein Herz, donnerte drauf und traf zur kompletten Wende (78.).

„Das ist einfach unglaublich für die gesamte Mannschaft, auch für mich, ich habe bestimmt sieben Wochen nicht trainieren können“, strahlte der Matchwinner. Die Worte purzelten förmlich aus seinem Mund. „Trier hat uns wohl unterschätzt. Wir haben so viel Leidenschaft gezeigt. Wir wollen jetzt unbedingt in den DFB-Pokal. Unbedingt.“

Das Spiegelbild einer enttäuschenden Saison

Die Führung von Thomas Kraus verspielte Trier innerhalb von fünf Minuten.

Unbedingt. Der Eindruck war bei Eintracht Trier über die 90 Minuten nicht zu gewinnen. Und so schloss sich in Mayen der Kreis einer maßlos enttäuschenden Saison, in der die Mannschaft erneut in einer Phase mit zuletzt guten Ergebnissen die Fußballwelt plötzlich auf den Kopf stellte. Auf katastrophale Heim-Auftritte folgten prompte Antworten. Auf tolle Serien folgten maßlose Enttäuschungen. Große Hoffnungen mündeten in katastrophalen Leistungen wie gegen Idar-Oberstein (0:1), Köln II (1:3) und Dortmund II (2:4).

Ein Aufwärtstrend wie zuletzt in der Regionalliga wird ins totale Gegenteil verkehrt durch eine blutleere Vorstellung wie in Mayen, die erneut die klare Antwort auf die Frage gab, warum Trier am Ende in der Regionalliga mit deutlichem Rückstand nicht Meister wird. Sondern andere Teams, die in diesem Jahr vielleicht mehr Herz, vielleicht mehr Spielideen, vielleicht größere taktische Vielseitigkeit, vielleicht mehr Geschlossenheit an den Tag gelegt haben. „Es ist schwer, die richtigen Worte zu finden“, fand Trainer Seitz. Wahrscheinlich lagen auch ihm Begriffe wie „Offenbarungseid“ auf der Zunge, aber der brodelnde Vulkan explodierte nicht.

Das tat in der Pressekonferenz aber ein Vorstandsmitglied des TuS Mayen, das sich nicht über den Sieg freute, sondern sich darüber echauffierte, dass ein Trierer Spieler Balljungen massiv beleidigt haben soll. „Dafür verlange ich eine Entschuldigung, da geht es um eine Vorbildfunktion gegenüber Jungs, die mit Spaß dabei sind.“ Für Gesprächsstoff ist so auch nach der Pokal-Blamage gesorgt.

Statistik

TuS Mayen – Eintracht Trier 3:2 (1:1)

Mayen: Motazed – Grober, Eirich, Kuba, Stulla – Marx, Berresheim – Merling, Louloualga (72. Lanser), Lahn (90. Distelrath) – Schikora.

Trier: Poggenborg – Cozza, Hollmann, Herzig, Drescher – Karikari – Kuduzovic, Abelski, Knartz (68. Anton) – Kulabas, Kraus.

Schiedsrichter: Mario Schmidt (Darscheid)

Tore: 1:0 Marx (3.), 1:1 Abelski (37.), 1:2 Kraus (56.), 2:2 Schikora (73.), 3:2 Lanser (78.).

Zuschauer: 747

Ein Video vom Spiel mit Toren und Stimmen

Die Bilder zum Spiel

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Kommentare (10)

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  1. Klaus Ahlers sagt:

    Ein guter Artikel mit sehr gutem Film- und Bildmaterial. Ich wurde von einer Bekannten auf diese SEite hingewiesen und werde jetzt öfter vorbeischauen. 🙂

    Hier (und auch im Evelo-Artikel) sprechen Sie mir aus der Seele. Die Leistung auf dem Feld war weit von 100% entfernt!

    Ich fiebere schon seit Jahren mit der Eintracht, aber so eine Leistung macht mich einfach traurig. Das muss besser werden!

  2. Peter sagt:

    Alles klar!
    Jetzt waren es also unsere Balljungen schuld das die ach so große Trierer Eintracht beim David TuS Mayen die Segel gestrichen hat.
    Wenn eure Herren Profifußballer nach dem 2:1 dachten „jetzt verarschen wir die Mayener ein bißchen und machen denen noch zwei, drei Buden“ waren sie halt auf dem Holzweg!
    Gibt genügend Beispiele dafür das sich solche arroganten Verhaltensweisen rächen, anstatt seriös sein Ding zu machen.
    Im Nettetal war natürlich nach dem Spiel „Polen offen“. Es ging noch ganz schön lange. Dank den Trierer Schlaffis die ihren Job nicht erledigt haben, dank tapfer kämpfenden Mayener „Hobbyfußballern“ und zu 0,1% dank leicht parteiischen Balljungen! 😉

  3. josef sagt:

