Sunny Sunday – Wenn Ryanair & Co auf Langstrecke gehen…

Günstig über den großen Teich...?

Mit Billigfliegern auf Langstrecke, das war lange Zeit undenkbar. Seit einigen Jahren tut sich allerdings was auf dem Markt, der von dem norwegischen Low Budget-Flieger Norwegian und in Teilen von Lufthansa’s Eurowings kontrolliert wird. Diese Woche kündigte nun auch der irische Low-Cost-Riese Ryanair Langstreckenflüge an…allerdings anders als zunächst angenommen.

Trier / Dublin. Um die lange angedachten Transatlantik-Flüge zu realisieren, baut man in Dublin nicht etwa auf eine neue Langstrecken-Flotte, sondern auf eine Vertriebskooperation. Mit der spanischen Air Europa hat man den geeigneten Partner bereits gefunden, der in Zukunft Ryanair-Kunden zu bis zu 19 Transatlantik-Destinationen fliegen soll. Startpunkt dafür ist die spanische Hauptstadt Madrid, zu der Ryanair die Zubringerflüge organisiert. Umsteigen ist also Pflicht.

Ob das Modell Ryanair auch auf Langstrecke passt, wird man bereits in Kürze sehen können, sobald die ersten Flüge buchbar sind. Im Gegensatz zum aus allen Nähten platzenden europäischen Flugangebot der Iren, wo der Kunde zum Teil für einstellige Euro-Beträge kreuz und quer durch Europa fliegen kann, gibt es auf der Langstrecke durchaus einige nicht zu verachtende Haken.

Im Gegensatz zum spontanen Wochenend-Trip innerhalb Europas, kommen die wenigsten Kunden bei Transatlantik-Flüge mit 2 Handgepäckstücken klar. Und wer 10 Stunden und mehr im Flugzeug sitzt, wird auch irgendwann Hunger bekommen. Die fehlenden im Preis inkludierten Services, die auf Europa-Flügen zu verschmerzen sind, machen sich auf Langstrecke doch recht schnell bemerkbar. Natürlich wird es die Möglichkeit geben mit Aufgabegepäck und Bordverpflegung zu fliegen, aber das lassen sich die Günstig-Airlines in der Regel teuer bezahlen.

Das lässt sich bereits bei den aktuellen Platzhirschen beobachten, deren Schnäppchenpreise schnell zum hässlichen Entlein werden, wenn man die Grundbedürfnisse für den langen Flug zum Top-Preis hinzufügt.

Beispiel: Eurowings, Köln – Miami. Der Direktflug, der immer wieder bei diversen Flug-Portalen für teilweise unter 300 Euro angeboten wird, ist ein schönes Beispiel, wie der Schein trügen kann, denn im Preis sind natürlich nur Flug und 1 Handgepäck-Stück enthalten. Wer Aufgabegepäck hat bezahlt 25 Euro pro Flug, wer etwas essen möchte bekommt ab 7,90 Euro eine Mahlzeit, wer auf seinem Wunschsitzplatz sitzen möchte, muss mindestens 8 Euro (Mittelsitz) pro Flug draufzahlen. Fensterplätze schlagen bereits mit 18 Euro pro Flugstrecke zu Buche, SItze mit mehr Beinfreiheit fangen bei 85 Euro an. Wer auf der Strecke einen Film im Onboard-Entertainment schauen möchte, bezahlt auch dafür 9,90 Euro pro Flug.

So addieren sich haufenweise Extrakosten auf das vermeintliche Schnäppchen, welches es zum getesteten Zeitraum auch schon für rund 350 Euro (und damit vermutlich günstiger als der Billigflieger-Endpreis) von renommierten Airlines gibt. Das bedeutet: inklusive Aufgabegepäck, kostenloser Verpflegung und Onboard-Entertainment. Für Sitzplätze muss man mittlerweile auch bei den Premium-Airlines zahlen. Aufgrund des aktuellen Preiskampfes auf dem internationalen Airlinemarkt sind somit Lufthansa, British Airways & Co im Langstrecken-Sektor kaum teurer als die aufstrebende Günstig-Konkurrenz.

Preisbewusste Reisende sollten also das neue Langstrecken-Angebot von Ryanair erstmal mit Vorsicht genießen, Buchungen im Hinblick auf den Endpreis mit allen benötigten Leistungen durchspielen und dann Preise bei Flugportalen vergleichen.

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