Weinregion 5vier: Moselweine stellen sich internationalem Fachpublikum

Ab Sonntag ist es wieder so weit. In Düsseldorf trifft sich die internationale Weinelite zur großen Fachmesse ‚ProWein‘. Über 3.300 Austeller und 36.000 Fachbesucher aus aller Welt nutzten im Vorjahr das wichtigste Treffen der internationalen Wein- und Spirituosenbranche für ihre Geschäfte.

Auch Winzer und Weine der 5vier-Region präsentieren auf der Messe ihre Erzeugnisse. 5vier.de-Redakteur Andreas Gniffke sprach im Vorfeld mit Ansgar Schmitz vom Moselwein e.V. über internationale Bedeutung und die Exportleistungen des Moselweins.

5vier: Allein in den letzten Wochen erschienen in internationalen Medien vor allem aus dem angelsächsischen Bereich wiederholt Lobeshymnen über Weine und Erzeuger von Mosel, Saar und Ruwer. Wie erklären Sie sich den enorm guten Ruf, den diese Weine sich gerade in den letzten Jahren im Ausland erarbeitet haben?
Ansgar Schmitz: Die Berichterstattung von amerikanischen, kanadischen und britischen Medien ist in Bezug auf den Moselwein seit einigen Jahren konstant positiv. Das begann mit dem sehr guten Jahr 2001, der in diesen Märkten verstärkt Aufmerksamkeit auf den Riesling im Allgemeinen gelegt hat. Und wenn man im Ausland von Riesling spricht, dann ist es zu mindestens 50% Moselriesling über den gesprochen wird. Rheinhessen ist daneben noch recht exportstark sowie einige Betriebe aus Pfalz, Nahe, Franken, Rheingau und den anderen Anbaugebieten. Doch der Moselriesling ist mit Abstand das Produkt, das am stärksten wahrgenommen wird. Man muss aber sagen, dass sich anders als in Nordamerika in Großbritannien die positive Berichterstattung in der breiten Bevölkerung nicht unbedingt durchgesetzt hat.

Ansgar Schmitz vom Moselwein e.V.

5vier: Woran liegt das Ihrer Ansicht nach?
A. Schmitz: In England scheint man große Probleme mit den deutschen Etiketten und Bezeichnungen zu haben. Außerdem hat deutscher Wein im Allgemeinen noch sehr stark das Image ’süß und billig‘. Das ist gewissermaßen noch das Erbe von Liebfrauenmilch und billigen Großlagenweinen. Unter den auch heute noch auf dem englischen Markt vorherrschenden deutschen Weinen des Preiseinstiegsegments leidet das Image der Mosel nach wie vor. Weinkenner greifen zwar gerne zu qualitativ hochwertigen Moselweinen, ansonsten dominieren in England aber eher Rieslinge aus Australien oder Neuseeland, unter anderem weil diese auch in englischer Sprache vermarktet werden. Da gilt es noch Überzeugungsarbeit zu leisten.

5vier: Gibt es denn im Ausland besondere Geschmackspräferenzen, wenn man sich die gekauften Weine einmal genauer ansieht?
A. Schmitz: Es dominieren im Ausland immer noch die eher süßen und fruchtigen Weine. Gerade im amerikanischen Markt ist das Geschmacksempfinden doch prägnant anders. Dort wird ein Kabinettwein mit 30 oder 35 Gramm Restzucker fast noch als halbtrockener Wein empfunden. In den USA hat man auch weniger Probleme damit, süße Weine als Essensbegleiter zu nutzen, wohingegen bei uns solche Weine bevorzugt nach dem Essen genossen werden. In den letzten Jahren wurde aber verstärkt wahrgenommen, dass auch die trockenen Rieslinge aus Deutschland eine exzellente Qualität haben. Ein gewisser Wandel ist also durchaus zu erkennen und man steckt deutschen Riesling nicht mehr zwangsläufig in die süße Schublade.

Auf der ProWein 2011 stellen sich die Moselweine dem internationalen Vergleich.

5vier: Die Exportzahlen des Verbands deutscher Weinexporteure sind ja wirklich sehr eindrucksvoll. Allein im Jahr 2010 wurden 343.885 Hektoliter Moselwein (nur weiß, in Flaschen und bis 13% Alkohol) exportiert, was einem Gesamtwert von mehr als 108 Millionen Euro entspricht. Wie muss man sich den Export denn im Detail vorstellen, an wen gehen die Weine?
A. Schmitz: Was aus diesen Zahlen komplett herausfällt ist der Direktverkauf an Touristen und alle Kleinstmengen. Im Ausland läuft im Prinzip alles über Importeure und Großhändler, wobei es große internationale Unterschiede gibt. Es gibt zum Beispiel Märkte wie Kanada, die grundsätzlich monopolistisch geregelt sind und der Staat die Hand darüber hält. Auch in den USA braucht man im Prinzip für jeden Bundesstaat einen eigenen Importeur oder sie benötigen jemanden, der den Verkauf innerhalb der USA übernimmt. Einige Erzeuger in der Region haben sich aber ihre eigenen Netzwerke geknüpft, zum Beispiel über Bekannte und Verwandte und sind so in den ausländischen Märkten präsent. Großimporteure bieten aber natürlich die Möglichkeit, eine weitaus größere Wirkung zu erzielen und so dann auch größere Mengen zu verkaufen. Insgesamt muss man aber betonen, dass die Vereinigten Staaten der mit Abstand wichtigste Markt für uns sind. Was die Menge angeht, so ging 2010 weit über 50% des verkauften Weins in die USA (55,88%). Betrachtet man den Wert gemessen am Erlös, waren es in diesem Zeitraum sogar 63%, was einem Volumen von mehr als 68 Millionen Euro entspricht. Der zweitgrößte Markt ist was den Wert angeht Norwegen mit 7,8 Millionen Euro, also ein gewaltiger Unterschied.