    Ein beitrag zum Thema Balljungen: Die Jungs haben alles richtig gemacht. 🙂

    Ich finde, dass den Profis wirklich seit geraumer Zeit in der Hinsicht etwas abgeht. Die Spieler sollten mal wieder an ihre Wurzeln denken, als man sich den Ball noch selber geschnappt hat. An solchen sprints kann man nämlich auch erkennen, ob ein Spieler denn Sieg unbedingt will. 95% der Fußballer weltweit gehen die Bälle selbst holen und haben damit kein Problem. Dass dies bei größeren Fernsehübertragungen von Nöten ist, um als Zuschauer nicht ganz einzuschlafen, kann mamn ja noch verstehen. Allerdings sind die Verhaltensweisen von den Profis gegenüber dem ja wirklich noch sehr jungen Nachwuchs doch sehr oft unter aller Kanone.
    Darüber sollte wenigstens nur noch einmal kurz nachgedacht werden.

    P.S.: Ein großer Teil der Eintracht-„Fans“ genießt übrigens fast die gleiche Erziehung. Zumindest sehe ich dass bei meinen immer selteneren Besuchen im Stadion immer wieder.

  4. schustermanni sagt:

    peinlicher gehts nicht mehr, hier frage ichmich, haben wir den richtigen trainer für weitere 2 jahre veroflichtet? , gebe ja zu , der seitz ist kein schlechter , aber wo stingt der fisch zuerst , doch sicher am kopfoder? UND BEI EINER SOLCHER VORSTELLUNG WIE IN MAYEN ; Müßen auch einmal scharfe fragen erlaubt sein. wieso etwas passieren kann , ich weiß auch, das der trainer keine tore schiessen kann, aber motivieren schon, denn dafür, wird er bezahlt , halten wir es wie stepi, leben gehtweiter , so spielen wir am freitag vor 2-300 zuschauern gruß manni schuster in der hoffnung, auf eine schlagkräftige und gute mannschaft für die neue saison, wir müßen raus aus dieser liga, und wieder in den bezahlten fußball, denn alles andere ist pillepalle

  5. Eintracht-Fan sagt:

    Muß was los werden zum Thema Balljungen. Ich stand hinter dem Tor im Gästeblock. Da waren vier Balljungen, die einfach die Bälle nicht geholt haben. Zuerst haben die sich mit Getränken versorgt und dann noch Bratwurst gegessen.(Während des Spiels in Halbzeit1, alle vier zusammen) Dann hat ein Zuschauer gerufen, ob sie denn zum Essen da wären oder zum Ballholen. Ein Ordner hat dann für uns gut zu hören denen gesagt die Bälle langsam zu holen. Nach einiger Zeit kam dann ein Herr, der den Jungen Anweisungen gegeben hat, die aber nicht verstehen konnte. Hab aber nichts gehört von Beleidigungen eines Spielers gegenüber den Kindern.Drescher hat einmal bei einem Eckball gerufen sie sollen schneller machen, sonst nichts. Aber da war auch nur 1 Ball und keiner hat sich daran gestört ab der da war oder nicht!!

  6. steff. sagt:

    we had a grandios saison gespielt…….

  7. Eintracht-Fan sagt:

    Ein wirklich zutreffender Text, der die Lage doch gut analysiert. Allerdings bin ich der Meinung, dass man durchaus hätte auch mal die katastrophale Leistung so mancher „Profis“ nennen können. Da stimme ich dem Kommentar von „Bodo“ zu. Es scheint doch was dran zu sein, dass es den Spielern Drescher, Herzig, Kulabas und Kraus (die in der nächsten Saison nicht mehr für den SVE spielen werden) egal gewesen ist, ob DFB-Pokal oder nicht. Vielleicht hätte das ein Trainer auch wissen oder ahnen müssen. Eine Elf aus Spielern, die bereits einen Vertrag haben (Hollmann, Zittlau, Pagenburg, Abelski, Anton, Sözen…) wäre da wohl die deutlich bessere Wahl gewesen. Da hätten wir gestern wohl ein schönes Spiel aus Trierer Sicht gesehen.

  8. Sievo sagt:

    Bodo,
    schade dass du nicht unser Trainer bist.

  9. Bodo sagt:

    Wenn man mit Poggenborg,Herzig,Drescher und Kuduzovic vier Spieler in der Anfangself hat die höchst wahrscheinlich den verein wechseln, und mit kraus und Kulabas zwei Spieler im Sturm hat die den Verein definitiv verlassen werden,kann man von Anfang an davon ausgehen das diese Spieler nicht 100% geben! Hätte Trainer Seitz Rückrad bewiesen hätte er Spieler wie Fabian Zittlau,Michael Dingels oder christoph Anton von Anfang an spielen lassen. Ihr Niveau hätte auch gereicht um einen mittelmäßigen Rheinlandligisten zu schlagen.

  10. gerd sagt:

    das kann doch wohl nicht wahr sein! Enttäuschung pur

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