Ein Alptraum in Magenta – 76:90-Derbypleite in Bonn

Aus Bonn berichtet Florian Schlecht

Leuchtstäbchen, Wunderkerzen, Trommeln. Die Stimmung in Bonn erwischte den richtigen Derby-Pegel. Sportlich stand die TBB am Ende mit leeren Händen da. Auch wegen eines Aufbauspielers, der sogar ohne Punkte glänzen konnte.

Für Andreas Seiferth und die TBB Trier wurde es nichts aus dem erhofften Derbysieg. Foto: Schwarz

Es war alles angerichtet für ein Basketball-Fest. Um 16.12 Uhr kamen die Fans der TBB Trier mit lauten Rufen in der Halle in Bonn an. Mit Leuchtstäbchen, Wunderkerzen und Trommeln heizten sie die Atmosphäre dann beim Einlaufen auf den richtigen Derby-Pegel ein. Knapp zwei Stunden später waren die Gemüter aber wieder abgekühlt, als sie die Spieler trösten mussten, die nach der 76:90-Niederlage bei den Telekom Baskets Bonn den krönenden Abschluss einer furiosen Hinrunde verpasst hatten. Die Enttäuschung war den Verantwortlichen deutlich anzumerken. Henrik Rödl stand wenige Minuten vor Beginn der Pressekonferenz in den Katakomben. Ganz ruhig versuchte er, das Spiel in Worte zu fassen. „Ich hatte den Eindruck, dass Bonn mehr Energie gehabt hat als wir. Sie haben sich auch in den Phasen, wo sie sich rangekämpft haben und es brenzlig wurde, gepunktet. Jeden Moment, in dem die Begegnung kippen konnte, haben sie in einer soliden Art gemeistert.“

Überraschend war, dass ein Schachzug der TBB Trier weitgehend aufging und irgendwie auch nicht. Mit Jared Jordan sollten die Wirkungskreise eines der besten Aufbauspieler der Bundesliga eingegrenzt werden. Tatsächlich kam der US-Amerikaner auf null Punkte – verbuchte aber sagenhafte 16 Assists. Die begeisternde und frustrierende Erkenntnis des Abends: Selbst, wenn Jordan als Werfer ausgeschaltet ist, blüht er auf. Und eine begnadete Bonner Offensive bedankte sich für die vielen Vorlagen. Benas Veikalas glänzte bereits wie beim letzten Derbysieg im April mit 22 Zählern. Dreierkönig David McCray und Kyle Weems verwarfen mit ihren jeweils 15 Punkten immer wieder die Gedanken an eine Aufholjagd der TBB. „Wir schießen gegen die beste Verteidigungsmannschaft 58 Prozent aus dem Feld, haben eine hohe Dreierquote und das Scoring breit verteilt“, freute sich Coach Michael Koch redlich darüber, den Trierern auf den Playoff-Plätzen wieder auf die Schliche gekommen zu sein. „Das ist ein Spiel nach dem wir wieder nach oben schauen dürfen.“

Desaströse Wurfquote im zweiten Viertel

Ausschlaggebend war für Koch die erste Halbzeit. „Da haben wir Spirit gezeigt, zugepackt und aggressiv verteidigt.“ Tatsächlich wirkten beide Teams in der Anfangsphase zunächst etwas gehemmt durch die feurige Derby-Stimmung in der Halle. Erst nach 1:56 Minuten gelangen Veikalas die ersten Punkte des Spiels. Dann kam langsam auch die TBB in die Gänge, besonders dank Nate Linhart, der nicht nur wegen seiner 16 Zählern zum besten Trierer avancierte. Von 4:0 drehte das Energiebündel den Rückstand schnell in einen 5:4-Vorsprung um. Bis zum 15:14 blieb die Begegnung offen, auch weil Jermaine Bucknor nach seiner Einwechslung fleißig punktete. Ab dann zog Bonn aber mit einem 9:0-Lauf auf 24:14 davon. Trier erwischte ein rabenschwarzes zweites Viertel, das ein wesentlicher Faktor für die Niederlage war. Zur Halbzeit verbuchte die TBB eine desaströse Trefferquote. Nur sieben von 20 Versuchen fanden ihr Ziel. Alleine bei Zweier-Würfen legte Trier einen schlechteren Wert hin (35 Prozent) als die Gastgeber bei Dreiern (36 Prozent).

Und das Drama schien sich im zweiten Durchgang fortzusetzen. Bereits mit dem ersten Angriff ließ die TBB die 24-Sekunden-Uhr herunterlaufen. Am Selbstvertrauen kratzte das jedoch nicht. Von 43:28 kämpften sich Rödl-Schützlinge auf 43:34 heran. Ein gelungener Konter, bei dem Jarrett Howell auf Andreas Seiferth zurücklegte und Treffsicherheit mit 13 verwandelten Freiwürfen brachten Trier zurück ins Spiel. Linhart brachte den Rückstand zwischenzeitlich auf bis zu sechs Punkte zum Schrumpfen. Sollte noch was gehen?

Nein. Denn dann folgte das, was Rödl an Bonn lobte und was ihn irgendwie auch zur Verzweiflung brachte. Immer, wenn die Hoffnungen auf eine Wende aufflackerten, schlug der Rivale über seine vielseitige Offensive zu. Ein Dreier von David McCray brachte die Halle beim 70:59 zum Beben, die Punkte hatten vorentscheidenden Charakter. Danach brachten die Telekom Baskets das Derby locker über die Bühne. Und Trier erlebte seinen kleinen Alptraum in Magenta – der Vereinsfarbe von Bonn.

Statistik

Punkte für Bonn: Veikalas (22), McCray, Weems (je 15), Ensminger (10), Vaden (9), Wohlfahrth-Bottermann, Mangold (je 8), Thülig (3).

Punkte für Trier: Linhart (16), Howell, Seiferth, Harper (je 12), Bucknor, Stewart (je 10), Chikoko, Doreth (je 2).

Stichworte:

Kommentare (0)

Trackback URL | RSS

Antworten

Wir freuen uns über Kommentare und möchten allen Lesern die Möglichkeit geben, kritisch zu den Themen und Artikeln Stellung zu beziehen und ihre Meinung kundzutun. Wir behalten uns das Recht vor, jeden Kommentar vor Veröffentlichung redaktionell zu überprüfen und nur Kommentare freizuschalten, die sich sachlich mit dem Thema des Beitrags beschäftigen.
Spielregeln