Weihnachten im Beutelweg

Für Theo Löwen aus Trier-Nord beginnt Weihnachten am 15. Oktober

„Du bist verrückt“, den Satz kennt Theo Löwen, wenn Besucher seine Wohnung Am Beutelweg betreten. Auch das „Du bist verrückt“ seiner Familie, wenn er am 15. Oktober nicht mehr anders kann, als seine mehr als dreißig Umzugskisten voller Weihnachts-Dekoration aus dem Keller zu holen. Doch für Theo ist Weihnachten etwas ganz besonderes.

Trier-Nord. „Du wirst es nicht glauben, aber in meiner Familie – und wir waren acht Geschwister – waren die Weihnachtstage immer etwas Friedliches. Denn da gab es keine Schläge. Und die gab es für uns Kinder sonst tagtäglich, ohne Unterlass, von meinem Vater. Und je mehr er getrunken hat, desto…“ und hier unterbricht Theo Löwen: „Doch schau Dir meine Weihnachtsdekoration an – meine drei Enkel freuen sich, wenn sie bei mir sind. Und sie wollen, dass ihr Opa immer wieder die Drehorgel anstellt. Es nervt, aber auch ich höre jeden Morgen Weihnachtslieder. Wenn es zu viel ist, stelle ich sie ab.“

Je mehr ich Theo Löwen zuhöre, desto mehr wird mir bewusst, dass das Weihnachten für das Kind Theo Löwen tatsächlich drei Tage „Paradies“ war. Ein Erleben, das er mit all dem verbinden konnte, das er zwar jetzt seinen Kindern und Enkeln tagtäglich schenken darf. Das er jedoch als Kind nur an drei Tagen des Jahres hatte: Frieden, Ruhe und Aufmerksamkeit:

„Kurz vor Weihnachten war mein Holz-Bauernhof und mein Holz-Traktor weg. Und am 24. standen die Tiere oder der Traktor wieder neu gestrichen oder repariert unter dem Weihnachtsbaum. Ich weiß, dass so etwas heute nicht mehr geht, aber für mich war es das Höchste.“

Am 24. Dezember gibt es kein Alkohol

Heute am späten Vormittag haben wir kurz miteinander telefoniert. Seit sechs Uhr ist er schon am Hantieren: Der Kartoffelsalat und der Nudelsalat sind schon am Ziehen. Die zwei Kilo Hackfleisch sind bereits vorbereitet, so dass am frühen Nachmittag so um die 50 bis 55 Frikadellen daraus entstehen. „Wir fangen früh an, so dass der Geruch nicht heute Abend in der Küche hängt. – Die Tische habe ich allerdings schon aufgestellt. Fünfzehn Teller stehen heute Abend bereit.“

„Was gibt es bei Euch dazu?“, hatte ich am gefragt. „Um 18 Uhr – neben dem Kartoffel- und Nudelsalat – gibt es heiße Würstchen, Frikadellen und 2 bis drei Platten belegte Brötchen. Denn die Kinder, die vorher zu nervös sind, haben meist nach der Bescherung noch Hunger. Und da ist ein belegtes Brötchen genau passend. – Dazu gibt es Cola, Limo, Heißen Kakao, jede Menge Kaffee und Wasser.“

„Kein Alkohol?“, wollen wir wissen. „Kein Alkohol!“, meint Theo. „Da bin ich hart. Wir haben 264 Tage im Jahr die Möglichkeit dazu, dann muss es nicht am Heiligabend sein. – Nach der Bescherung kann man ein Radler trinken. Mehr aber nicht.“

Ein Enkel liegt in Krankenhaus

Damit sind wir wieder am Anfang des Textes, in Theos eigener Lebensgeschichte.
Sein jüngster Enkel muss leider das Weihnachten, auf das er sich mit fast zwei Jahren „ganz groß“ gefreut hat, im Krankenhaus verbringen. Auf Grund einer starken Lungenentzündung hängt er bis morgen an der Sauerstoffmaske.

Meine Sammlung wird jedes Jahr größer

Als vom 15. Oktober bis auf jeden Fall 6. Januar seine Weihnachtsdekorationen Ausstellender meint Theo – noch bevor er mir seine Sammlung zeigt: „Ich kann nichts wegschmeißen und ich finde jedes Jahr – vor allem auf dem Sperrmüll – Neues. Auch kaufe ich mir das ein oder andere, an dem ich nicht vorbei komme. – Du erinnerst dich an meinen Anruf – der dann zu einem Beitrag auf 5vier.de wurde?
Da musste auch der ein oder andere Weihnachtsmann mit in meine Wohnung. – Ich habe gehandelt und dann ging das… Doch jetzt komm mit, ich hole den Schlüssel, denn das Zimmer mit dem Weihnachtsbaum wird erst zur Bescherung geöffnet.“

Und so entstand – dank unseres Redakteurs und Fotografen Rafael Wlotzki – eine Bilderfolge in der Wohnung von Theo Löwen.












Ganz zum Schluss zeigte er uns dann auch seine „romantische Ecke“: Sein Badezimmer mit Weihnachtsmann: „Er leuchtet – und wenn ich in die Wanne gehe, dann mache ich vorher das Licht aus.“

Fotos: Raphael Wlotzki

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