Buntes: „Die Deutschen essen schnell und tanzen langsam“


Seit 1992 schickt der Soziale Friedensdienst im Ausland e.V. (SoFiA) junge Menschen aus dem Bistum Trier in andere Länder, um dort zu arbeiten, andere Kulturen kennenzulernen, ihren Horizont zu erweitern. Seit 1998 kommen im Rahmen des so genannten Reverse-Dienstes im Gegenzug auch Freiwillige aus aller Welt, um in Einsatzstellen des Bistums Trier zu arbeiten – bisher 50 Freiwillige aus 13 Ländern. Am 14. Januar feierten vier Bolivianer und ein Kenianer mit den Organisatoren, Partnern und Einsatzstellenleitern Abschied. Am kommenden Dienstag werden sie nach einem Jahr in Deutschland in ihre Heimat zurückkehren.

Gruppenfoto mit den Organisatoren von SoFiA, BDKJ und den ausreisenden Teilnehmern, Foto: Bischöfliche Pressestelle Trier

Peter Nilles, Geschäftsführer von SoFiA, sieht gerade in Zeiten der zunehmenden wirtschaftlichen Globalisierung eine große Chance in dem Austausch: „Ich finde es wichtig, auch bei den Menschen etwas wie eine Globalisierung zu betreiben. Das heißt, ein Verständnis für andere Kulturen, Mentalitäten, Menschen und Religionen zu gewinnen.“

Dass es gelungen ist, ein solches Verständnis zu entwickeln, zeigt das Gespräch mit den Freiwilligen. Die Bolivianerin Isabel Gómez arbeitete im vergangenen Jahr im Jugendzentrum Café Exodus in Saarbrücken: „In Bolivien gibt es das Klischee, dass die Deutschen ein bisschen kälter sind. Aber hier ist es ganz anders. Im Herzen habe ich eine Kiste mit den Erfahrungen und den Leuten, die ich hier kennengelernt habe.“ Auch ihr Landsmann Huascar Camacho, der im Pfadfinderlager Brexbachtal arbeitete, ist begeistert von seinem Friedensdienst: „Partnerschaft ist Liebe“, sagt er, „es ist eine sehr gute Methode, um voneinander zu lernen. Ich kann jetzt in mein Land zurückgehen und den Leuten sagen: Seid mal ein bisschen pünktlich!“

Dass in Deutschland vieles anders ist als in ihrer Heimat, haben alle Teilnehmer erfahren. Verónica Yujra absolvierte ihren Freiwilligendienst in einer integrativen Kindertagesstätte in Wittlich: „Ich glaube etwas typisch Deutsches ist ein Kalendertermin. Der Deutsche weiß ganz genau, was er in drei Monaten macht. Wo, wie und mit wem. In Bolivien gibt es das nicht.“ Ein anderes Beispiel fällt dem Kenianer Martin Muiri ein: „Die Deutschen essen schnell und tanzen langsam“, lacht er. Der Touristikstudent hat in Saarbrücken, wo er in einem Altenheim arbeitete, nicht nur Deutsch und Französisch gelernt: „Ich habe auch so viele Erfahrungen gemacht und die Kultur kennengelernt. Das nehme ich alles mit nach Hause.“

Die drei Bolivianer Samuel Catari, Veronica Yujira und Huasgar Camacho, Foto: Bischöfliche Pressestelle Trier

Im Jahr des 50-jährigen Jubiläums der Bolivienpartnerschaft des Bistums Trier war Martin der einzige Freiwillige, der nicht aus Bolivien kam. Samuel Catari, der Fünfte im Bunde der Ausreisenden arbeitete im vergangenen Jahr in der Jugendbildungsstätte Don Bosco in Jünkerath. Er kann sich gut vorstellen, eines Tages ganz in Deutschland zu leben: „Ich bin verliebt in dieses Land. Ich sage immer, wir haben nur eine Welt und die Grenzen haben wir als Menschen gemacht. Es gibt verschiedene Kulturen, aber wenn wir nicht als Menschheit überlegen, was wir mit unserer Welt machen, dann gibt es eine Katastrophe.“ Samuel zitiert ein Lied von den Ärzten, das er in Deutschland kennengelernt hat: „Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist, es wär nur deine Schuld, wenn sie so bleibt. Das ist auch eine theologische Reflexion. Ich habe auch von der Kirche in Deutschland viel gelernt, es war auch eine Erfahrung im Glauben.“

Weitere Informationen zu SoFiA e.V., Dietrichstraße 30a, 54290 Trier,Markus.Linsler@bistum-trier.de oder im Internet www.soziale-lerndienste.de.

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