SC Idar-Oberstein: Das Erfolgsprinzip „Feierabendfußball“

Von Florian Schlecht

RB Leipzig hat einen Konzern im Rücken, Magdeburg bald vielleicht einen spanischen Investor – entgegen dieser Trends wird in Idar-Oberstein noch Feierabendfußball gelebt. Samstag tritt das Team bei Eintracht Trier an (14 Uhr).

Sascha Hildmann erinnert gerne an den 22. September 2006, wenn er die besonderen Leistungen des SC Idar-Oberstein veranschaulichen möchte. An diesem Tag gehörte der mittlerweile 39-Jährige zu den 40.028 Zuschauern im Fritz-Walter-Stadion, die sich das packende Derby zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und der TuS Koblenz in der 2. Bundesliga anschauten. 2:0 führte Koblenz sensationell am Betzenberg, ehe die „Roten Teufel“ das Spiel noch drehten und 4:3 gewannen. Hildmann saß auf der Tribüne und freute sich über ein außergewöhnliches Spiel. Über fünf Jahre später schloss sich dann für ihn ein Kreis, als er mit Idar-Oberstein im Regionalliga-Duell bei der TuS Koblenz ein 3:3 feierte. Hildmann stand diesmal aber mit glänzenden Augen in der Coaching-Zone und staunte. „Ganz ehrlich“, sagt er stolz. „Keiner hat damit gerechnet, dass es uns einmal gelingt, mit diesen Vereinen in einer Liga zu spielen.“

So überwiegt bei Hildmann auch die Vorfreude, wenn es am Samstag zum nächsten Festtag bei Eintracht Trier geht (14 Uhr). „Der Auftritt im Moselstadion ist für uns ein Highlight, da kommt doch erst das richtige Fußball-Feeling auf.“ Sportlich will er dem Favoriten ein ähnliches Bein stellen wie den Sportfreunden Lotte am ersten Spieltag (0:0). „Und wenn ich fünf Euro ins Phrasenschwein werfen muss, auch das Spiel muss erst gespielt werden.“ Trier ist für ihn aber ein heißer Kandidat auf den Aufstieg in die 3. Liga. „Die Mannschaft ist unheimlich schwer auszurechnen. Sie hat ein schnelles Umschaltverhalten, spielt hervorragend in die Tiefe und hat eine hohe Qualität bei ruhenden Bällen.“  Die Rolle als Außenseiter stört den Übungsleiter nicht, er kennt sie, seit er im Sommer vom Landesligisten SV Rodenbach nach Idar-Oberstein kam und Aufstiegstrainer Michael Dusek ersetzte. Das Image des Underdogs ehrt Hildmann sogar, wenn er an die Bedingungen denkt, mit denen der Klub Erfolg hat.

Feierabendfußball als Erfolgsprinzip

Das Hinspiel in Idar-Oberstein gewann Trier 3:0.

In der Edelsteinstadt wird nämlich noch das Prinzip des Feierabendfußballs beschworen, das selbst in der Regionalliga häufig wie ein Relikt aus längst vergessenen Zeiten erscheint. In Koblenz spielt ein ehemaliger brasilianischer Nationalspieler wie Mineiro, im Osten der Republik wird mit RB Leipzig das wohl brausehaltigste Sportprojekt mit viel Geld auf die Beine gestellt, der 1. FC Magdeburg hofft auf eine spanische Investorengruppe, die in fünf Jahren mit einer Geldspritze von 30 Millionen Euro helfen möchte. Es sind Summen und Namen, die in der 30.000-Einwohner-Stadt unmöglich erscheinen. „In Idar-Oberstein“, so der Trainer, „sind alle Spieler berufstätig“. Ehemalige Profis wie Torwart Jean-Francois Kornetzky (KSC) und Michael Lehmann (Kaiserslautern) studieren, einige Spieler gehen zur Schule, Angreifer Patrick Stumpf arbeitet als Metzger, Trainer Hildmann führt mit seinem Bruder ein Autohaus in Enkenbach-Alsenborn, es ist ein Familienunternehmen. Training ist immer um 18.30 Uhr, wenn alle frei haben. Jeder einzelne der 17 Punkte in der Tabelle hat das Selbstbewusstsein wachsen lassen. „Wir spielen eine ganz respektable Rolle und wollen noch einige Große ärgern.“

Das Modell funktioniert nur, weil Hildmann und die Macher auf Typen achten, die ihnen weiterhelfen können. „Wenn wir gemeinsam essen gehen wollen, gibt es niemanden, der keine Lust dazu hat“, müssen die Spieler ein ehrliches Teamdenken mitbringen. Dazu soll der Ehrgeiz stimmen, damit auch mit geringen Mitteln viel erreicht werden kann. „Bei uns geht es nur über eine hundertprozentige Einstellung zum Sport und den Willen, noch höher spielen zu wollen“, betont der Trainer. Ein Talent wie Konstantin Sawin, das von der A-Jugend des FC Augsburg kam und mit 18 Jahren zu den Shootingstars der Hinrunde gehörte, nutzte die Chance eindrucksvoll. „In der Regionalliga können sich junge Leute mit Ambitionen in den Vordergrund spielen, weil auf den Tribünen immer haufenweise Trainer sitzen“, so Hildmann. Für Kingsley Onuegbu (Greuther Fürth) und Pierre Merkel (Braunschweig) war Idar-Oberstein das Sprungbrett in den Profifußball. Um die Arbeit im Nachwuchsbereich zu zementieren, ist der Verein eine Kooperation mit dem 1. FC Kaiserslautern eingegangen.

Mittelfristig will sich Hildmann mit dem SC Idar-Oberstein nach der Staffel-Reform in der neuen Regionalliga Süd-Südwest behaupten. „Das wird ein tolles Jahr mit Traditionsvereinen wie Waldhof Mannheim, Hessen Kassel, Wormatia Worms und vielen mehr.“ Mit dem Prinzip „Feierabendfußball“ will der Klub auch dann glänzen. „Mit unseren Möglichkeiten die Klasse zu halten – das ist unser Ziel.“

+++++Eintracht in Kürze++++++

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