5vier: Wie ist die Gesamtbilanz des vergangenen Jahres?
A. Schmitz: 2010 war für den Moselwein ein sehr gutes Jahr. Die Exporte von Weinen des Anbaugebietes Mosel stiegen im Jahr 2010 gegenüber dem Vorjahr um mehr als 30 Prozent in Menge und Wert. Wir sind nun wieder auf dem Niveau, das wir vor der Finanzkrise erreicht hatten. Der Boom begann im Prinzip im Jahr 2001 und während der Finanzkrise brach vor allem der amerikanische Markt ein. Das scheint nun überwunden zu sein.

5vier: Sagen diese Zahlen auch etwas über die Qualität des verkauften Weines aus? Kann man erkennen, welche Länder Wert auf höherpreisigen Wein legen und welche eher die günstigeren Weine zum Beispiel für den Supermarkt bevorzugen?
A. Schmitz: Man bekommt zumindest Hinweise. Der Durchschnittspreis für die USA liegt bei 3,54 Euro pro Liter ab Keller und damit etwas über dem Durchschnitt für Exportweine von 3,14 €. Daran erkennt man schon, dass viele günstigere Weine zum Beispiel für Supermärkte verkauft werden, denn der Wert wird ja durch die höherpreisigen Erzeugnisse nach oben gezogen. Anhand der Zahlen sieht man aber auch, dass zum Beispiel Länder wie Belgien oder die Niederlande mit Durchschnittswerten von 1,52 € bzw. 1,66 € eher günstigere Weine importieren, wohingegen der Preis in der Schweiz bei 6,91 € liegt. Bei unseren Nachbarn in Luxemburg liegt der Durchschnittspreis pro Liter sogar bei 9,05 €, dort scheinen eher Spitzenqualitäten gefragt zu sein. Auch Italien ist ein Markt der in dieser Hinsicht nicht uninteressant ist.

5vier: Und wie sieht es mit dem asiatischen Markt aus?
A. Schmitz: Asien hat sich im vergangenen Jahr positiv entwickelt, zum Teil sogar sehr positiv. Zu nennen ist unter anderem China, da hat sich die Menge mehr als verdoppelt, in Hongkong fast verdreifacht. Japan war lange ein schwieriger Markt. Die Finanzkrise Ende der 90er-Jahre hat sich noch lange spürbar auf den Weinexport ausgewirkt. In den letzten Jahren sind die Absatzzahlen aber kontinuierlich gestiegen. Wie sich das nun nach der Katastrophe entwickelt, kann natürlich niemand voraussagen. Nach der ProWein wird eine Gruppe japanischer Weinfachleute auf Einladung des Verbands Deutscher Weinexporteure an die Mosel kommen. Nur zwei der angemeldeten Teilnehmer haben zwischenzeitlich abgesagt. Wir gehen derzeit davon aus, dass unsere für Ende Mai in Tokyo, Kyoto und dem Süden Japans geplanten Werbemaßnahmen stattfinden können.

5vier: Was sind denn überhaupt die Initiativen und Aufgaben des Moselwein e.V. im Bezug auf den Weinexport?
A. Schmitz: Zunächst einmal muss man festhalten, dass die Exportwerbung in Deutschland maßgeblich Sache des Deutschen Weininstituts ist. Die meisten deutschen Anbaugebiete machen selbst auch keine Exportwerbung. Das ist natürlich auch eine Sache der Budgets. Die Gebietsweinwerbung ist in der Regel für den Verkauf innerhalb Deutschlands zuständig. Da für die Mosel der Export aber eine sehr große Bedeutung hat, haben wir in den letzten Jahren unter anderem zahlreiche Aktionen in Asien organisiert, vor allem in Japan und Südkorea. Für China gibt es Informationsmaterial über die Mosel, zudem auch Kontakte zu Weinmedien. Im europäischen Bereich hatten wir einiges in Belgien und den Niederlanden gemacht, neben reiner PR- und Medienarbeit zum Beispiel auch im Rahmen von Veranstaltungen in Zusammenarbeit mit Sommelierschulen.

5vier: Welche Veranstaltungen haben Sie auf der diesjährigen ProWein geplant?
A. Schmitz: Unser Stand ist noch einmal deutlich größer als im vergangenen Jahr. Es beteiligen sich etwa vierzig Betriebe incl. der ‚Moseljünger‘. Wir bieten täglich freie Fachverkostungen an einer Verkostungstheke an und wir stehen als Ansprechpartner zur Verfügung. Unsere besonderen Themen in diesem Jahr sind ‚Cremants‘, also hochwertige Winzersekte, reife Spätlesen, um das Reifepotential von Steillagenrieslingen aufzeigen zu können, sowie ‚Gutsweine 2010‘ mit den Schwerpunkten Riesling, Burgundersorten, Elbling und Rivaner. Der Gast soll sich an unserem Stand schnell einen Überblick verschaffen können, ohne von Stand zu Stand gehen zu müssen. Über den Gemeinschaftsstand hinaus sind zahlreiche weitere Weingüter, die Winzergenossenschaft Moselland eG und Weinkellereien der Region auf der Messe vertreten. Insgesamt werden sich schätzungsweise rund 80 Betriebe von Mosel, Saar und Ruwer dort präsentieren.

Fotos: Moselwein e.V./Ansgar Schmitz (1), Andreas Gniffke (2-4)

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