Acht Minuten, die das Ruder herumrissen

Von Stephen Weber

Eintracht Trier verpasste am Freitagabend zwischen 20:08 Uhr und 20:16 Uhr höchstwahrscheinlich die letzte Möglichkeit auf den Aufstieg in die Drittklassigkeit. Denn in diesen acht Minuten drehte nicht nur der ärgste Konkurrent aus Elversberg einen 1:2-Rückstand in Homburg in eine Führung, sondern die Eintracht kassierte obendrein gegen Ulm den vorentscheidenden Treffer zur bitteren Auswärtsniederlage.

Steven Kröner markierte den zwischenzeitlichen Ausgleich der Trierer (Foto: 5vier)

Steven Kröner markierte den zwischenzeitlichen Ausgleich der Trierer. (Foto: 5vier)

Es war 20:07 Uhr als der Trierer Mittelfeldspieler Steven Kröner im Zentrum des Spielfelds zu einem Dribbling ansetzte, den Ball auf die Außenbahn legte und sich in Richtung Strafraum orientierte. Wenige Sekunden später bekam er das Spielgerät von Mitspieler und Namensvetter Steven Lewerenz retour und der Nürtinger schloss trocken aus zehn Meter zum zwischenzeitlichen 1:1 ab. Tosender Jubel. Zu diesem Zeitpunkt war die Welt des SVE noch in Ordnung.

Doch die folgenden 480 Sekunden sollten die blau-schwarzen Träume eines Aufstiegs in die 3. Liga so gut wie zerplatzen lassen. Im 286 Kilometer entfernten Elversberg markierte Michael Schug nur wenige Augenblicke nach dem Trierer Ausgleich ebenfalls den Einstand für seine Farben. Aufstiegsaspirant Elversberg lag bis dahin überraschend beim Lokalnachbarn Homburg mit 1:2 zurück, was freudige Prognosen auf Seiten der Moselstädter hervorrief. Als dann drei Minuten später Maurice Deville sogar auf 3:2 für die zweitplatzierten Saarländer erhöhte, nahm das Unglück für Trier seinen Lauf – um 20:16 Uhr schlug der Ulmer Johannes Ludmann einen weiten Ball in die Hälfte der Eintracht, der eingewechselte Christopher Spang verschätzte sich, geriet im Laufduell gegen Ugur Kiral ins Hintertreffen. Eine Chance, die sich der Spatz nicht nehmen ließ und das 2:1 für Ulm erzielte.

Bitter für die Eintracht, die an diesem Tag ein Spiel verlor, das sie nicht hätte verlieren dürfen. Von Beginn an präsentierte sich Trier druckvoll, dominierte im Angriff und wehrte in Person von Schlussmann Andreas Lengsfeld gar einen Elfmeter ab. Nur der befreiende Führungstreffer wollte trotz zahlreicher Gelegenheiten an diesem Tag einfach nicht gelingen. Auch Homburg bekam gegen Elversberg in der 78. Minute einen Elfmeter zum möglichen Ausgleich zugesprochen, den SV-Schlussmann Kenneth Kronholm jedoch gegen Homburgs Pascal Reinhardt parieren konnte. Die Chancen waren da, weshalb Triers Torhüter Andreas Lengsfeld enttäuscht über den Verlauf des Spieltages war: „So ein Spiel darf man nicht verlieren. Wir hatten sehr gute Chancen, mehrere sogar. Davon muss man halt einfach eine machen.“ Zudem brüskierte sich der Keeper über die Entscheidungen des Unparteiischen an diesem Tag: „Die Schiedsrichterleistung war sehr unglücklich gegen uns. Der zweiter Elfmeter, der das 1:0 für Ulm bringt, darf niemals gepfiffen werden.“

"Ich bin Realist genug" - SVE-Coach Roland Seitz (Foto: 5vier)

„Ich bin Realist genug“ – SVE-Coach Roland Seitz (Foto: 5vier)

„Ich bin Realist genug“

Trotzdem muss man der Mannschaft von Roland Seitz für ihre Auftritte an den zurückliegenden Spieltagen Respekt zollen. Vor zwei Monaten war die Eintracht bereits für chancenlos auf eine Fahrstuhlfahrt in die höhere Klasse erklärt worden – allerdings schürten unerwartete Ausrutscher der direkten Kontrahenten in der vergangenen Wochen bei den Anhängern wieder die Sehnsucht nach dem Profifußball. Umso schmerzhafter war es nun für alle Beteiligten, dass die fragile Seifenblase der Hoffnung schon wieder platzte, bevor es eigentlich richtig los ging. Coach Seitz setzte sich mit offenen Worten mit der Niederlage und dem vermeintlichen Verbleib in der Regionalliga auseinander: „Ich bin Realist genug, um zu wissen, dass es das wohl war. Sechs Punkte aufholen bei noch drei Partien ist wohl zu viel. Trotzdem wollen wir die Runde würdevoll zu Ende spielen und unseren Fokus nun auf das Finale im Rheinlandpokal gegen Salmrohr richten. Dafür können wir die nächsten Partien nutzen.“

Zwar ist mathematisch betrachtet die mögliche Chance auf einen der beiden Relegationsplätze noch vorhanden, gleichwohl ist man dabei sehr auf das Dünken der Konkurrenz angewiesen. Die Eintracht muss nun am kommenden Mittwoch gegen Hoffenheim II, am Samstag gegen Eschborn und am 25. Mai auswärts in Pfullendorf antreten, ehe am 29. Mai das große Pokal-Endspiel gegen den FSV Salmrohr wartet.

+++Eintracht in Kürze+++

Auslosung der Relegationspartien: Falls der Eintracht doch noch der überraschende zweite Rang in der Regionalliga Südwest gelingen sollte, würden sie in den Relegationsspielen auf 1860 München II treffen. Dies wurde heute in Leipzig im Rahmen der Auslosung der Relegationsphase um den Aufstieg in die 3. Liga ermittelt.

Die konkreten Ansetzungen lauten:

Meister Regionalliga Nord – Meister Regionalliga Südwest
Vize-Meister Regionalliga Südwest – 1860 München II (Meister Regionalliga Bayern)
RB Leipzig (Meister Regionalliga Nordost) – Meister Regionalliga West

 

Das Video zum Spiel

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