Wenn die erste Single zum Shitstorm wird: Bibi’s „How it is“

Zwischen Medienkalkül und Zielgruppen-Musik...

Eigentlich nutzen wir ja den „Music Monday“ für wichtige musikalische Themen. Vielleicht ist aber auch genau das der Grund, warum wir nicht Montags über „How It Is ( wap bap … )“ berichten. Fest steht aber dennoch: Um dieses Machwerk zu ignorieren, ist es zu wichtig, denn es hilft die Marketing-Maschinerie hinter dem Video-Giganten Youtube zu verstehen, von der ein Großteil der Bevölkerung noch gar nichts mitbekommen hat. Denn hier werden nicht nur Millionäre gemacht, sondern auch die nächste Generation an Konsumenten herangezüchtet, die die Manipulation nicht mal mehr als Werbung wahrnehmen.

Kein Mensch weiß, wer Bianca Heinicke ist. Wenn man aber „BibisBeautyPalace“ hört, wissen gleich ein paar Millionen Menschen bestens bescheid über eine junge Frau, die scheinbar ihr ganzes verrücktes Leben mit ihren Followern teilt. Dafür gibt es einen Markt, über dessen Wert sich die meisten Menschen nicht mal bewusst sind. Youtuber(in) nennt man sowas und im Falle von Bibi bedeutet das, dass die strahlende Blondine mit ihren Videos jede Woche rund 4,4 Millionen Abonnenten erreicht. Insgesamt wurden ihre Videos rund 1.280.000.000 mal geklickt. Also egal wovon sie begeistert drauf los plappert: sie erreicht damit auf eine vermeintlich authentische Weise ein Millionenpublikum, dass sich auf ihre Empfehlungen wie auf die einer guten Freundin verlässt.
 

 
Gemäß dieser Strategie hat man nun in Zusammenarbeit mit Warner Music eine Single samt aufwendigem Musikvideo auf den Markt gebracht, welches Bibi im eigens dafür vorgesehenen Youtube-Video 13 1/2 Minuten lang anpreist und mit dem gleichen fröhlichen Grinsen davon erzählt, wie sie das auch bei ihren eigenen Duschschaum-Produkten praktiziert. Auch wenn sie dies auf dem heimischen Bett oder der Couch tut, ist es nichts anderes als penetrantes Holzhammer-Marketing, dass von einer ganzen Follower-schaft nicht als solches wahrgenommen wird.

Was authentisch wirken soll, ist in Wahrheit eiskalt durchkalkuliert. Jeder neue Duschschaum wird Minuten-lang präsentiert, aufgetragen, beschnuppert, jedes Product-Placement-Produkt ist so „total cool“ und „voll schön“. Die Masche ist so offensichtlich, dass es eigentlich erschreckend ist, das offensichtlich Millionen Menschen darauf hereinfallen.

Den gleichen Weg geht die erste Single von Bibi. „How it is ( wap bap … )“ klingt wie das Abarbeiten einer Zielgruppen-Analyse. Seichte Instrumentals, die mehr an Stock-Musik erinnern als an ein wirkliches Produkt für die Chart-Industrie und ein schön harmloser Text, der im Refrain – immerhin der wichtigste Teil eines Liedes – in eine „Wap Bap Badadadidaba“-Melodie gipfelt. Was Bibi im Teaser-Video als wertvolle Botschaft verkauft, läuft dementsprechend ins Leere…

„Der Song handelt von einer Person, die leider sehr, sehr viel Pech in ihrem Leben hat, bei der sehr viel schief geht und sie eigentlich alle Gründe hätte, um echt fertig und traurig zu sein. Aber sie lässt sich davon nicht aufhalten, nimmt ihr Leben immer wieder in die Hand, gibt nicht auf.“

Die Mainstream-Musik-Industrie ist ja bekannt für anspruchslose Texte, aber als Lösung für alle Probleme eine „Wap Bap Badadadidaba“-Lösung zu lancieren, zeugt schon von einer ganz besonderen Ideenlosigkeit, frei nach dem Motto: Die Follower werden’s schon kaufen.

Und wenn nicht? Dann hat das offizielle Musikvideo auf Bibis Youtube-Kanal dennoch schon fast 9 Millionen Aufrufe. Auch wenn Google keine offiziellen Zahlen nennt, liegen die Einnahmen auf Youtube bei durchschnittlich rund 1-2 Euro pro 1.000 Videoaufrufen. Bei 9 Millionen Klicks hat also alleine das hochgeladene Video schon zwischen 9.000 und 18.000 Euro umgesetzt. Und auch wenn zur Zeit weit über 1 Million Daumen nach unten zeigen (bei nur guten 200.000 Daumen nach oben), helfen wir somit alle der guten Bibi beim Geld verdienen.

Und gefühlt ganz Deutschland-Youtube nutzt den Synergie-Effekt. Jeder Youtuber, der etwas auf sich hält, präsentiert zur Zeit ein Video über die vermeintliche musikalische Bauchlandung…und sammelt so selbst Videoaufrufe für den eigenen Kanal. Als Fallbeispiel zur Veranschaulichung:
 

 

Demzufolge rangiert Bibi in den deutschen Youtube-Trends zur Zeit auf Platz 2, während auf Platz 7, 9, 10, 12 und 14 sogenannte Reaction-Videos folgen, in denen andere Youtuber ihre Reaktion/Meinung auf „How it is ( wap bap … )“ zum Besten geben. Mit Bibi lässt sich Geld verdienen und ganz Youtube macht ungeniert mit. Somit ist eine Trash-Single, über die ausnahmslos jeder spricht, für den blonden Youtube-Star und ihr Management womöglich gar einträglicher, als ein richtig professionell produzierter Pop-Track, der aber im internationalen Vergleich nicht weiter auffällt. Im vorliegenden Fall erreicht die junge Geschäftsfrau ihre noch unwissende Fanbase und profitiert dabei gleichzeitig vom nationalen Shitstorm, zu dem wir gerade auch beigetragen haben. Schande über uns….aber hey, that’s just how it is…wap bap…

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