Campus: 5vier stellt vor – Außergewöhnliche Studiengänge: Papyrologie

Die Universität Trier hat neben beliebten Studienfächern wie BWL, Psychologie und Geowissenschaften, auch einige eher außergewöhnliche Studiengänge zu bieten. 5vier stellt euch diese vor. Dieses Mal ist das Fach „Papyrologie“ dran. 

Was ist Papyrologie überhaupt?

Das Fach hat seinen Namen von der Papyruspflanze, aus deren Stängel früher das Papier hergestellt wurde. Der Gegenstand des Fachs sind hauptsächlich, die überwiegend in Ägypten gefundenen, Texte auf Papyrus, Pergament, Ostraka oder Schreibtafeln. Die Papyrologie unterscheidet zwischen literarischen und dokumetarischen Papyri. Zu den dokumentarischen gehören zum Beispiel Urkunden, Privatbriefe, Verträge und Landlisten. Zu den literarischen Papyri zählt man alle, auf Papyrus erhaltenen Texte, welche in die direkte Überlieferung eingegangen sind.

Da die meisten Papyri aus Ägypten stammen, ist die Hauptsprache Griechisch. Griechisch war seit der Eroberung durch Alexander den Großen (332 v. Chr.) und selbst nach der Einverleibung des Landes ins Imperium Romanum (30 v. Chr. ) bis zur endgültigen Unterwerfung unter die Araber (642 n. Chr.) Amtssprache in Ägypten.

Papyrologie als Studienfach

Die Universität Trier bietet das Fach „Papyrologie“ schon seit 1980 an. Es ist zusammen mit Ägyptologie, Alter Geschichte und Klassischer Archäologie in das “Forschungszentrum Griechisch–Römisches Ägypten” integriert. Diese Fächer und das der Klassischen Philologie bilden die Trierer Altertumskunde.

Besonders zu erwähnen ist, dass Trier die einzige Universität in Deutschland ist, an der Papyrologie als eigenständiges Fach studiert werden kann. Viele denken bei diesen Fächern an Filme, wie „Indiana Jones“ oder „Die Mumie“, doch eins ist sicher: Nicht jeder eignet sich für solch ein Fach. Wichtig ist es, dass man neugierig und geduldig ist und vor allem ein großes Interesse an Sprachen, Literatur und Geschichte hat. Voraussetzung ist die Beherrschung der griechischen und lateinischen Sprache. Aber auch Kenntnisse in Neugriechisch, Englisch, Französisch und Italienisch sollte man sich während seines Studiums der Papyrologie aneignen.

Doch wie sieht es in der Realität aus?

5vier.de traff sich mit der Professorin der Papyrologie Prof. Dr. Bärbel Kramer, die uns vom Studium, dem Schwierigkeitsgrad sowie dem Arbeitsaufwand erzählt. Sie erklärt, dass es vor allem wichtig ist, die Sprachkompetenz zu haben. Sie zeigt uns eines der Schriftstücke. Es ist auf griechisch geschrieben und etwa 2000 Jahre alt. Ohne Kenntnis der Sprache, wäre es unmöglich ein solches Schriftstück zu entziffern.

„Die meisten Papyri kommen aus Ägypten. Da ist es trocken und die Papyri sind gut erhalten. Deswegen wissen wir auch am meisten über das Land.“ Das Fach ist also sehr lernintensiv. „Man hat während des Bachelorstudiums Zeit, sein Graecum zu machen. Das Latinum haben die meisten ja noch aus Schulzeiten.“ Für das Masterstudium „Papyrologie“ sind das Graecum und das Latinum Voraussetzung.

Im Moment sind es ungefähr 20 Studenten. „Wir bilden hier keine Massen aus, sondern eher nach Bedarf.“ Doch zu dem Studiengang gehört nicht nur das Entziffern der alten Schriften, sondern auch die Landeskunde und die kulturellen Hintergründe. „Auf den Papyri kann alles stehen. Vom Einkaufszettel bis hin zu Verträgen. Aber genau deswegen ist das Studium so spannend“, erzählt Frau Prof. Dr. Kramer. „Man weiß nie, was einen erwartet, wenn man anfängt zu übersetzen.“ Für das Studium muss man also sehr vielseitig sein und man muss in der Lage sein, sich immer auf Neues einzustellen.

Und welche berufliche Richtung schlägt man ein, wenn man fertig ist? „Die meistens oder fast alle Absolventen arbeiten im Wissenschaftsbetrieb. „Sie lächelt und fügt hinzu: „Bis jetzt ist aus allen was geworden.“

Die Trierer Papyrussammlung

Die Grundlage für ein effektives Studium ist die Arbeit mit Originalen. Es ist wichtig, dass die Studenten wissen, wie Papyri aussehen. 1982 kaufte man, zusammen mit der Universität Heidelberg, eine Gruppe frühchristlicher Papyri. Diese wurden dann zum Instrument für Lehre und Forschung. Die Objekte wurden dann unter beiden Institutionen aufgeteilt und unter dem Titel „Das Archiv des Nepheros“ veröffentlicht.

Seitdem gab es immer neue Ankäufe im Umfang von fünf bis 105 Objekten. Die Trierer Papyrussammlung umfasst derzeit 803 Inventarnummern und enthält Papyri in griechischer, hieratischer, demotischer und koptischer Sprache, Pergamentfragmente in lateinischer Sprache und Ostraka aus insgesamt neun Jahrhunderten.

Zum 30-jährigen Jubiläum der Trierer Papyrussammlung gibt es noch bis zum 31. Juli eine Ausstellung mit dem Namen „Fenster zur antiken Welt“ in der Universitätsbibliothek. Wer mal in das Fach reinschnuppern möchte, sollte sich diese Ausstellung nicht entgehen lassen.

Weitere Informationen zum Fach Papyrologie findet ihr auf der Seite der Uni Trier

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