Spatenstich der 2. Schleusenkammer in Trier – Perspektiven und Diskussionen

Text: Lars Eggers // Fotos: Stefanie Braun

In Trier wurde gestern der Spatenstich zum Bau der zweiten Schleusenkammern in Trier begangen. 5vier war dabei und beleuchtet das vieldiskutierte Projekt.

Spatenstich Feature

„Da wo Infrastruktur ist, da entwickelt sich auch etwas“, erklärte Enak Ferlemann, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur gestern in seiner Rede zum Baubeginn der zweiten Schleusenkammer in Trier, „Aber Infrastruktur entwickelt sich auch weiter.“ An dem feierlichen Spatenstich nahmen unter strahlend blauem Himmel zahlreiche Vertreter von Politik und Wirtschaft teil, darunter die Bundestagsabgeordneten Gustav Herzog, Katarina Barley, Bernhard Kaster, die amtierende 65. Weinkönigin von Trier Anne Catherine Ferber I., Oberbürgermeister Klaus Jensen und der Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes Trier Albert Schöpflin.

Von links: Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur Enak Ferlemann, Staatssekretärin beim Minister des Innern, für Sport und Infrastruktur Heike Raab, Oberbürgermeister Trier Klaus Jensen.

Von links: Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur Enak Ferlemann, Staatssekretärin beim Minister des Innern, für Sport und Infrastruktur Heike Raab, Oberbürgermeister Klaus Jensen.

Ferlemann erinnerte in seiner Ansprache an die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg, als die Mosel zur Großschifffahrtsstraße ausgebaut wurde, um die Verkehrsstruktur der Region zu stärken. Damals wurde die Mosel auf 10 Millionen Gütertonnen ausgelegt, ein Ziel das bereits knapp zehn Jahre nach Eröffnung der Schifffahrtsstraße erreicht und überschritten wurde. Aktuelle Prognosen sehen in den nächsten Jahre 17 bis 18 Millionen Gütertonnen über die Mosel fahren – Passagier- und Privatschifffahrt nicht mitgerechnet. Die würde eine enorme Belastung für die inzwischen 50 Jahre alten Schleusen bedeuten – daher sollen an alle zehn Schleusen zwischen Koblenz und der französischen Grenze eine zweite Schleusenkammer angebaut werden. Zwei sind bereits fertig – in Zeltingen wurde der Probebetrieb 2009 aufgenommen, seit 2010 ist die Schleuse dort aktiv, in Fankel läuft der Probebetrieb erfolgreich seit dem August letzten Jahres. Mit Trier wird nun die dritte und letzte Schleuse im verkehrsstärksten Moselabschnitt in Angriff genommen. Ferlemann spricht in seiner Rede vom Abschluss der Bauarbeiten in den Jahren 2016 bis 2017, aber bereits seine Folgerednerin, Staatssekretärin beim Minister des Innern, für Sport und Infrastruktur, Heike Raab sieht diese Prognose als „sehr ehrgeizig“ an. Hier zeigt sich bereits das Problem des Ausbauprojektes – es gibt viele Positionen und viel Kritik von allen Seiten.

Mehrbefahrung, Umweltbelastung, Notwendigkeit

Nicht selten sehen sich die Kritiker des Projektes im Widerspruch miteinander. Einige behaupten, der Ausbau sei nicht notwendig, da die Anzahl der Schiffe auf der Mosel beständig zurückgegangen sei, andere sorgen sich um die Mehrbelastung der Wasserstraße und ihrer Umwelt.

„Fakt ist“, so Geschäftsführer der Trierer Hafengesellschaft Volker Klassen, „dass die Schleusenkammer allein mit Hinsicht auf die Betriebssicherheit unabdingbar sind.“ Ohne sie würde der Ausfall einer einzigen der 50 Jahre alten Schleusen eine Sperrung der Mosel bedeuten, der gesamte Verkehr läge lahm. Auch Staatssekretär Ferlemann pflichtet dem bei: „Es wird mehr gefahren werden, aber das möchte man ja auch“, erklärte er im Interview mit 5vier.de. Die Gütermengen steigen, das lässt sich nicht leugnen. „Man müsste alles auf Schienen oder Straßen umleiten, das würde vermehrten Schwertransport bedeuten. Die Belastung der Umwelt und der Infrastruktur ist auf einer Wasserstraße einfach wesentlich geringer, Binnenschiffe gehören zu den umweltfreundlichsten Transportmitteln überhaupt.“

Das Argument, die Zahl der Schiffe auf der Mosel ginge beständig zurück, ist laut der stellvertretenden Amtsleiterin des Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA) Trier Charlotte Kurz schnell widerlegt. „Verkehrszahlen müssen korrekt gelesen werden“, erklärt sie in einem Interview mit der Zeitschrift „Binnenschifffahrt“, „Die Zahl der Schiffe ist seit 2008 beständig rückläufig, aber die Schiffe werden dafür immer größer. Früher maßen sie um die 80 Meter, heute sind sie bis zu 135 Meter lang. Die größeren Schiffe transportieren viel mehr Fracht, wodurch das eigentliche Güteraufkommen praktisch gleich geblieben ist.“

Das Thema Umwelt wird im Rahmen der Bauarbeiten ebenfalls sehr ernst genommen. Der Trierer Oberbürgermeister Klaus Jensen erklärt, dass im Rahmen des Projektes „Stadt Land Fluss“ konkrete Pläne für die Anlage eines Altarm-ähnliches Biotops umgesetzt werden. Derzeit sind die Bereiche am Ufer über Wiesen und Felder geradlinig, wenig reizvoll, es gibt wenig Pflanzen und Tiere. Dies soll mit der neuen Ausgleichsmaßnahme anders werden, der künstliche Altarm soll die natürlichen Schwingungen und Abweichungen des Flusses wieder herstellen und damit ein natürlicheres Aussehen und eine gesündere Landschaft erzeugen. Mit Abschluss der Bauarbeiten an der Schleuse soll auch das neue Biotop fertiggestellt sein.

Kritik an der Gesamtbauzeit der Schleusenkammern

Auch von Seiten der Logistiker, also der Nutzer der Schleusenkammern, gibt es Kritik an der Baumaßnahme. Diese bezieht sich vor allem auf die lange Bauzeit – der Ausbau aller zehn Schleusen wird voraussichtlich frühestens im Jahr 2036 abgeschlossen sein. Zu spät, sagen Vertreter der Wirtschaft.

„Die ältesten Vorgänge in unserem Hause zum Thema zweite Schleusenkammer stammen aus dem Jahr 1982“, erklärt Volker Klassen vom Hafen Trier, „Die Fertigstellung dauert entschieden zu lang, vor allem mit Blick auf die Konkurrenzfähigkeit des Binnenschiffs zu den anderen Verkehrswegen und der beständig steigenden Gütermengen.“

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Vorne im Bild (von links): Staatssekretärin Heike Raab, Weinkönigin Anne-Catherine Ferber I., Oberbürgermeister Klaus Jensen, Bundestagsabgeordneter Bernhard Kaster.

Die gesamte Mosel wurde in nur sieben Jahren zur Großschifffahrtsstraße ausgebaut, der Bau der Kammern soll nun über dreißig Jahre dauern. Wie es dazu kommt erklärt Dr. Hans-Heinrich Witte, Präsident der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt: „Eine Geschwindigkeit wie vor fünfzig Jahren ist heute nicht mehr machbar. Man muss hier die EU-Bedingungen berücksichtigen, Veränderungen im Rechtssystem, steigende Komplexität im Bauverfahren und im Vergeben von Baumaßnahmsbewilligungen. Die Bauzeit von dreißig Jahren wurden anhand der Geschwindigkeit der bisherigen Tätigkeiten errechnet.“ Natürlich sei es der Wunsch aller Beteiligten, dass es zügiger vorangeht, allerdings sei es schwer in die Zukunft zu schauen. Witte sieht es als großes Zugeständnis der Bundesregierung, dass der Bau finanziert wurde – ein Zeichen dafür, dass man in Berlin den Ausbau der Mosel vorantreiben möchte.

In der chronisch unterbesetzten Verwaltung soll es ebenfalls Veränderungen geben – eine Struktur für die lange geplante Reform der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung wurde von Staatssekretär Ferlemann für den Sommer diesen Jahres angekündigt. Staatssekretärin Raab sprach in Ihrer Festrede zum Spatenstich von zusätzlichen Planstellen, die vom Land Rheinland-Pfalz geschaffen werden, sollte der Bund entsprechende Finanzierungszusagen machen.

Auf die eine oder andere Weise geht es an der Mosel in Trier nun auf jeden Fall ans Werk. Die Bauarbeiten sind bereits in vollem Gange, die Vorhäfen zur neuen Schleusenkammer sind fertiggestellt und beständig rollen die Baufahrzeuge am Ufer des Flusses entlang. Wie wirtschaftlich und effektiv diese Baumaßnahme dann tatsächlich sein wird, das kann nur die Zukunft zeigen.

 

 

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Kommentare (1)

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  1. Föhrener sagt:

    Für viele Millionen Euro wird eine zweite Schleusenkammer gebaut da ja mal die alte ausfallen könnte!
    Hoffentlich bleibt es uns erspart, das wegen Altersschwäche die Ehrangerbrücke gesperrt wird.

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